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Brand auf griechischer Fähre: Evakuierung beendet, zehn Todesopfer

Durch das Feuer auf der Fähre "Norman Atlantic" im Mittelmeer sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Die Evakuierung des Sonntagfrüh in Brand geratenen Schiffs wurde am Montag abgeschlossen. Das Außenministerium bestätigte am Montagabend, dass alle fünf Österreicher gerettet wurden. Der Seekirchner Erwin Schrümpf befindet sich nun an Bord eines Marineschiffes.

Alle fünf Österreicher, die an Bord der Fähre "Norman Atlantic" im Mittelmeer waren, sind in Sicherheit. Dies bestätigte der Sprecher des Außenministeriums, Martin Weiss, am Montagabend der APA.

Großes Aufatmen: Salzburger in Sicherheit

Der letzte Österreicher an Bord, der Salzburger Erwin Schrümpf, sei nach Angaben der italienischen Küstenwache mittlerweile an Bord des italienischen Marineschiffs San Giorgio, so Weiss. Bis zuletzt hatte zu Schrümpf kein Kontakt bestanden. Auch die letzten verbliebenen Passagiere wurden mittlerweile aus der Todesgefahr gerettet.

Fährbrand: Bereits zehn Tote

Durch den Brand auf der "Norman Atlantic" sind neuen Angaben zufolge mindestens zehn Menschen getötet worden. Es seien zwei weitere Leichen entdeckt worden, teilte die italienische Marine am Montagabend mit. Vorherigen Regierungsangaben zufolge wurden 427 Menschen gerettet, darunter alle 56 Besatzungsmitglieder.

Der Verbleib von Dutzenden weiteren Passagieren war zunächst unklar: Auf der Liste der Insassen standen insgesamt 478 Namen. Der italienische Verkehrsminister Maurizio Lupi sagte jedoch, die Passagierliste sei möglicherweise nicht korrekt. Es könnte auch sein, dass einige Passagiere die Fahrt gar nicht angetreten hätten.

Salzburger ohne Lebenszeichen

Von den fünf Österreichern, die auf der "Norman Atlantic" waren, wurden vier bis Montagnachmittag in Sicherheit gebracht. Zu einem Salzburger hatte das Außenministerium unterdessen noch keinen direkten Kontakt,  am Abend konnte jedoch Entwarnung gegeben werden. Er befindet sich auf dem italienischen Marineschiff San Giorgio. Der Mann hatte für die Griechenlandhilfe einen Hilfstransport für griechische Spitäler durchgeführt.

Eine Vorarlbergerin wurde evakuiert und in ein Krankenhaus bei der süditalienischen Stadt Lecce gebracht. Die Frau war laut österreichischem Außenministerium stark unterkühlt, der behandelnde Arzt beschrieb ihren Zustand aber als stabil. Auch der erwachsene Sohn der Vorarlbergerin wurde am Montag geborgen und von dem italienischen Marineschiff "San Giorgio" aufgenommen. Er dürfte damit laut Ministeriumssprecher Martin Weiss ebenfalls nach Italien gebracht werden. Bereits am Sonntag waren zwei Tiroler unverletzt in Sicherheit gebracht worden. Insgesamt standen sechs Österreicher auf der Passagierliste, der dort angeführte Salzburger war aber entgegen der Angaben alleine unterwegs.

 

APA/EPA/ITALIAN NAVY / HANDOUT Salzburg24
APA/EPA/ITALIAN NAVY / HANDOUT

Kapitän verließ Fähre als Letzer

Kapitän Argilio Giacomazzi verließ am Montag um 14.50 Uhr das Schiff. Damit wurde die Evakuierung offiziell für beendet erklärt. Zuvor waren alle Passagiere und die weiteren Besatzungsmitglieder von Bord gebracht worden.

 

Video der Rettungsaktion

 

Acht Tote, zahlreiche Verletzte./AP Salzburg24
Acht Tote, zahlreiche Verletzte./AP

Panik und Schlägereien an Bord

An Bord der "Norman Atlantic" spielten sich panische Szenen ab. Überlebende berichteten von Schlägereien unter Passagieren, die sich Zugang zu den Rettungsbooten und zu den Hubschraubern sichern wollten. Ein türkischer Passagier erzählte, dass kein Brandalarm ertönt sei. "Die Passagiere haben sich gegenseitig geweckt. Wir haben eine Situation wie an Bord der Titanic erlebt. Zum Glück sind wir nicht zugrunde gegangen", sagte er.

Die griechische Passagierin, Teodora Douili, deren Ehemann nach dem Brand auf der Autofähre ums Leben gekommen ist, hat über die dramatische Stunden vor dem Tod des 62-Jährigen berichtet. "Wir waren über vier Stunden lang im Wasser. Mein Mann sagte mir: 'Wir sterben, wir sterben!'. Ich habe nichts für ihn tun können", erzählte die gerettete Frau. "Nachdem uns ein Mitglied der Rettungskräfte in Sicherheit gebracht hat, ist mein Mann in seinen Armen gestorben."

 

Youtube-Video eines Passagiers zeigt Panik am Schiff

 

Ein anderer Passagiere erzählte vom Chaos an Bord: "Man hat uns keine Anweisung gegeben. Es gab nur einen einzigen Notausgang auf Deck 6 in Richtung Bug. Es herrschte dort absolute Panik wegen des Gedränges. Es gab keinerlei Koordination, niemand hat die Leute beruhigt", sagte Rania Fyreou laut dpa im griechischen Fernsehen. "Das größte Rettungsboot für 150 Menschen war mit nur 60 Leuten besetzt. Das Personal war praktisch nicht vorhanden."

Fünf Militärs der italienischen Marine wurden bei der Rettungsaktion verletzt. Vier von ihnen mussten wegen Rauchgasvergiftungen behandelt werden. Ein weiterer Armeeangehöriger brach sich bei der Rettungsaktion ein Bein. Der Hilfseinsatz sei wegen der Wetterlage besonders schwierig gewesen. "Die Rettungseinheiten haben sich mit größten Problemen auseinandersetzen müssen", berichtete der Sprecher der italienischen Marine, Mario Maccaroni.

Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen begonnen

Die Staatsanwaltschaften in Bari und Brindisi leiteten Ermittlungen wegen fahrlässigen Schiffbruchs und fahrlässiger Tötung ein. Der Schiffseigner, die italienische Reederei Visentini, bestritt indes Mängel an Bord der "Norman Atlantic". Das Schiff sei am 19. Dezember im griechischen Hafen Patras Kontrollen unterzogen worden. Laut griechischen Medien waren Sicherheitsmängel aufgetaucht. Die Behörden sollen der Reederei zwei Monate Zeit gegeben haben, diese zu beheben. Die griechische Gesellschaft ANEK, die die Unglücksfähre gechartert hatte, hat inzwischen wieder die Verbindungen auf der Linie Igoumenitsa-Ancona aufgenommen. Die Fähre "Hellenic Spirit" ersetzt die "Norman Atlantic" und wird am Dienstag im Hafen von Ancona in Italien eintreffen.

Nachdem die Zahl der Toten nach dem Fährunglück in der Adria auf mindestens zehn gestiegen ist, gerät die italienische Reederei Visemar zunehmend unter Druck. Eigentümer Carlo Visentini berichtete, dass die Fähre erst am 19. Dezember eine Inspektion, bei der auch die Brandschutztüren überprüft wurden. Bei der Inspektion sei eine "leichte Fehlfunktion" aufgefallen, die aber "zur Zufriedenheit der Inspektoren" behoben worden sei, versicherte Visentini. Die Autofähre "Norman Atlantic", die zwischen Griechenland und Italien im Einsatz war, hatte Platz für 490 Passagiere, war also nicht überbucht. Visentini sagte seine Zusammenarbeit bei den Ermittlungen zu.

 

Der Schock sitzt tief./AP Salzburg24
Der Schock sitzt tief./AP
Der Schock sitzt tief./AP

Spekulationen über Ursache

Über die Ursache des Brandes, der vermutlich im Autodeck ausgebrochen war, wurde weiter spekuliert. Lkw-Fahrer berichteten in griechischen Medien, dass das Fahrzeugdeck überladen gewesen sei. Viele Laster hätten Olivenöl geladen. Ein Funke könne da schnell einen Brand auslösen.

Erinnerungen an Costa Concordia"

In Italien wecken die Schilderungen schmerzhafte Erinnerungen an die Havarie der "Costa Concordia" im Jänner vor drei Jahren. Damals fuhr der Kreuzer mit mehr als 4.200 Menschen auf einen Felsen vor der Insel Giglio, 32 Menschen starben. Gegen den Kapitän Francesco Schettino läuft ein Prozess.

 


(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 12.05.2021 um 08:27 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/brand-auf-griechischer-faehre-evakuierung-beendet-zehn-todesopfer-46249906

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