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"Der Krampus hat keine Parteifarbe"

Hannes Brugger gegen Brauchtums-Demo

gniglerkrampuslauf02122017016.jpg Neumayr/Archiv
Hannes Brugger, der auch Obmann der Alt Gnigler Krampusse (im Bild) ist, spricht sich klar gegen eine parteipolitische Vereinnahmung des Krampusbrauchtums aus.

Verwundert reagiert der Obmannn des Landesverbands Salzburger Heimatvereine, Hannes Brugger, auf einen Demo-Aufruf in Tirol: Gegen die "Brauchtumsvernichtung“ wollen hier am Sonntag mehrere Krampusgruppen auf die Straße gehen. Gegenüber SALZBURG24 sprach sich Brugger gegen eine politische Vereinnahmung des Brauchtums aus.

Die corona-bedingte Absage von Brauchtumsveranstaltungen ist den Krampusgruppen ein Dorn im Auge. Mit Unterstützung des "Team Tirol", das zuvor bereits Corona-Demos in Innsbruck organisierte, soll am Sonntag in Kufstein protestiert werden – in "Brauchtumsgewand". 150 Teilnehmer werden erwartet, die Polizei rüstet sich. Dem Aufruf schloss sich auch der Tiroler FPÖ-Landtagsabgeordnete Patrick Haslwanter an. In einem Facebook-Video sprach er von einer "existenzbedrohenden Situation" für die Vereine.

 

Rettet das Brauchtum vor dieser Bundesregierung‼ ????????????

Gepostet von Patrick Haslwanter am Montag, 29. November 2021

Brugger mit Appell an Salzburger Krampusse

"Der Krampus hat keine Parteifarbe", entgegnet Hannes Brugger im Gespräch mit SALZBURG24 der Aufforderung zum Protest. In Salzburg sei derzeit keine derartige Demonstration geplant. "Wir möchten hier vorab entgegenwirken und appellieren an die Vernunft, sodass sich hier niemand vor den Karren spannen lässt", so Brugger, der auch Obmann der Alt Gnigler Krampusse ist.

symb_krampus Pixabay
(SYMBOLBILD)

Tiroler Krampusse warnen vor "Brauchtumsvernichtung"

Die Tiroler Krampusse wollen am Sonntag gegen die "Brauchtumsvernichtung" - etwa durch die Absage von Perchtenläufen aufgrund geltender Corona-Maßnahmen - demonstrieren. Die Polizei rüstet sich.

"Bräuche sollen nicht instrumentalisiert werden"

Ähnlicher Ansicht in Berta Wagner, Geschäftsführerin der Salzburger Volkskultur: "Unsere Bräuche sollen nicht instrumentalisiert werden. Ich verstehe, dass hier einige sauer sind, aber wir haben eine Pandemie und wir wissen, wenn die Krampusse auftreten, gibt es Menschenansammlungen." Das Brauchtum würde in zwei Jahren zudem nicht verlernt werden.

 

Hausbesuche können stattfinden

Auch Brugger zeigt Verständnis für die aktuelle Situation und verweist darauf, dass Hausbesuche auch heuer stattfinden können. "Wir haben viele Verhandlungen geführt, dass diese Besuche stattfinden und wir den Kindern zumindest eine gewisse Normalität bieten können." Auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) und LH-Stv. Heinrich Schellhorn (Grüne) hätten es sich nicht leicht gemacht und seien für eine Durchführbarkeit eingetreten.

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Die Corona-Maßnahmen erschweren auch heuer die Durchführung und Organisation der Krampusläufe in Salzburg.

Heuer keine Krampusläufe in Salzburg?

Die Pandemie verpasst der Krampus-Saison erneut einen Dämpfer: Große und traditionelle Läufe in der Stadt Salzburg wurden für heuer bereits abgesagt. Ist dies richtungsweisend für das gesamte …

Situation "existenzbedrohend"?

Dass die aktuelle Situation für die Vereine "existenzbedrohend" sei, wie es etwa FPÖ-Politiker Haslwanter in seinem Video darstellte, lässt Brugger nicht gelten. "Verdient der Herr etwa Geld als Krampus?" Die Passen organisieren Läufe und andere Veranstaltungen grundsätzlich ehrenamtlich. Auch eine "Brauchtumsvernichtung" kann Brugger nicht erkennen: "Den Brauch kann dir niemand nehmen, wenn du ihn im Herzen trägst."

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Zu Besuch kommen dürfen höchstens drei Personen, etwa Nikolaus, Krampus und Engerl oder Korbträger. (SYMBOLBILD)

Strenge Regeln für Nikolaus-Besuch in Salzburg

Der Nikolaus-Besuch kann heuer auch im Lockdown – wie berichtet – stattfinden. Dabei gelten allerdings strenge Regeln wie 3-G und FFP2-Maskenpflicht, teilt das Land Salzburg in einer Aussendung mit.

Brauchtumsvereine leiden in Pandemie

Die Pandemie mache allen Brauchtumsvereinen, nicht nur den Krampuspassen, zu schaffen. Beim Leben der Traditionen sei eben etwas Kreativität gefragt, weiß Brugger. Wichtig sei jedoch, dass die Krampusse auch bei den Hausbesuchen Verantwortung übernehmen und sich etwa zeitnah PCR-testen lassen. "Wenn es nach den Nikolausbesuchen zu steigenden Inzidenzen kommt und daraufhin ganze Regionen zugesperrt werden, hat niemand etwas davon."

Krampusse mit Verantwortung

Dass die heurige Saison wieder auf Hausbesuche beschränkt wird, stimmt auch den Obmann der Altgnigler Krampusse traurig. "Ich habe heuer mein 30-jähriges Jubiläum als Krampus. Das hätte ich schon gerne gefeiert", so Brugger. Doch in dieser Situation hätten eben auch die Krampusse eine Verantwortung über.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 01.07.2022 um 12:41 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/demo-aufruf-fuer-krampusse-in-tirol-kritik-aus-salzburg-113401555

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