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Bedeutung von Partys

Beim Feiern aus dem Alltag ausbrechen

Diesen Zweck erfüllen Feste in unserer Gesellschaft

Feiern, Alkohol, Party, Fortgehen, SB Pixabay/CC0
Die Coronavirus-Pandemie hat Feiern schwierig gemacht. (SYMBOLBILD)

Ein Sommer ohne Party – zumindest nicht so, wie wir es aus früheren Jahren gewohnt waren. Zahlreiche Feste wurden abgesagt, für Bars und Clubs gibt es Vorschriften und frühere Sperrstunden. Wir haben nachgefragt, welchen Zweck Feste für unsere Gesellschaft haben und was es mit uns macht, wenn Feiern nicht erwünscht ist.

Feiern ist während der Coronavirus-Pandemie nicht erwünscht. In Salzburg wurden viele Feste deshalb gar nicht erst organisiert. Das Partymachen ließ man sich aber nicht verbieten. Immer wieder sorgten Schlagzeilen von illegalen Corona-Feten für Aufregung. Im Sommer kam es dann in Österreich zu immer mehr Infektionen unter jungen Menschen. Die Spitzenreiter der positiv Getesteten sind laut Daten des Gesundheitsministeriums Personen zwischen 15 und 24 Jahren (7.413) und jene zwischen 25 und 34 Jahren (7.267).

Dass immer mehr junge Menschen vom Virus betroffen sind, führte Daniela Schmid, Infektionsepidemiologin von der AGES, Ende Juli auf altersspezifisches Risikoverhalten zurück – sprich: Die Jungen feiern eben vermehrt in den Sommermonaten. Im August ließ sich Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) dann zu einem Tweet hinreißen, der heftig kritisiert wurde und in dem er die Jugend dazu aufforderte: „Reißt euch zusammen!“

Feste sind Orte der Begegnung

Doch was passiert, wenn Menschen nicht mehr Feiern können, wenn Feste und andere gesellige Veranstaltungen alternativlos abgesagt werden? „Wir gehen auf Feste, weil wir soziale Wesen sind“, erklärt Hans Holzinger, pädagogischer Leiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, im Gespräch mit SALZBURG24 . Feste sind Orte der Begegnung und erfüllen damit einen gewissen Zweck in unserer Gesellschaft. Aus demselben Grund engagieren wir uns auch bei Vereinen oder Freiwilligenorganisationen: „Man möchte sich mit Menschen treffen, die ähnliche Interessen haben.“

 

Je kleiner der Freundeskreis, desto wichtiger sind Bekannte

Zudem habe der Mensch ein gewisses „Sozialkapital“. Dieses teile sich in drei Schichten auf. Die erste ist die Familie sowie Intimbeziehungen. Dann kommen die Freunde. „Und dann gibt es die dritte Schicht der zufälligen Begegnungen. Und wenn der direkte Freundeskreis kleiner ist, ist man abhängig von diesen anderen Begegnungen“, führt Holzinger aus. Also jenen Menschen, die man immer wieder beim Fortgehen trifft oder die auch jedes Jahr auf dasselbe Fest gehen.

Gibt es diese Möglichkeit nicht mehr, kann das zu mehr Einsamkeit führen – nicht nur in den älteren Generationen. Auch für junge Menschen könne die digitale Kommunikation nicht den persönlichen Kontakt ersetzen, betont Holzinger.

Menschen brauchen Exzess

Feiern und Ausgehen bringen aber nicht nur Geselligkeit mit sich. Bars, Diskotheken und Zeltfeste sind auch ein Anlass, um aus dem Alltag auszubrechen, sich gehen zu lassen und einmal nicht vernünftig zu sein. Der Schweizer Philosoph Stefan Zweifel erklärt in der Sendung „Kulturzeit“ auf 3sat, dass der Mensch auch diesen Exzess braucht. „Der Körper ist etwas, was sich entgrenzen möchte. Im Tanz, im Fest, in der Orgie bisweilen“, sagt er.

Sind die Orte des Exzesses geschlossen, suchen sich die Menschen neue, um zu feiern. „Möglicherweise müssen die Menschen wieder lernen, sich das in kleinen Runden selbst zu organisieren“, denkt Holzinger. Zudem ist er überzeugt, dass sich vieles ins Freie verlagert. Als Bespiel nennt er in Salzburg das Salzachufer. Kritiker denken eher, dass es vermehrt zu größeren privaten Partys kommen wird – vor allem auch durch die am Dienstag verkündete neue Sperrstunde um 22 Uhr.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

Salzburger Nachtgastro steht vor dem Ende

Hush Hush, City Beats SALZBURG24 Veliz-Delgado

In Salzburg, Tirol und Vorarlberg wird die Sperrstunde auf 22 Uhr vorverlegt. Das verkündeten die drei ÖVP-Landeshauptleute am Dienstag in einer gemeinsamen Aussendung. Bei der Salzburger Gastronomie stößt das Vorgehen auf harsche Kritik.

Im Bundesland Salzburg steigen die Covid-19-Infektionen, die Landeshauptstadt gilt dabei als Hotspot und ist aktuell als einziger Bezirk im Land in der Corona-Ampel gelb eingefärbt. Gerade in den letzten Tagen stieg die Zahl der Neuinfektionen unter jüngeren Leuten, so mussten bereits mehrere Schulklassen in Teilquarantäne geschickt werden, für mehrere Lokale in der Stadt gab es zuletzt einen Corona-Aufruf.

Salzburg, Tirol und Vorarlberg verlegen in Abstimmung mit der Bundesregierung die Sperrstunde in der Gastronomie von...

Gepostet von Wilfried Haslauer am Dienstag, 22. September 2020

Gastronom: Betrieb bis 22 Uhr nicht möglich

Mit der ab Freitag in Kraft tretenden Maßnahme soll die Sperrstunde in den Lokalen und Bars nun auf 22 Uhr vorverlegt werden. "Das ist ein Witz. Sie wollen, dass wir zusperren", ärgert sich Franz Grubinger, Besitzer der Bars Flip und Soda Club in der Landeshauptstadt im Gespräch mit SALZBURG24. Ein Betrieb bis 22 Uhr sei für die Nachtgastronomie nicht durchführbar.

 

"Man sperrt ganz Salzburg zu"

Dabei hätten die Lokale und Bars auf die Corona-Maßnahmen bereits reagiert. "Wir haben extra Tische und Hocker eingekauft, da ja nun jeder sitzen muss. Dafür wurden tausende Euro ausgegeben", führt Grubinger weiter aus. Dass Polizei und Ordnungsamt es nicht gelingt, jene zu strafen, die sich über die Regelungen hinwegsetzen, stößt bei dem Gastronom auf Unverständnis. "Obwohl es Strafen bis zu 30.000 Euro gäbe, kapituliert man vor den Uneinsichtigen und sperrt ganz Salzburg zu."

Sperrstunde vorverlegt: Verständnis bei der WKS

Verständnis für die radikalen Maßnahmen der drei Bundesländer hat Ernst Pühringer, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS): "Es war fast klar, dass irgendeine Reaktion kommen muss vor dem Hintergrund, dass unter allen Umständen vermieden werden muss, dass für das Bundesland Salzburg eine Reisewarnung ausgesprochen wird. Das hat absolute Priorität."

Pühringer: "Das ist ein Desaster"

Die Vorfälle an den vergangenen Wochenenden hätten gezeigt, dass man die Entwicklung der Corona-Fallzahlen wieder in normale Höhen bringt. "Eine Reisewarnung, wie sie nun seitens der deutschen Regierung angedacht ist, das wäre ein Katastrophe", führt Pühringer weiter aus. Für die Betreiber der Nachtlokale zeichnet sich mit der Vorverlegung der Sperrstunde allerdings schon jetzt eine Katastrophe ab. Pühringer: "Das ist ein riesen Desaster."

Mitarbeiter vor Kündigung?

In Flip und Soda Club standen am Dienstag alle Angestellten vor der Kündigung. Nach einem gemeinsamen Treffen mit anderen Lokalbetreiber entschied sich Franz Grubinger allerdings anders: "Wir werden aufsperren, und zwar von 18 Uhr bis 22 Uhr. Wir probieren das, auch den Gästen und Angestellten zuliebe", gibt sich der Salzburger Gastronom kämpferisch.

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