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Drittes Geschlecht

HOSI-Kritik am verpflichtenden Arztattest

Intersexualität =.jpg APA/dpa-Zentralbild/Jan Woitas
In Deutschland wurde "divers" als drittes Geschlecht eingeführt. 

Gespannt wurde der Beschluss der dritten Geschlechtsoption "divers" in Deutschland auch bei der Homosexuellen Initiative (HOSI) Salzburg aufgenommen. Kritik kommt wegen des zwingend benötigten medizinischen Gutachtens auf.

Das deutsche Bundesverfassungsgericht hatte im November 2017 ein drittes Geschlecht für das Geburtenregister gefordert. Dem musste der Gesetzgeber im Zuge einer Reform nun nachkommen – wir haben berichtet.

Kritik am ärztlichen Attest

Bei der HOSI Salzburg befürwortet man den dritten Geschlechtseintrag, "jedoch ausschließlich ohne medizinisches Gutachten“, macht Gabriele Rothuber im SALZBURG24-Gespräch klar. "Es muss Menschen selbstbestimmt ermöglicht werden, einen dritten Geschlechtseintrag zu wählen, ohne auf pathologisierende und womöglich traumatisierende Untersuchungen seitens der Medizin angewiesen zu sein." In Deutschland darf das Kästchen "divers" auf offiziellen Dokumenten nur mit einem eindeutigen, ärztlichen Attest angekreuzt werden.

Selbsteinschätzung in anderen Ländern

Zudem hätten viele intergeschlechtliche Menschen keine klaren Diagnosen. Dem deutschen Lesben- und Schwulenverband zufolge werde Intersexualität dadurch weitgehend auf körperliche Abweichungen eingeengt. Demnach lasse sich das Geschlecht nicht allein nach körperlichen Merkmalen bestimmen, denn auch psychische und soziale Faktoren seien mitbestimmend.

In anderen europäischen Ländern ist das anders. Durch Selbsteinschätzung und ohne ärztliches Attest können Menschen ihr eingetragenes Geschlecht in Norwegen, Dänemark, Irland, Belgien, Portugal und Malta bereits ändern.

HOSI: Geschlechterangabe nötig?

Ganz grundsätzlich stellt man sich bei der HOSI die Frage, wozu eine Geschlechterangabe überhaupt nötig ist. "Es sollte jeder Person freistehen, selbstbestimmt einen für sich passenden Geschlechtseintrag zu wählen: unabhängig von körperlichen Geschlechtsmerkmalen", meint Rothuber. Einen für sich passenden Geschlechtseintrag zu wählen sei keine leichtfertige Entscheidung. "Hier muss endlich anerkannt werden, dass nur der jeweilige Mensch selbst die Entscheidungshoheit über sein Leben haben sollte", so die Intersex-Expertin.

So ist die Lage in Österreich

Nach der Beschwerde des intergeschlechtlichen Alex Jürgen im Sommer 2018 muss das Personenstandsregister in Österreich ebenfalls eine dritte Geschlechtsoption zulassen. Jedoch sind in Österreich Änderungen im Personenstandsregister nicht mit Gesetzesänderungen verbunden – bei der Personenregistrierung soll deshalb künftig auch eine intersexuelle Option angeboten werden.

(Quelle: SALZBURG24)

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