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Anmutige Steinkolosse

Warum wir uns nach den Bergen sehnen

Packende Faszination zwischen Erlebnis und Risiko

Gewaltig, imposant, aber auch furchteinflößend – Berge wirken magisch, ursprünglich und unantastbar. Diesen Reiz des Unbekannten suchen begeisterte Alpinisten in aller Regelmäßigkeit. Doch was zieht uns auf die Gipfel und warum setzen wir uns dabei einem mitunter tödlichen Risiko aus?

"Sobald ich unterwegs bin, wird der Kopf frei. Ich gehe auf einen Gipfel, und wenn ich wieder herunterkomme, bin ich ein anderer Mensch", sagte einst der Extrembergsteiger Peter Habeler, der durch die Erstbesteigung des Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff im Jahr 1978 bekannt wurde: "Langes Gehen, ausgedehntes Wandern – das ist Balsam für Seele und Körper. Am Berg fühle ich Kraft und Wärme." Das Erklimmen der Berge ist Leidenschaft, Abenteuer und individuelles Erleben. Einer der Pioniere des Alpinstils, Hermann Buhl, bezeichnete das Bergsteigen als "mehr als Sport. Es ist eine Leidenschaft."

Faszinierende Berggipfel

Schon seit Menschengedenken faszinieren uns diese Steinkolosse, die einst scheinbar wahllos aus der Erde in die Höhe gewachsen sind. Eingezuckert im weißen Schnee entfalten sie insbesondere im Winter ihren ganzen Zauber.

IMG-20210116-WA0004.jpg Arno Studeregger-Renner
Lawinenwarner bei der Analyse der Schneedecke.

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Anfangs haben sich Abenteurer aus der ganzen Welt Wettrennen um die Erstbesteigung der gefürchteten und entlegensten Gipfel geliefert. Peter Grupp weist etwa in seinem Buch "Faszination Berg – Die Geschichte des Alpinismus" plausibel nach, dass schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die sportliche Herausforderung die Menschen auf die Berge getrieben hat.

Nische wird zur Sportart

Heute ist es eine eigene Sportart, Bergwandern ist längst zum Breitensport geworden und Skitouren werden immer beliebter. Ein Hobby, das zur Sucht werden kann.

 

"Der Berg. Er ist einfach da, imposant, massiv, geradlinig. Er bleibt unerschütterlich, beherrschend. Es bleibt mir nichts übrig, als mich ihm zu fügen. Wenn ich am Leben bleiben will, muss ich auf der Hut sein und ihn respektieren", wusste die französische Alpinistin Catherine Destivelle, der als erste Frau eine Kletterroute in der Schwierigkeit 8a+ meisterte, zu berichten.

Berge während Corona gestürmt

Zwar sind im Salzburger Land längst alle Gipfel erklommen, doch die Sehnsucht der Menschen nach den Bergen reißt einfach nicht ab. Gegenüber SALZBURG24 schildert Uta Philipp (61) aus Saalfelden (Pinzgau) ihre Erfahrungen aus "der Gegend, die mit nichts auf der Welt vergleichbar ist". Seit 2007 lebt die gebürtige Deutsche in Salzburg, die Saalfeldener Gegend kennt die begeisterte Tourengeherin und leidenschaftliche Outdoor-Sportlerin so gut wie ihre Westentasche. Über die Faszination der Bergwelt hat die zweifache Mutter und dreifache Großmutter auch ein Buch geschrieben, genauso wie einen Skitourenführer für die Hohen Tauern.

SALZBURG24: Wie oft sind Sie am Berg?

Uta Philipp: Inzwischen bin ich zur Schönwetter-Alpinistin geworden (lacht). Früher war ich fast jeden Tag am Berg, vier Mal die Woche geht es sich mittlerweile schon noch aus.

Faszination Berge: Uta Philipp, privat
Uta Philipp ganz ihrem Element. 

Ist die Sehnsucht der Menschen nach Bergen während Corona größer geworden?

Natürlich, Stadtflucht ist ein riesiges Thema. Die Stadt oder eine eher kleine Wohnung kann durchaus einengen. Am Land ist alles einfach viel offener und freier – auch während Corona. Natürlich können dann auch Probleme entstehen, wenn vermehrt Menschen in der Natur unterwegs sind.

Wie kann ein Bewusstsein für ein nachhaltiges Bergerlebnis geschaffen werden?

Mein Eindruck ist, dass die meisten Leute gewillt sind zu lernen. Zumal jeder zu Beginn Fehler gemacht hat – auch ich. Nur jetzt wird mit dem Finger drauf gezeigt. Vielleicht sollten wir einfach in der Natur so unterwegs sein wie die Tiere.

Was machen Wanderungen bzw. Touren im Salzburger Land so besonders?

Die Gegend ist mit nichts auf der Welt vergleichbar. Mit den Hohen Tauern, den Bergen rund um Kitzbühel, den Pinzgauer Grasbergen und Steinbergen gibt es eine unglaubliche Vielfalt auf vergleichsweise sehr kleinem Raum. So ziemlich alle Outdoor-Aktivitäten sind hier möglich – egal ob im Winter oder Sommer.

Faszination Berge: Uta Philipp, privat
Mountainbiken oder E-Biken in der Natur wird immer beliebter.

Die Nachfrage nach Skitouren und Mountainbiken steigt rasant. Und beide Sportarten sind gar nicht so unterschiedlich. Einen schönen Trail hinunterzufahren kann sich genauso anfühlen wie Freeriden im frischen Powder. Aber was Mountainbike-Trails angeht, gibt es in Österreich generell noch einiges an Nachholbedarf.

Warum sehnen wir uns ganz grundsätzlich nach den Bergen?

Wir Menschen sind ja heutzutage keine Jäger und Sammler mehr. Grundsätzlich ist die Gesellschaft dank des Fortschritts bequemer geworden. Und deshalb suchen wohl einige von uns diesen vermeintlich verloren gegangen Reiz und vor allem auch die Freiheit.

Und was macht genau dieser Reiz aus?

Das Leben als Teil und im Einklang mit der Natur. Der Anblick einer gigantischen Felswand ist einfach gewaltig – man kommt sich klein und irgendwie unbedeutend vor. Und alleine unterwegs zu sein und mit den Bergkameraden zu campen gibt mir ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Man ist auf sich alleine und seine Kameraden gestellt. Das hat etwas Ursprüngliches und ist etwas ganz Spezielles.

Und wie wird aus dem Hobby eine Sucht?

Ich glaube, die Sehnsucht steckt in einem drin und muss befreit werden. Ich bin als Kind schon auf jeden Felsen geklettert und als ich 1978 zum Studium nach München gegangen bin, habe ich gleich die ersten bayerischen Gipfel gestürmt.

Wie bringt man das Erlebnis in Einklang mit Risiko und Abenteuer?

Das ist wohl die Kernfrage des Alpinismus (lacht). Jeder muss das für sich selbst entscheiden und Gefahren objektiv abschätzen. Das Risiko ist immer da – auch bei einer Wanderung.

Roland Schimpke_Bergrettung SALZBURG24/Naderer
Roland Schimpke ist seit 27 Jahren bei der Bergrettung Salzburg aktiv.

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Können Sie Eltern Tipps geben, die ihre Kinder mit zur Wanderung mitnehmen wollen?

Die Wanderung sollte immer auf die Kinder ausgelegt werden. Es geht nicht darum, möglichst schnell am Ziel zu sein. Besser sollte sich Zeit gelassen werden, um auch mal gemeinsam Blätter zu sammeln oder über einen Bach zu balancieren. Zumindest habe ich es so mit meinen Kindern gemacht und beide sind mittlerweile begeisterte Alpinisten – jeder auf die ganz eigene Art.

Machen Sie sich keine Gedanken, wenn Ihre Kleinen auf den Bergen kraxeln?

Natürlich hat man als Mutter Angst und macht sich Sorgen. Aber man muss vertrauen können.

Welche Tipps können Sie Einsteigern geben?

Einsteiger, die die sich die ersten Wanderungen vornehmen, werden auf den Pinzgauer Grasbergen, im Glemmtal und rund um Kitzbühel fündig. Das ist zum Anfang wunderbar.

Kletter-Anfängern empfehle ich die Klettersteige in Weißbach bei Lofer (Pinzgau): Diese sind vom Tal aus zu erreichen und haben mehrere Schwierigkeitsgrade – vom Einsteiger über fortgeschrittene bis zu schwierigen Routen.

Faszination Berge: Uta Philipp, privat
Einen Berg mit Skiern erklimmen und dann auf Brettern runterfahren: Das ist Uta Philipps große Leidenschaft.

Anfänger beim Skitourengehen – oder auch Wiedereinsteiger – finden ihr Glück auf Lehrpfaden in Dienten (Pinzgau) und in Mühlbach am Hochkönig (Pongau). Auch die Marbach-Höhen (Pinzgau) sind dafür gut geeignet. Fortgeschrittene suchen dann selbst Routen, etwa mithilfe von Internet-Communitys.

Was wird oft falsch gemacht?

Einige informieren sich einfach nicht, wobei das heutzutage so einfach ist und nicht wie zu meinen Anfängen. Wetterumschwünge haben schon viele plötzlich überrascht. Außerdem sollte man seine eigene Fähigkeiten kennen und nicht überschätzen. Und das Schuhwerk ist leider immer noch ein Thema: Ich habe schon Frauen mit Ballerinas am Berg gesehen, nur weil dort ein Schild mit dem Hinweis "Zum Gipfel 20 Minuten" stand.

Und welchen Gipfel stürmen Sie als nächstes? Wie planen Sie Touren?

Morgens schaue ich aus dem Fenster und dann auf die Webcams. Vor dem Start der Tour wechsle ich die Tour auch manchmal auf den gegenüberliegenden Gipfel, wenn das Wetter oder die allgemeinen Bedingungen besser sind. Solche Spontanität geht aber nur, wenn man das Gebiet sehr gut kennt. Die Sicherheit geht immer vor.

Vielen Dank für das Gespräch.

In unserem thematischen Schwerpunkt hatten wir zuerst einen Flachgauer Bergretter im S24-Podcast, um danach über die mühevolle Arbeit der Lawinenwarner zu berichten. Die Faszination der Berge ist nun der Abschluss der kleinen Serie.

(Quelle: SALZBURG24)

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