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Forderungspaket aus Salzburg

"Die Regierung hat die Frauen völlig vergessen"

Corona-Krise verschärft Ungleichheiten in der Gesellschaft

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Die Corona-Krise hat Frauen besonders betroffen. (SYMBOLBILD)

Exakt 27 Punkte umfasst der Forderungskatalog der Salzburger SPÖ-Frauen an Bundes- und Landesregierung. Die Frauen seien in der Corona-Pandemie völlig vergessen worden, so die Kritik. Jetzt drohe gar ein chaotischer Herbst.

Die SPÖ will verstärkt den Blick auf die Frauen im Land lenken. Denn, während der Pandemie gesetzten Maßnahmen hätten das weibliche Geschlecht völlig außer Acht gelassen. Damit habe sich die teils prekäre Situation der Frauen noch weiter verschärft und die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern verstärkt. „Zuerst werden immer die bedient, die am lautesten schreien. Die Kleinen werden nachrangig behandelt“, kritisiert Landtagsabgeordnete und Landesfrauenvorsitzende Karin Dollinger im Gespräch mit SALZBURG24.

Warum trifft Corona Frauen besonders hart?

Krisen verstärken alle existierenden Ungleichheiten. Das trifft auch auf die Corona-Krise zu. Frauen und Mädchen zählen in allen Gesellschaften zu den benachteiligten Gruppen und sich aus diesem Grund von der Pandemie und ihren Folgen besonders betroffen. Zudem sind Frauen in Krisenzeiten schlechter vor häuslicher und sexualisierter Gewalt geschützt. Hier einige weitere Gründe:

  • Frauen stehen in der Corona-Krise an vorderster Front. Beschäftigte im Gesundheitswesen sind überwiegend Frauen. Obwohl sie oft hohen Risiken ausgesetzt sind, zum Beispiel bei der Wahrung des nötigen Abstands zu Erkrankten, ist ihre Entlohnung noch immer unterdurchschnittlich.
  • Unbezahlte Betreuungsarbeit für Frauen nimmt weiterhin zu, insbesondere mit der Schließung von Schulen und Arbeitsplätzen. Noch schwieriger wird die Situation für Alleinerziehende, vor allem, wenn sie keine Möglichkeiten der informellen Kinderbetreuung zur Verfügung haben.
  • Häusliche Gewalt nimmt in Krisenzeiten zu. Frauen sind gewalttätigen Partnern zu Hause nun oft über längere Zeiträume ausgesetzt. Das macht es schwieriger für sie, Helplines anzurufen.
  • Die Coronakrise hat für Frauen dramatischere wirtschaftliche Folgen als für Männer, berichten Bernhard Kittel und Thomas Resch vom Institut für Wirtschaftssoziologie der Universität Wien. Sie werden dadurch länger und nachhaltiger arbeitslos.
  • Arbeitslosigkeit und ein Leben ohne Perspektive hat auch psychische Folgen, zum Beispiel ein erhöhtes Risiko für Depressionen.
 

Umfassendes Maßnahmenpaket gefordert

Bundesweit brauche es rasch ein umfassendes Paket, das speziell Frauen unterstützt. Konkrete Arbeitsinitiativen, einen Frauenschwerpunkt bei der Ausbildung, den Ausbau der Frauenberatung, einen wirksamen Gewaltschutz sowie eine ganztägige Kinderbetreuung, lauten die zentralen Überschriften des SPÖ-Forderungskataloges.

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Im Bild von links: Gemeinderätin und Bezirksfrauenvorsitzende Sabine Gabath, Bundesfrauenvorsitzende NRAbg. Eva-Maria Holzleitner und Landesfrauenvorsitzende LWbg. Karin Dollinger.

"Bund reagierte zu spät, Land tut zu wenig"

Insgesamt gesehen sei der Stufenplan der Bundesregierung deutlich zu spät gekommen, so Dollinger. Auch wenn das Bundesland Salzburg die Maßnahmen des Bundes, die als Mindestrahmen vorgegeben sind, verschärfen könnte, werde „Salzburg bis zu Wahl in Oberösterreich nichts Unangenehmes machen“, meint die Juristin. Im Bundesland ließe sich sehr viel erledigen. Die Palette reiche dabei von speziellen Förderungen, ausreichender Geräteausstattung samt Schulungen und Gratis-Nachhilfe, über schulische Ausweichräume und vorausschauender Planung für den Herbst, bis zum Ausbau des Gewaltschutzes und entsprechenden Bonuszahlungen.

 
 

Schule und Bildung im Fokus

Neben den Forderungen im wirtschaftlichen Bereich – Anpassung der Frauenpensionen, bessere Entlohnung und gezielte Umschulungsmöglichkeiten für Frauen – orten die SPÖ-Frauen im Schulbereich die größten Missstände für den Corona-Herbst. So fürchtet etwa Gemeinderätin und Bezirksfrauenvorsitzende Sabine Gabath, selbst vierfache Mutter, die Möglichkeit zur Anordnung standortspezifischer Maßnahmen durch die Schulleitung: „Die Schulleitung kann zur Verhinderung der Verbreitung von Covid-19 kurzfristig und unabhängig von der bundeslandspezifischen Risikolage eine Anordnung des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes oder eine Änderung der Testfrequenz und Testqualität als standortspezifische Maßnahme setzen. Da habe ich große Sorge, dass wieder viele Schüler mit Mund-Nasen-Schutz die gesamte Unterrichtszeit verbringen müssen.“ Noch schlimmer wäre aber jeder weitere Tag Homeschooling bzw. eine Schließung der Schulen. „Es darf nie wieder eine Schulsperre geben“, betont auch Dollinger im S24-Interview. Denn auch hier seien neben den Schülerinnen und Schülern vorm allem die Frauen die Leittragenden. Zudem soll es an den Schulen flächendeckend mehr Förderunterricht geben und die Nachhilfe soll gratis sein.

Unterstützung für Salzburger SPÖ-Frauen aus Wien

Unterstützung erhalten die Salzburger SPÖ-Frauen in ihrem Forderungskatalog auch aus Wien: Die Bildungslücken infolge der Krise seien mitunter enorm und von der Regierung sei bislang kein effektiver Vorschlag gekommen, wie Kinder diese Lernrückstände aufholen sollen“, kritisiert etwa Bundesfrauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner bei ihrem Besuch in Salzburg vergangene Woche. „Jedes Kind, das Nachhilfe braucht, soll einen Bildungscheck in der Höhe von 1.000 Euro erhalten und mittelfristig muss durch den Ausbau der Ganztagsschulen die gesamte Bildung der Kinder Sache der Schule werden und nicht weiter von den (finanziellen) Möglichkeiten der Eltern abhängen.“

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 18.09.2021 um 10:13 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/die-regierung-hat-die-frauen-voellig-vergessen-109501723

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