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Ein Stich für prallere Haut

Welche Risiken Filler als neuer Instagram-Trend bergen

Salzburger Ärztin über „groteske" Beauty-Vorstellungen

Symb_Botox Symb_Filler APA/Roland Schlager
Viele Influencer:innen werben auf Social Media mit Filler-Behandlungen. Auch in Salzburg ist der Trend bereits angekommen. (SYMBOLBILD)

Volle Lippen, pralle Haut und scharfe Konturen: Dieses Bild vom vermeintlich perfekten Gesicht geistert durch die sozialen Medien und schwappt auch immer häufiger in die Realität über. Viele Influencer:innen werben für vermeintlich harmlose Behandlungen mit Fillern. Eine Salzburger Ärztin erläutert, warum doch mehr dahinter steckt, als ein kleiner Piks.

Salzburg

Mit ein paar kleinen Nadelstichen zum Traumgesicht: Diese Vorstellung wird aktuell häufig auf Social-Media-Plattformen wie Instagram verbreitet. Dermafiller – kurz Filler – sollen für volle, sinnliche Lippen oder markante Gesichtszüge sorgen. Aber was sind Filler überhaupt genau?

Hyaluron-Filler für pralle Haut

„Dermafiller sind Medikamente, die man in die Haut spritzen kann und das Hautvolumen auffüllen“, schildert Dr. Ilse Gradwohl-Matis, medizinische Leiterin im Haus der Schönheit in Salzburg, im SALZBURG24-Interview. Dabei gibt es verschiedene Arten, am häufigsten sei Hyaluron. „Diese Substanz haben wir im Körper. Sie wird aber weniger, wenn wir älter werden. Die Haut ist dadurch weniger prall und fängt an zu hängen. Durch den Filler wird sie wieder aufgepolstert“, erklärt die Ärztin.

 

Effekt hängt von Zusammensetzung ab

Durch die Zusammensetzung können unterschiedliche Effekte erzielt werden. Während gelartiges Hyaluron eher hebt, Falten ausfüllt oder dazu dient, den Wangenbereich anzuheben oder Konturen zu straffen, wird flüssigeres Hyaluron unter der Haut verteilt und gleicht kleinere Fältchen aus. Je nach Alter, Zustand der Haut und Zusammensetzung der Filler halte die Wirkung durchschnittlich zwischen einem halben und einem Jahr. Danach werde das Hyaluron wieder vollständig vom Körper abgebaut.

 

Social Media mit „extremem Einfluss" auf Schönheitsideal

Gerade die Wünsche der Jüngeren würden sich häufig an ihren Vorbildern auf Social Media orientieren. Oft seien es zwar nur kleinere Korrekturen, die auch machbar seien. „Trotzdem war es am Anfang für mich gewöhnungsbedürftig, einer 25-Jährigen die ohnehin schon prallen Lippen aufzuspritzen“, erinnert sich Gradwohl-Matis. Die Macht der sozialen Medien spürt sie täglich: „Das hat einen ganz extremen Einfluss. Das Schönheitsideal der Jüngeren ist – denke ich – nur von Social Media geprägt. Wenn wichtige Testimonials wie Kim Kardashian etwas Neues machen, wird das gepostet und sofort angenommen.“ Immer öfter treffe das auch auf ältere Patient:innen zu. Außerdem würden sich immer mehr Männer für eine schöne Haut interessieren. Hyaluron-Filler kämen hier nur vereinzelt zum Einsatz, vielmehr gehe es um das Ausbessern von Pigmentflecken, roten Äderchen oder Aknenarben.

 

Unrealistische Vorstellungen

Problematisch werde es dann, wenn die Vorstellungen vollkommen unrealistisch seien und ein Ausmaß annehmen würden, das „absolut grotesk und unpassend“ sei. „Viele Sachen auf Social Media sind total gefaked. Manche Vorstellungen der Patienten kann man auch gar nicht erfüllen, weil das am Foto ganz anders aussieht“, so die Medizinerin. Lichteinfall, Schminke, Fotofilter und Co würden eine große Rolle spielen. Als Beispiel nennt die Medizinerin „übertriebene große Lippen, die skurrilste Ausmaße annehmen und überhaupt nichts mehr mit der Norm zu tun haben. Das ist absolut abzulehnen.“

„Risiken total im Hintergrund“

Es sei die Aufgabe der Ärzt:innen, diese Vorstellungen auszuräumen und dem entgegenzuwirken, indem sie erklären, dass es einen medizinisch-ästhetischen Zugang brauche. Zudem müsse auch über mögliche Risiken der Filler-Behandlungen aufgeklärt werden: „Das ist natürlich total im Hintergrund. Die möglichen Gefahren sind ihnen gar nicht bewusst. Das wird auf Social Media auch nicht kommuniziert, außer man sucht gezielt nach Komplikationen.“

Immer wenn etwas in den Körper gespritzt wird, könne es auch zu Nebenwirkungen und Komplikationen kommen, betont die Expertin. Vor allem der Lippenbereich sei sehr gut durchblutet. „Wenn man fälschlicherweise Hyaluron in die Blutgefäße spritzt oder so viel in die Lippe gibt, dass die Blutgefäße verstopft werden, kann das betreffende Areal nicht mehr durchblutet werden oder sogar absterben.“ Das sei die schlimmste Komplikation, die zwar sehr selten sei, aber eben auftreten könne, auch wenn Ärzt:innen Techniken erlernen würden, um dies zu vermeiden. „Es ist nicht wie zum Friseur zu gehen und die Haare abzuschneiden.“

Gibt es ein Gegenmittel?

Auch ein Verrutschen von Fillern sei durchaus möglich. „Zu Beginn ist das Hyaluron noch recht weich. Da kann man es noch gut so hinmassieren, wie man es haben will.“ Man müsse diesen sehr präzise und der Anatomie entsprechend platzieren. Durch das Hyaluron könnten aber auch Knötchen oder Verhärtungen entstehen. „Es gibt ein Gegenmittel, das Hylase heißt. Damit kann man Hyaluron bzw. die entstandenen Knötchen wieder auflösen.“ Auch bei einem Gefäßverschluss oder dem Verdacht darauf helfe es, hochdosiert Hylase zu spritzen.

Soziale Medien fördern offenen Umgang

Dass das Filler-Thema in den sozialen Netzwerken so präsent ist, habe aber nicht nur negative Auswirkungen. Denn gerade die jüngere Generation gehe damit sehr offen um. „Viele von den Älteren machen es heimlich. Das wissen nicht einmal der Mann oder die Freundinnen.“ Aber auch hier finde langsam ein Umdenken statt. „Dass man schön bleiben und gut aussehen will, ist normal in unserem Leben. Der Wunsch war auch immer schon da. Jetzt wird das nur sehr offen durch die Medien kommuniziert." Und das habe sowohl Vor- als auch Nachteile, resümiert die Salzburger Ärztin.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 18.08.2022 um 11:21 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/filler-gefahren-des-instagram-schoenheits-trends-123436933

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