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Ende der Milchquote: Milchpreis könnte auf 25 Cent sinken

Aktion der IG Milch in Wien. APA/Georg Hochmuth
Aktion der IG Milch in Wien.

Der European Milk Board (EMB) hat den letzten Tag des Bestehens der Milchquote als historischen Trauertag bezeichnet. Bei einer Aktion von rund 70 Bauern aus verschiedenen EU-Ländern vor dem EU-Parlament in Brüssel warnte EMB-Vorsitzender Romuald Schaber am Dienstag vor einer "zügellosen Produktion den nächsten Jahren, was die Preise noch weiter senken wird". Auch in Wien rief die IG Milch zu einem Aktionstag vor dem Haus der Europäischen Union auf.

Schaber fürchtet eine Gefährdung der regionalen Versorgung. "Um keinem Missverständnis zu unterliegen - wir weinen der Quote nicht nach." Mit einer flexiblen Quote könnten faire Preise erzielt werden.

Milchpreis wird auf 25 Cent sinken

Jedenfalls würden 37 Jahre nach Bestehen der Milchquote ab morgigem 1. April "die multinationalen Konzerne und Banken die Macht übernehmen. Das ist unverantwortlich nicht nur gegenüber den Bauern, sondern gegenüber allen Bürgern, die ein Recht darauf haben, gute und wertvolle Nahrungsmittel zu erhalten", betonte Schaber. Er erklärte im Gespräch mit der APA, schon jetzt könnten Bauern praktisch nicht kostendeckend arbeiten. So bekämen die Bauern in Deutschland für einen Liter Milch 27 bis 32 Cent. "Das wird auf 25 Cent sinken. Dabei betragen die Produktionskosten für die Bauern 40 bis 50 Cent. Da sind noch gar keine Förderungen aus Brüssel eingerechnet." Daher "geht die Gefahr des Milchsterbens weiter". Konkret verlangte Schaber zumindest "mehr Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete".

Herausforderung und Chance zugleich

Laut dem EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Phil Hogan, ist das Ende der Milchquotenregelung Herausforderung und Chance zugleich: Einerseits müssen die Milcherzeuger nun mit schwankenden Marktpreisen umgehen, andererseits bietet das Ende der Milchquote Chancen für Wachstum und Beschäftigung. Darüber berichtet das aktuelle Info-Sheet Nummer 130 aus dem Salzburger EU-Verbindungsbüro in Brüssel.

In den vergangenen fünf Jahren nahmen die Ausfuhren mengenmäßig um 45 Prozent und wertmäßig um 95 Prozent zu. Auch die Prognose fällt positiv aus. Mit fast 45 Milliarden Euro bildet der Milchmarkt 15 Prozent des Agrarertrages der Europäischen Union. Für empfindliche Gebiete kann nach dem Subsidiaritätsprinzip auf eine Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten zurückgegriffen werden. Schon früh hat die Kommission begonnen, den Markt auf eine "sanfte Landung" vorzubereiten:

  • 2012 wurde das Milchpaket verabschiedet, um Produktionsorganisationen mehr Rechte für Preisverhandlungen zu übertragen.
  • Um den Milchproduzenten einen einfachen Einblick auf die Entwicklungen des Milchmarktes zu ermöglichen, gründete die Europäische Kommission eine Online-Milchmarktwarte. Die Milchmarktwarte dient der Markttransparenz.
  • Weiters haben die Mitgliedstaaten die Möglichkeit, Gebiete mit natürlichen Hemmnissen mittels Direktzahlungen zu unterstützen.

Aktionstag zum Ende der Milchquote

In einer Aktion vor dem Europaparlament wurde, umringt von einigen Traktoren nicht nur aus EU-Ländern, sondern auch aus der Schweiz, Flaggen aller 28 Mitgliedstaaten auf Halbmast gesetzt, während Fahnen der multinationalen Konzerne wie Nestle, Campina, Müller oder Danone unter Buhrufen der Bauern hochgezogen wurden. In die "Lobgesänge und Siegesparolen der Bauernverbände und der Milchindustrie" könne der European Milk Board jedenfalls nicht einstimmen. "Daher haben wir hier ein Mahnfeuer am Place Luxembourg vor dem EU-Parlament entzündet", so Schaber. Musikalisch begleitet wurde die Aktion mit dem bei Begräbnissen üblichen Trauermarsch, in den sich Buhrufe und Kuhglocken vermischten. Auch in Wien vor dem Haus der Europäischen Union rief die IG Milch zu einem Aktionstag.

(APA/SALZBURG24)

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