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Einbruchsopfer werden von Polizei intensiver betreut

Mit dem Pilotprojekt "Opferbetreuung nach Einbruchsdiebstählen" will die Polizei nicht nur den Opferschutz qualitativ verbessern und das subjektive Sicherheitsgefühl stärken, sondern durch eine höhere Aufklärungsquote auch einen Imagegewinn verbuchen.

Der sechs Monate dauernde Probebetrieb wurde vergangenen Freitag gestartet und wird zeitlichgleich in der Stadt Salzburg, in den Bezirken Linz-Land und Gmunden (OÖ) sowie im 16. bis 19. Bezirk in Wien durchgeführt. Danach ist eine "gesamtösterreichische Umsetzung geplant", erklärte Projektleiter Joachim Steinlechner am Montag bei einer Pressekonferenz in Salzburg.

Hintergrund des intensivierten Engagements der Exekutive ist der österreichweit hohe Anstieg von Einbruchsdiebstählen im häuslichen Bereich in den vergangenen zehn Jahren: 2001 wurden 8.500 verzeichnet, im Jahr 2009 mehr als 30.500, wie Steinlechner erläuterte. "Eine Opferbefragung im Jahr 2008 durch das Bundeskriminalamt hat kein berauschendes Ergebnis gebracht, was den Informationsaustausch angeht. Sechs bis acht Prozent der Opfer haben keine Informationen mehr weitergegeben."

Nun soll die Kommunikation verbessert werden: In den Probebezirken geht die Polizei nach einem standardisierten Schema vor: "Die Spurensicherung ist bei jedem Haus- und Wohnungseinbruch verpflichtend, auch wenn es sich nur um einen versuchten Einbruch handelt", erläuterte Johann Bründlinger vom kriminalpolizeilichen Beratungsdienst im Stadtpolizeikommando Salzburg. "Die Polizisten schreiten sensibel ein: Sie bieten dem Opfer Hilfestellungen an, wie zum Beispiel die Verständigung eines Arztes oder einer Vertrauensperson." Sieben Salzburger Polizisten wurden dafür bereits psychologisch geschult. Weiters verteilen die Beamten einen Informationsfolder mit der Telefonnummer des Opfernotrufes des Weißen Ringes und der polizeilichen Präventionsberatung.

Verbessert wird in Zukunft auch die "Nachermittlungsphase": Die Akten über alle Haus- und Wohnungseinbrüche werden von den Polizeiinspektionen an eine zentrale Stelle - in der Stadt Salzburg ist es das Kriminalreferat des Stadtpolizeikommandos - weitergeleitet. Ein paar Tage nach dem Einbruch meldet sich dann der polizeiliche Sachbearbeiter bei dem Einbruchsopfer, ob es neue Informationen oder Erkenntnisse gibt. "Wichtig ist, dass der Kontakt mit dem Opfer nicht abreißt und auch externe Hilfe angeboten wird", betonte Salzburgs Sicherheitsdirektor Franz Ruf. Jede erlittene Straftat hinterlasse auch "Spuren auf der Seele des Opfers", sagte der Salzburger Leiter der Opferschutzorganisation "Weißer Ring", Harald Rumpler. "Ein Drittel braucht einen Notfallpsychologen oder eine therapeutische Intervention."

In Salzburg ist die Zahl der angezeigten Einbrüche in Wohnungen und Einfamilienhäuser im ersten Halbjahr 2010 rückläufig: Auf dem Land wurden laut Einbruchsstatistik 165 Einbruchsdiebstähle angezeigt (2009: 307), in der Stadt Salzburg 70 (2009: 160). Landesweit betrage die Aufklärungsquote knapp 30 Prozent, sagte der Sicherheitsdirektor. Durch die hochwertige Tatortarbeit erwartet sich das Bundeskriminalamt österreichweit eine höhere Aufklärungsquote. Denn da und dort sei die Polizei ein bisschen ratlos über das weitere Vorgehen nach Einbrüchen gewesen, meinte Ruf. Im April werden die Ergebnisse des Pilotprojekts unter die Lupe genommen, im Juni soll es abgeschlossen sein.
(Quelle: S24)

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