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Fahrtauglichkeit

Wie gefährlich ist Fahren im Alter?

Unfallrisiko bei Jüngeren höher

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Österreichs Verkehrsclubs sprechen sich klar gegen verpflichtende Nachschulungen für ältere Autofahrer aus. (SYMBOLBILD)

Wenn eine ältere Person einen Verkehrsunfall verursacht, werden schnell Rufe nach verpflichtenden Nachschulungen ab einem gewissen Alter laut. Doch wie gefährlich ist Autofahren im Alter und sind spezielle Fahrsicherheitstrainings überhaupt sinnvoll? Wir haben bei den Verkehrsclubs nachgefragt.

In Perchtoldsdorf in Niederösterreich krachte am Mittwoch eine Pkw-Lenkerin in einen Schanigarten, sechs Menschen wurden dabei verletzt. Bei der Autofahrerin wurde im Zuge einer Untersuchung eine Fahruntauglichkeit festgestellt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die 81-Jährige. Können Nachschulungen solche Unfälle verhindern?

Auto in Schanigarten APA/THOMAS LENGER
In Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling) in Niederösterreich ist am Mittwochnachmittag, 01. Juli 2020, ein Auto im Schanigarten eines Kaffeehauses am Marktplatz gelandet. 

Fahren im Alter: ÖAMTC klar gegen Nachschulungen

Klar gegen verpflichtende fahrtechnische oder gesundheitliche Untersuchungen spricht sich der ÖAMTC aus: "Es gibt jede Menge Studien, die belegen, dass diese keine Wirksamkeit haben. Es gibt sogar Länder, die diese Untersuchungen wieder zurückgenommen haben", so Pressesprecherin Aloisia Gurtner im Gespräch mit SALZBURG24. Ausschlaggebend für die Fahrsicherheit im Alter sei die Routine. "Ältere Menschen, die eine hohe Kilometerleistung haben, sind signifikant weniger unfallgefährdet", gibt Gurtner weiter an.

18- bis 25-Jährige verursachen meiste Unfälle

Mit dem Alter nimmt naturgemäß die Reaktionszeit zu und das Sehvermögen ab. Dies lasse sich aber nicht an einem gewissen Alter festmachen. "Dazu kommt, dass ältere Menschen ihre Defizite mit einer umsichtigeren Fahrweise ausgleichen", sagt die Verkehrsexpertin. Die meisten Unfälle würden zudem in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen passieren.

 

ARBÖ lehnt verpflichtende Tests ab

Auch der ARBÖ lehnt verpflichtende Tests ab einem gewissen Alter ab, und zwar aus zwei Gründen: "Zum einen, weil der Verwaltungsaufwand hier sehr hoch wäre. Zum anderen, weil es beispielsweise 65-Jährige gibt, die schlechter fahren als 75-Jährige", so Pressesprecher Sebastian Obrecht gegenüber SALZBURG24. Der ARBÖ appelliert daher an die Eigenverantwortung der älteren Verkehrsteilnehmer, sich selbst zu hinterfragen, ob man ab einem gewissen Alter noch fahren kann. Ältere Verkehrsteilnehmer stellen zudem laut Obrecht keine Risikogruppe dar, hier solle der Fokus eher auf Jüngere gelegt werden.

Routine besonders wichtig

Auf die Bedeutung der Routine weist auch der VCÖ hin: "Es ist erkennbar, dass etwa ab dem 75. oder 80. Lebensjahr die Zahl der schweren Unfälle im Verhältnis zu den zurückgelegten Kilometern wieder ansteigt", gibt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer gegenüber S24 an. Er sieht hier einen Zusammenhang mit Medikamenten, die sich etwa auf die Reaktionszeit auswirken würden. "Deshalb ist es wichtig, dass von Seiten der Ärzte darauf hingewiesen wird, ob das Fahrvermögen überhaupt noch gegeben ist", so Gratzer. Des Weiteren sei es wichtig, in den Gemeinden für ein entsprechendes Mobilitätsangebot zu sorgen, um den Älteren einen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu erleichtern.

Unfallrisiko bei Altersgruppe 65+ kaum höher

Das Unfallrisiko der Altersgruppe 65+ ist laut Klaus Robatsch, Leiter des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, so hoch wie bei der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen. "Ältere fahren häufig vorsichtiger, es gibt kaum Raser, zudem werden gewissen Tageszeiten und Wetterbedingungen gemieden." In der Altersgruppe 80+ steige das Unfallrisiko wieder etwas an. Robatsch weist auch daraufhin, dass es wichtig sei, gerade älteren Autofahrern Fahrassistenzsysteme zu erklären. "Man muss wissen, wie sie funktionieren und sich auf das Fahrverhalten auswirken."

Bei dem Unfall in Perchtoldsdorf dürfte die 81-Jährige bei ihrem Automatik-Fahrzeug den Vorwärts- mit dem Rückwärtsgang verwechselt haben.

Fahruntauglichkeit: Familiäres Umfeld gefragt

Sollte man bei einem älteren Mitmenschen feststellen, dass er oder sie nicht mehr fahrtüchtig ist, ist laut ÖAMTC-Pressesprecherin Gurtner Feingefühl gefragt: „Jemandem zu sagen, dass er oder sie nicht mehr Autofahren soll, ist ganz schwierig. Man kann hier aber den Hausarzt hinzuziehen, der ist eine Autorität, auf die oftmals gehört wird.“ Zudem gibt es bereits freiwillige Fahrsicherheitstrainings speziell für Alte, bei denen etwa die Reaktionszeit gemessen wird. Somit kann sich jeder selbst ein Bild von der eigenen Fahrleistung machen und dann dementsprechend selbst entscheiden.

(Quelle: SALZBURG24)

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