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Diabetes

So gefährlich kann die Volkskrankheit werden

Was dabei im Körper passiert

SB: Diabetes APA/dpa-Zentralbild/Matthias Hiekel
Ein Tropfen Insulin hängt an der Nadel einer wiederverwendbaren Spritze.

Diabetes ist eine der häufigsten chronischen Stoffwechselkrankheiten weltweit. Rund 20.000 Salzburger leiden an Diabetes Typ 2 – die Stoffwechselerkrankung ist eine Folge übermäßigen Zuckerkonsums. Wie man präventiv dagegen vorgehen kann, erklärt der Salzburger Internist Prof. Dr. Raimund Weitgasser.

Man unterscheidet zwischen Diabetes Typ 1 und 2. Bei Typ 1 kann der Körper nicht genug Insulin produzieren, bei Typ 2 kann das Hormon an den Zellen nicht entsprechend wirken. Beides hat zur Folge, dass der mit der Nahrung aufgenommene Zucker nicht ausreichend aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden kann.

Das macht Insulin im Körper

Steigt der Zuckerspiegel im Blut, wie nach einer Mahlzeit, schütten die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Dieses Hormon fördert den Transport von Zucker aus dem Blut in die Körperzellen. Außerdem sorgt das Insulin dafür, dass die Leber und die Muskeln Zucker speichern. Gleichzeitig bremst es die Produktion von Zucker in der Leber. Dadurch sinkt der Zuckerspiegel im Blut. Haushaltszucker hat beispielsweise einen hohen glykämischen Index: "Also muss viel Insulin ausgeschüttet werden, um den Haushalt im menschlichen Körper zu regulieren", erklärt Raimund Weitgasser, Leiter des Kompetenz-Zentrums Diabetes, im SALZBURG24-Gespräch.

Arten der Stoffwechselerkrankung

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Die insulinproduzierenden Zellen werden von Antikörpern angegriffen und zerstört, was dazu führt, dass kein Insulin mehr erzeugt werden kann. Diese Autoantikörper sind schon Jahre, bevor sich Diabetes gebildet hat, im Blut vorhanden.

Diabetes, Stoffwechsel, Insulin, Infografik APA

Bei Typ 2 Diabetes liegt eine angeborene oder erworbene Insulinresistenz der Zellen vor. Zwischen 2013 und 2016 dürfte Hochrechnungen der Sozialversicherungsträger zufolge die Zahl der Diabetes-Typ-2-Fälle um ein Zehntel gestiegen sein. Österreichweit seien etwa 500.000 Menschen betroffen, in Salzburg dürften es ca. 20.000 sein. Die Stoffwechselkrankheit verläuft lange ohne eindeutige Symptome. Darum sei die Diabetes-Dunkelziffer sei nach Angaben der Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) wesentlich höher, denn viele würden noch gar nichts von ihrer Erkrankung wissen.

 

Früher wurde dieser so genannte "Alterszucker" eher verharmlost. Mittlerweile weiß man aber, dass diese Erkrankung unbehandelt schwere Langzeitschäden verursacht und längst nicht mehr erst im hohen Alter auftritt: "Nerven und Gefäße können geschädigt werden und zu Spätkomplikationen an unterschiedlichen Organen wie Herz, Augen oder Nieren führen", erklärt Weitgasser. Der Internist zeigt auf, dass diese Komplikationen wiederum im Vergleich zu Gesunden höhere Krankheits- und Sterblichkeitsraten bedingen. Risikofaktor ist neben einer genetischen Veranlagung auch Übergewicht. Eine gute Blutzuckereinstellung zählt hierbei zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen.

Diabetes, Stoffwechsel, Insulin, Infografik APA

Die direkten Kosten des Diabetes und seiner Folgekrankheiten in Österreich werden auf 4,8 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt. Das Land Salzburg lag im Jahr 2016 bei 27 Todesfällen pro 100.000 Einwohner durch Diabetes unter dem österreichweiten Durchschnitt (40). "Es ist ein deutliches Ost-West-Gefälle zu beobachten", berichtet Weitgasser. Gründe hierfür könnten das besseres Freizeit- und Bewegungsangebot durch die Nähe der Berge sein. In den letzten Jahren habe sich einiges getan, was die Diabetes-Forschung, -Prävention und Alternativen zum Zucker betreffe. Präventiv helfe bei Typ 2 weniger Süßes essen und auf zuckerhaltige Getränke zu verzichten, zeigt Weitgasser auf. "Mittlerweile wissen wir, dass auch zuckerfreie Süßstoffe die Insulinausschüttung anregen. Gegen Diabetes sind mehr Bewegung und eine gesündere Lebensweise der Schlüssel."

(Quelle: SALZBURG24)

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