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#estutnichtweh

Salzburgerin startet Umwelt-Bewegung

"Der Müll muss weg"

Renate Steinacher SALZBURG24/Schuchter
Die Initiatorin der Aktion "#estutnichtweh, Renate Steinacher, beim Spaziergung an der Königsseeache in Niederalm.

„Es tut nicht weh“ – unter diesem Motto soll von Salzburg aus eine internationale Bewegung starten. Es geht um Umweltschutz und einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen unserer Erde. Zum Start sollen Salzburgs Berge vom Müll befreit werden. Ende Mai startet der Verein mit der aktiven Arbeit. Wir haben Initiatorin Renate Steinacher bei einem Spaziergang begleitet.

Dosen, Flaschen, diverses Verpackungsmaterial bis hin zu Kaugummis, Essensabfällen und unzählige Zigarettenstummel, das alles ist in der heimischen Natur keine Seltenheit mehr. „Der Müll muss weg“, dieses Ziel hat sich Renate Steinacher (39) aus Niederalm bei Anif im Flachgau gesetzt. Aus diesem Grund hat die Bergretterin und Mentaltrainerin im Dezember 2018 ihren Verein „Es tut nicht weh“ gegründet, Ende Mai erfolgt der offizielle Startschuss. „Ich will nicht einer von vielen Umweltschutzvereinen werden, ich möchte eine Bewegung starten“, erzählt Steinacher am Dienstag bei einem Spaziergang entlang der Königsseeache in ihrer Heimatgemeinde.

 

„Wir gehen einen Schritt weiter“

Und sie macht es auch gleich vor wie es geht: Ausgerüstet mit einem „Drecksackerl“ und eine kleinen Holzzange – beides aus nachhaltiger Produktion versteht sich – sammelt Steinacher den auf dem Boden liegenden Abfall ein. Das Ergebnis nach einer halben Stunde seht ihr im Bild unten. „Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man den eigenen Müll mitnimmt. Aber wir gehen mit unserem Verein einen Schritt weiter und sagen, dass man auch den Müll anderer mitnehmen soll“, erklärt Steinacher im S24-Gespräch. Und warum soll man den Müll anderer einsammeln? „Weil’s nicht weh tut“, lacht die 39-Jährige.

Renate Steinacher SALZBURG24/Schuchter
Gesammelter Müll nach einem 30-minütigen Spaziergang an der Königsseeache in Niederalm.

#estutnichtweh: Kick off auf Salzburgs Bergen

Starten will die Flachgauerin auf Salzburgs Bergen. „Bei den ganzen Cleaning-Aktionen werden die Berge doch noch häufig vernachlässigt“, sagt sie. Es sei viel mehr Müll auf den Bergen, als man glauben mag, so Steinacher, die mit ihrer Bergschule auch immer wieder Alpenüberquerungen unternimmt. „Wo die Leute mit dem Auto oder mit der Gondel hinkommen, oder wo Menschen hinkommen, die nicht so mit dem Berg vertraut sind, dort findet man am meisten Müll.“ Klar, man könne bei einer Berg- oder Wandertour meist nur eine Handvoll Müll mitnehmen, sagt sie. Aber genau die mache einen riesigen Unterschied. Besonders häufig seien Zigarettenstummel. Deren Filter ist gewobenes Plastik und braucht etwa sieben Jahre bis sie vermeintlich verrotten, aber tatsächlich zu Mikroplastik zerfallen. „Die Giftstoffe der Zigarette treten dabei aus und gelangen so in unser Grundwasser“, schildert die Niederalmerin.

Initiative soll zur internationalen Bewegung werden

Neben den Bergen will Steinacher ihre Aktionen auf die gesamte Natur – wie Ufer, Wald und Seen – ausbreiten. Vor allem aber soll die Bewegung richtig groß werden. „Wir wollen so schnell wie möglich international werden.“ Kontakte zu Gleichgesinnten in den USA und Italien gebe es bereits, an den Übersetzungen des Mottos werde bereits gefeilt. Der Nachhaltigkeits-Gedanke ließe sich schließlich in jeden Lebensbereich integrieren – ob Konsum, Ernährung oder Soziales. „Man steht im Bus auf und hinterlässt Älteren den Platz oder man hilft der Nachbarin die schweren Taschen hinauftragen – das sind alles Kleinigkeiten, die wir verlernt haben, für unser Großeltern aber noch selbstverständlich waren.“

Jeder kann mitmachen

Im Verein steckt nicht nur das Herzblut der 39-Jährigen, sondern auch 10.000 Euro. Die weitere Finanzierung soll über Mitgliedsbeiträge (29 Euro jährlich), Kooperationspartner und Förderungen gedeckt werden. Willkommen sei jede Form der Unterstützung – nicht nur die finanzielle. Und wer seinen Gefallen an der Aktion gefunden hat, kann das ganz einfach mit einem Fotobeitrag kundtun: Dazu ein Foto mit Müll in der Natur machen und mit einer kurzen Info (wo und wann) über das Kontaktformular der Homepage hochladen. Der Verein ist außerdem auch in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram aktiv.

62 Millionen Tonnen Müll in Österreich

In Österreich fallen jährlich übrigens über 62 Millionen Tonnen Abfall an. Wie viel Abfall in der heimischen Natur herum liegt, darüber gibt es bislang jedoch keine Erhebungen. Andere Nationen, wie etwa die Schweiz, verfügen bereits über sogenannte „Littering-Reports“, also Bericht über den Vermüllungsgrad des Landes. Diese dienen als Grundlage für entsprechende Gegenmaßnahmen. Aus diesem Grund hat die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 im Herbst letzten Jahres die „DreckSpotz“-App veröffentlicht, über die alle Österreicherinnen und Österreicher beim Spazieren entdeckten Müll dokumentieren können. Und natürlich auch einsammeln und entsorgen. Und warum? Weil’s nicht weh tut.

Müll in Österreich und weltweit: Factbox

  • In Österreich fallen jährlich über 62 Mio. Tonnen Abfall an
  • Das Abfallaufkommen stieg von 2009 bis 2016 um über 14 Prozent
  • Jede Österreicherin/jeder Österreicher produziert pro Jahr etwa 488 Kilo Hausmüll
  • 100 Tonnen Müll werden jährlich in den Gemeinden aufgelesen und entsorgt, knapp 1.000 Tonnen sind es entlang der Bundes- und Landesstraßen (genauere Zahlen sind nicht bekannt)
  • Europa verursacht jedes Jahr 25 Mio. Tonnen alleine an Plastik-Abfällen
  • 40 Tonnen Plastik werden jedes Jahr über die Donau ins Meer gespült
  • Eine Plastikflasche braucht in der Natur 450 Jahre, bis sie sich zersetzt
  • Seit dem ersten World Clean Up Day vor rund zehn Jahren haben bereits fast 20 Milllionen Menschen in 150 Ländern weltweit teilgenommen und mitgeholfen, Müll zu beseitigen
(Quelle: SALZBURG24)

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