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Gewalt in der Erziehung

"Gsunde Watschen" für jeden 2. okay

Ergebnisse von Salzburger Studie

Eine Ohrfeige. Beschimpfungen. Bestrafungen. Demütigungen. Was zählt als Gewalt? Eine aktuelle Salzburger Studie des Instituts für Grundlagenforschung (IGF) belegt, dass noch viel zu wenig bewusst ist, wo Gewalt in der Erziehung beginnt. Am Dienstag wurden die Ergebnisse präsentiert.

Die Studie wurde vom Land Salzburg, der Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg (kija) und dem Kinderschutzzentrum in Auftrag gegeben. Befragt wurden mehr als 800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Verglichen wurden die Daten mit einer Umfrage aus dem Jahr 2014. Details zur Studie findet ihr PDF: Gewalt_in_Erziehung_Studie.pdf

Gesetzliche Grundlage ist Paragraf 137 des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB):

„Eltern haben das Wohl ihrer minderjährigen Kinder zu fördern, ihnen Fürsorge, Geborgenheit und eine sorgfältige Erziehung zu gewähren. Die Anwendung jeglicher Gewalt und die Zufügung körperlichen oder seelischen Leides sind unzulässig.“

Leichte Ohrfeige für jeden Zweiten okay

Fast alle Befragten lehnen die Anwendung schwerer Gewalt in der Erziehung klar ab und wissen, dass das verboten ist. Anders bei leichter physischer und psychischer Gewalt.

Glaubten 2014 noch 92 Prozent, dass es verboten sei, dem Kind eine kräftige Ohrfeige zu geben, waren es 2019 nur noch 84 Prozent. 24 Prozent glauben, dass eine „gsunde Watschn“ nicht schadet. Eine deutliche Steigerung zu 2014 (17 Prozent).

 

Junge unterschätzen psychische Gewalt

Der Trend setzt sich fort, was die Beurteilung von psychischer Gewalt betrifft. Demütigende Erziehung ist mit 60 Prozent die am häufigsten wahrgenommene Form der Gewalt. Besonders die 18- bis 29-Jährigen unterschätzen psychische Gewalt: Mit dem Kind als Bestrafung eine Woche lang nicht zu sprechen, empfinden zwar 73 Prozent der über 60-Jährigen als Gewalt, aber nur 50 Prozent der 18- bis 29-Jährigen. Dass sich dieses Verständnis auch beim Nachwuchs fortsetzt, liegt nahe. 34 Prozent der Kinder glauben es sei erlaubt, sie zu beschimpfen und anzuschreien.

Überlastung als Grund

96 Prozent aller befragten Erwachsenen sehen das Gespräch als beste Form der Konfliktbewältigung und stimmen zu, dass Kinder das Recht auf eine gewaltfreie Kindheit haben. Warum es dennoch zu Gewalt kommt, schätzen sie sehr realistisch ein. Der am häufigsten genannte Grund ist die persönliche Überlastung, dicht gefolgt von eigenen Erfahrungen, finanziellen Problemen oder Zeitmangel.

Obwohl die Schieflagen in der Familie erkannt werden, sind 28 Prozent der Befragten der Meinung, dass es niemanden etwas angeht, was in der Familie passiert. Männer stimmen dieser Aussage stärker zu als Frauen. 2014 waren es noch 39 Prozent.

 

Kinderrechte werden bekannter

69 Prozent der Befragten wissen über das Gewaltverbot Bescheid. Die Kinderrechte sind 60 Prozent bekannt. Bei den jungen Erwachsenen kennt sie nur jeder Zweite. Von den Kindern und Jugendlichen wissen 67 Prozent von den Kinderrechten (+15 Prozent).

 

Anlaufstellen wichtiger denn je

"Das große Problem ist die psychische Gewalt. Wenn sie erkannt wird, wird sie toleriert", sagte Peter Trattner vom Kinderschutzzentrum Salzburg. "Viele Eltern sind sich nicht bewusst, welchen Schaden sie anrichten." Die Folgen würden von Aggressionen über Entwicklungsstörungen bis hin zu psychischen Problemen reichen. "Die Schäden sind auch volkswirtschaftlich enorm. Sie zu reparieren kostet viel Geld."

"Es fehlt eine exaktere Sensibilisierung, wo Gewalt beginnt. Auch die Zufügung seelischen Leidens ist bereits eine Gewaltausübung", sagte Soziallandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) bei der Präsentation der Studie. Es zeige sich, dass Gesetze zwar die Voraussetzung sind, um die Realität zu verändern: „Um aber wirklich nachhaltig etwas zu bewegen, braucht es deutlich mehr“, so Andrea Holz-Dahrenstaedt (kija). Die kija möchte die Kinderrechte deshalb in allen Lehrplänen verankern.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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