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Präsenzunterricht vs. online

Salzburgs Eltern „fühlen sich alleingelassen"

Elternvertreterin fordert klare Vorgaben für Schulbesuch

Schicke ich meine Kinder in die Schule oder lieber nicht? Vor dieser Frage stehen gerade tausende Eltern in Salzburg. Anders als bei den vorherigen Lockdowns liegt die Entscheidung nun nämlich bei ihnen. Das sorgt teilweise für Kritik und Unsicherheit.

Während des Lockdowns sind die Schulen in ganz Österreich für Betreuung und Unterricht geöffnet. Drei Mal pro Woche werden wie gehabt Corona-Tests durchgeführt, zudem gilt Maskenpflicht. Dennoch können Kinder auch von Zuhause aus lernen. Die Entscheidung obliegt den Eltern, was bei manchen für Ärger sorgt.

 

Salzburger Elternvertreterin wünscht klare Vorgaben

„Wir Eltern fühlen uns alleingelassen. Eine Entscheidung zu treffen, ist sehr schwierig“, schildert die Elternvertreterin der öffentlichen Salzburger Pflichtschulen, Sabine Gabath, die Gefühlslage im Gespräch mit SALZBURG24. In den vorhergehenden Lockdowns habe es klare Vorgaben gegeben. Das sei diesmal nicht der Fall, was für Probleme sorge: „Die Schüler, die in die Schule gehen, werden unterrichtet. Die anderen bekommen Lernpakte, manche haben aber bis jetzt noch nichts erhalten.“

Heinz Faßmann APA/HELMUT FOHRINGER

Faßmann zu Maßnahmen an Schulen

"Insgesamt froh" über die für die Schulen getroffene Regelung zeigte sich Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP). Diese komme sowohl Eltern als auch Schülern und Lehrpersonen entgegen.

Lernen daheim kann Familie belasten

Die Kinder, die Zuhause bleiben, müssten sich den Stoff teilweise mithilfe der Eltern erarbeiten. Das könne sich auch auf das Familienleben auswirken: „Wir sind Papa und Mama. Und ich würde auch ganz gerne Mama bleiben und nicht Pädagogin.“ Die Elternvertreterin selbst habe erlebt, dass es aufgrund von Schulaufgaben vermehrt Streit gegeben habe.

Neue Regelung bei Sonderbetreuungszeit in Sicht

Ein weiteres Problem sieht die Mutter darin, dass Eltern, die ihre Kinder Zuhause betreuen, Urlaub nehmen müssten, da die Sonderbetreuungszeit laut Gesetz nicht greife. Aus dem Büro von Bildungslandesrätin Daniela Guschi (ÖVP) heißt es auf SALZBURG24-Nachfrage, dass künftig ab dem zweiten Corona-Fall die ganze Klasse ins Distance Learning geschickt werden soll. Somit würde auch der Anspruch auf Sonderbetreuungszeit bestehen. Die Detailabstimmung laufe. Wie Bildungs- und Gesundheitsministerium Dienstagmittag gegenüber der APA mitteilen, sollen die Schüler dann mindestens fünf Tage Zuhause unterrichtet werden.

Lehrer dürfen keine Empfehlungen abgeben

Helmuth Schütz, Vizepräsident des Bundeselternverbandes und Elternvertreter der Salzburger mittleren und höheren Schulen, setzt sich ebenfalls für mehr Schulautonomie ein, wie er auf S24-Anfrage schildert. Das Bildungsministerium sei heute in einer Besprechung mit dem Elternbeirat bereits darauf hingewiesen worden: „Wenn in einer Oberstufe nur drei Schüler in Präsenz unterrichtet werden wollen, soll schulautonom für die jeweilige Klasse entschieden werden dürfen, ins Distance Learning zu gehen.“

 

Aus Sicht des Elternvertreters könnte das auch in Unterstufen funktionieren, auch wenn hier die Betreuungs- bzw. Aufsichtspflicht eine Rolle spielt: „Diejenigen, die am Distance Learning nicht von daheim teilnehmen können, könnten sich in den Computerraum der Schule setzen und werden dort von einer Aufsichtsperson beobachtet.“

 

„Spagat“ zwischen Präsenz- und Online-Unterricht

Die aktuelle Vorgehensweise, dass Eltern über die Unterrichtsform ihrer Kinder entscheiden sollen, erklärt Schütz mit dem Versuch, einen „Spagat“ zu schaffen. Es sei eine Frage der Wertigkeiten. „Wenn die epidemiologische Lage wichtiger ist oder zum Beispiel die Oma im selben Haushalt wohnt, habe ich die Möglichkeit, meine Kinder daheim zu lassen. Wenn mir die sozialen Kontakte und ein geregelter Tagesablauf der Kinder wichtiger sind, können sie in die Schule gehen.“ Ziel sei, dass jene Eltern, deren Kinder Zuhause bleiben, keine „Ausreden“ suchen müssten, um dies zu begründen.

Schule “wohl sicherster Platz“

Grundsätzlich würden Elternvertreter Präsenzunterricht für die beste Lösung halten, da viele Schüler vom Distance Learning psychisch extrem belastet seien und die sozialen Kontakte fehlen würden, argumentiert Schütz. Außerdem sei die Schule der wohl sicherste Platz, da drei Mal wöchentlich auf Corona getestet wird. "Und wenn andere Firmen im Lockdown offen haben dürfen, warum sollen wir unseren Kindern die Möglichkeit nehmen?"

Gabath wünscht sich vor allem klarere Vorgaben und keine „Wischi-Waschi“-Regelung. Bei einem Bildungsgipfel am Dienstag in Salzburg einigte man sich darauf, dass Klassen ab dem zweiten Corona-Fall für mindestens fünf Tage ins Distance Learning geschickt werden.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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