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Deutsche Urlauber halten Salzburger Bergrettung auf Trab

Waren es früher oft mangelnde oder schlechte Ausrüstung, die immer wieder zu Bergunfällen geführt haben, so sind es heute oft totale Selbstüberschätzung, Leichtsinn und mangelnde Tourenplanung, die zu gefährlichen Situationen am Berg führen. Besonders deutsche Urlauber seien dafür verantwortlich

63,5 Prozent der 408 Einsätze des Jahres 2009 gingen auf das Konto von deutschen Urlaubern, berichtete Maria Riedler von der Salzburger Bergrettung im APA-Gespräch. 6,5 Prozent entfielen auf Tschechien und Ungarn, der Rest auf Österreicher.

"Mangelnde oder schlechte Tourenplanung, Selbstüberschätzung, Fehlentscheidungen und nicht zuletzt Leichtsinn können am Berg fatale Folgen haben", meinte Bernd Tritscher, Chef der Bergrettung Saalfelden. Die Hilferufe erschöpfter Wanderer oder jenen, die am Berg in ein Gewitter geraten, fielen in der Einsatzstatistik zunehmend ins Gewicht. "In den vergangenen Jahren hatten wir etliche Einsätze wegen Erschöpfung, weil Bergsteiger die Tour ganz einfach unterschätzt haben oder auch bei schlechten Wetterverhältnissen durchziehen wollen. Auch rufen immer mehr Leute um Hilfe, wenn sie von einem Gewitter am Berg überrascht werden", sagte Tritscher.

Registrierte man 2008 in Salzburg 267 Einsätze, so waren es heuer bereits 397. "Dabei haben wir die stärksten Zeiten noch vor uns", so Riedler. Übertriebener Ehrgeiz könne in den Bergen schnell in eine Katastrophe münden. "Ich habe das Gefühl, dass der Respekt vor dem Berg verloren geht und der Berg zunehmend als 'Sportgerät' angesehen wird. Immer mehr Menschen sind mit Puls- und Höhenmesser unterwegs. Sie streben nach Leistung, nicht nach Erlebnis. Aber Bergsteigen ist mehr als Sport, Bergsteigen ist ein Lebensgefühl," kritisierte Tritscher.

Die Alpinisten von heute seien zwar viel besser ausgerüstet als noch vor 20 Jahren, was jedoch viele dazu verleite "sich in Situationen zu begeben, denen sie weder physisch noch psychisch gewachsen sind", stellte der Chef der Saalfeldener Bergrettung fest. Musste man früher oft auf teilweise veraltete Literatur zurückgreifen, bekommt man heutzutage eine Fülle von Informationen übers Internet und durch die diversen Gebiets-, Wander- und Kletterführer. Wettervorhersagen werden immer genauer, Klettersteige immer sicherer und Hightech am Handgelenk (wie etwa GPS) immer erschwinglicher. Für Tritscher eine bedenkliche Entwicklung: "Und sollte mal was passieren, genügt ein Anruf und schon wird man per Helikopter vom Berg geholt, zahlt eh die Versicherung."
(Quelle: S24)

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