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Hat die Jugend keinen Bock?

Salzburgs Betriebe finden kaum Ferialarbeiter:innen

So viele Jobs verfügbar wie noch nie

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Junge Ferialarbeiter:innen werden in Salzburg händeringend gesucht. (SYMBOLBILD)

Ferialjobs waren für Jugendliche immer eine tolle Gelegenheit in den Sommerferien ihr Taschengeld aufzubessern. Doch die Einstellung der Teenager hat sich offenbar verändert, denn Salzburgs Betriebe suchen händeringend nach Arbeitswilligen. Wir wollten wissen, warum die Generation Z mittlerweile wohl weniger Bock mehr darauf hat.

Zell am See, Flachau, Leogang

„Früher wäre es im Juni schon viel zu spät gewesen, wenn man noch einen Ferialjob gesucht hätte“, bringt Bettina Berger von der Salzburger Jugendplattform Akzente die aktuelle Situation auf den Punkt. Tatsächlich klagen zahlreiche Salzburger Betriebe, dass sie in diesem Sommer nur sehr schwer bis gar keine arbeitswilligen Jugendlichen finden. „Wir haben doppelt so viele Inserate als sonst von Firmen auf der Plattform“, schildert Berger im Gespräch mit SALZBURG24.

 

Vielfältiges Angebot an Ferialjobs in ganz Salzburg

Bei einem Blick auf die zahlreichen Inserate auf den verschiedenen Plattformen erkennt man schnell einen echten Mangel. Ähnlich jenem, der schon seit Monaten in der Gastro- und Hotellerie zu beobachten ist. Daher ist diese Branche auch besonders betroffen. Aber nicht exklusiv. „Sonst sind die spannendsten Jobs schon lange weg. Heuer gibt es noch immer große Vielfalt und attraktive Angebote für Kurzentschlossene“, schildert die 32-Jährige.

Arbeitermangel wirkt sich auf Umsatz aus

Viele Betriebe sind im Sommer auf Ferialarbeiter:innen angewiesen, weil Angestellte im Urlaub sind. „Weniger Personal bedeutet weniger Geschäft“, klagt Barbara Schleicher von einer Bootsvermietung in Zell am See (Pinzgau) gegenüber S24. Ihr Inserat läuft nun schon seit einigen Wochen. Zudem hätte sie schon ihre aktiven Ferialarbeiter:innen beauftragt, deren Freundeskreis zu rekrutieren. Ohne Erfolg. Und das bei einem eigentlich spannenden Job.

 

Betriebe heben Löhne an

Solche hätte auch ein Hotelbetreiber aus Flachau (Pongau), der seit Anfang April vergeblich jemanden sucht, der in seinem Reitbetrieb aushelfen möchte. „Dabei zahle ich gar nicht so schlecht“, schmunzelt der Pongauer, der anonym bleiben wollte. Früher hätte er Ende April immer schon alle Stellen besetzt, heuer helfe zwangsbedingt eine ehemalige Mitarbeiterin aus. Den Weg der höheren Löhne würden mehrere Betriebe gehen, bestätigt auch Bettina Berger von Jugendplattform Akzente. Wie sie berichtet, habe der Abwärtstrend schon im letzten Jahr eingesetzt. „Aber im Vergleich zu 2021 haben sich die Inserate bei uns heuer verdoppelt.“ Zudem würden Firmen auch selbst verstärkt über Social Media nach Jugendlichen suchen.

Freie Stellen im ganzen Bundesland

Die Knappheit konzentriere sich keinesfalls nur auf den Ballungsraum, sondern würde das gesamte Bundesland Salzburg betreffen. „Da es bei uns in Leogang und Umgebung ohnehin schwer ist, jemanden zu finden, bin ich seit Februar auf der Suche“, bestätigt Iris Horngacher von der Kartbahn Leogang (Pinzgau).

Warum wollen Jugendliche nicht arbeiten?

Waren interessante Ferialjobs früher noch heiß begehrt, scheinen sie momentan eher abschreckend zu wirken. Warum das so ist, kann sich keiner der befragten Betriebe so genau erklären. „Generell ist es ein geburtenschwacher Jahrgang und vielleicht wollen die Jugendlichen nach zwei Jahren Pandemie nun lieber ihre Ferien genießen und sich nicht einschränken lassen“, vermutet Berger. Viele hätten auch eine andere Einstellung zu Geld und Finanzen im Vergleich zu älteren Generationen.

 

Teenager wollen lieber Geld arbeiten lassen

Akzente Salzburg bietet verschiedene Workshops für Jugendliche an. Einer davon soll ihnen dabei helfen, mit Geld umzugehen. Dadurch bekommt die Salzburgerin regelmäßig Einblicke in die Denkweise der jungen Erwachsenen. „Sie bekommen in der Schule nur wenig Input zum Thema Geld. Dieses Loch füllt allerdings Social Media, wo auch für Investitionen in Krypto-Währung geworben wird“, erzählt Berger. „Die Jugendlichen wollen nicht arbeiten, sondern lieber das Geld für sie arbeiten lassen“, ortet sie ein gewisses Motivationsproblem.

Das wird die Not der Betriebe vermutlich auch in Zukunft nicht lindern.

(Quelle: SALZBURG24)

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