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Mega-Schaden

Dreister Betrüger zu Haftstrafe verurteilt

37-Jähriger gesteht "Neffen- und Kautionstrick" in Salzburg

Ein 37-jähriger Mann ist am Donnerstag bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg wegen fünffachen "Neffen- und Kautionsbetruges" zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren rechtskräftig verurteilt worden. Die Opfer waren betagte Damen, denen mit dreisten Lügen Geld und Goldschmuck abgeluchst wurden. Der teils beim Versuch gebliebene Gesamtschaden beträgt über 300.000 Euro.

Seit Juni 2018 kam es in Salzburg zu vermehrten "Kaution- und Neffentricks". Die Polizei ermittelte in rund 60 Fällen. Mit dieser Betrugsmasche wird die Sorge von Pensionisten um ihre Kinder, Enkel oder Neffen schamlos ausgenützt.

Das ist der dreiste Neffentrick

Die Täter wählen aus Telefonverzeichnissen aufgrund von altmodisch klingenden Vornamen ältere Frauen aus, rufen sie an und geben sich als Polizeibeamte aus. Meist gaukeln sie ihnen einen Verkehrsunfall eines vermeintlichen Familienmitgliedes vor. Der Angehörige könne einer Inhaftierung nur durch Bezahlung einer Kaution entgehen. Und den Opfern wird auch gedroht: Falls sie gegenüber Bankangestellten den Grund der Geldbehebung nennen, müssen sie noch 15.000 Euro an Steuern zahlen.

Betrugsmasche "schäbig und grauslich"

Der Angeklagte soll bei dem schweren, gewerbsmäßigen Betrug eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Er wurde offenbar von Hintermännern geschickt, um das Geld der Opfer in Salzburg einzusammeln. "Er hat als kleiner Soldat das Geld übernommen und gleich wieder weitergegeben", erklärte Verteidiger Andreas Meissner. Die Betrugsmasche selbst bezeichnete er als "schäbig und grauslich".

Auf frischer Tat ertappt

Der angelastete Tatzeitraum reichte laut Staatsanwalt Christoph Rother von November 2018 bis Mitte März 2019, da wurde der Pole in der Stadt Salzburg auf frischer Tat ertappt. Eine aufmerksame Bankangestellte alarmierte die Polizei, als eine 79-jährige Salzburgerin, von der die Betrüger eine Kaution von 78.000 Euro gefordert hatten, einen hohen Geldbetrag beheben wollte. Der Verdächtige wurde in der Nähe des Bankinstituts festgenommen.

37-Jähriger gesteht dreiste Taten

Die sichergestellten Mobiltelefone, SIM-Karten und Unterlagen erhärteten den Tatverdacht. Zudem wurde der Beschuldigte bei Lichtbildwahlkonfrontationen von Opfern identifiziert. Der in Deutschland einschlägig vorbestrafte Mann wurde in die Justizanstalt Salzburg eingeliefert und in Untersuchungshaft genommen. Bisher hat er sich nicht schuldig bekannt.

Im heutigen Prozess gestand der 37-Jährige eine Schuld ein. Er habe allerdings nicht gewusst, was sich in den ausgefolgten Paketen befunden habe, sagte er zur Vorsitzenden des Schöffensenates, Richterin Gabriele Glatz. Die Pakete habe er dann verschiedenen Leuten übergeben. Diese hätten sich als Taxifahrer ausgegeben, er kenne sie aber nicht. Pro Anlassfall habe er 1.000 Euro bekommen. Die Hintermänner nannte der Angeklagte nicht.

Angeblich Anweisungen über Telefon

Auf die Frage, wie die Hintermänner den Kontakt zu ihm hergestellt haben, tischte er eine Schilderung auf, welche die Richterin für unglaubwürdig hielt: Er sei mit einem Gastronomiebetrieb insolvent geworden, und als er ein Begräbnis eines Verwandten besuchte, habe ihn ein Unbekannter angesprochen und den Job eines Geldboten angeboten. "Es hat geheißen, das Geld stammt von einem Mitglied seiner Familie", erklärte der Angeklagte. Er habe zugestimmt und dann ein Telefon bekommen, über das er Anweisungen erhalten habe.

Gigantischer Schaden durch Betrug

Der Staatsanwalt listete die Fakten auf, bei denen der Pole involviert war. Im November 2018 wurde eine Pensionistin zur Übergabe von 78.000 Euro aufgefordert, wovon rund 40.000 Euro tatsächlich ausgefolgt wurden, und eine weitere Pensionistin zur Übergabe von 110.000 Euro verleitet, wobei in diesem Fall ein Betrag von 60.000 gezahlt wurde. Im Jänner 2019 fiel eine Salzburgerin auf die Lüge herein, ihr Neffe brauche dringend Geld für eine Investition. Sie übergab 30.000 Euro und dazu noch Goldschmuck. Im März 2019 wurden einer betagten Salzburgerin 65.000 Euro herausgelockt. Im selben Monat klickten dann bei dem Angeklagten die Handschellen, als der Betrug an jener 79-Jährigen scheiterte, die 78.000 Euro an Kaution zahlen sollte.

Das Gericht ging davon aus, dass der Pole Teil eines Betrugringes war und "gewusst hat, um was es geht", sagte die Senatsvorsitzende. Die Privatbeteiligten-Ansprüche wurden vom Angeklagten anerkannt. Die Opfer werden wohl kaum eine Chance haben, das Geld zurückzubekommen, gab die Richterin zu bedenken.

(Quelle: APA)

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