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Dietrich Marius

"Politik, die nur von heute bis morgen denkt, bringt nichts"

Ältester Bürgermeisterkandidat in Salzburg

Dietrich Marius SALZBURG24/Pfeifer
Bürgermeisterkandidat Dietrich Marius mit SALZBURG24-Redakteurin Michaela Berger.

Mit 70 Jahren ist Dietrich Marius (FWS) der älteste Bürgermeisterkandidat im Land Salzburg. In seiner Heimat Seekirchen (Flachgau) wird nach dem Abtritt der amtierenden Stadtchefin Monika Schwaiger (ÖVP) der Bürgermeister-Stuhl frei. Im SALZBURG24-Gespräch schildert er, warum gerade sein Alter für das Amt zum Vorteil werden könnte.

In Seekirchen stehen am 10. März neben Marius mit Konrad Pieringer (ÖVP), Peter Reifberger (SPÖ) und Hermann Kirchmeier (FPÖ) insgesamt vier potenzielle Bürgermeister auf dem Wahlzettel. Bei den letzten Wahlen hatte die FWS mit Michael Honzak als Spitzenkandidat elf Prozent der Stimmen erreicht. Bei der Bürgermeister-Wahl 2009 scheiterte der FWS-Kandidat Helmut Naderer mit 43,3 Prozent in der Stichwahl gegen die bis heute amtierende Monika Schwaiger.

Herr Marius, seit wann sind Sie in der Kommunalpolitik aktiv?

Ich bin bereits mit 24 Jahren der FPÖ beigetreten, war aber während meiner beruflichen Selbstständigkeit (studierter Techniker, Anm.) aus zeitlichen Gründen nie politisch aktiv. Vor nunmehr 15 Jahren bin ich wie die Jungfrau zum Kinde in die Gemeindepolitik gekommen; heute als Stadtrat und Bürgermeisterkandidat für die FWS. Ich sehe mich als Freiheitlicher im Sinne der Aufklärung.

Sie kandidieren mit 70 Jahren zum ersten Mal als Bürgermeister. Wann haben Sie den Entschluss gefasst?

Wenn man in eine Gemeindewahl geht und nicht auch den Bürgermeister-Anspruch stellt, ist man über kurz oder lang verloren. Unsere beiden früheren Spitzenkandidaten standen leider nicht mehr zur Verfügung, also stelle ich mich der Aufgabe.

Worin sehen Sie die Vorteile des Alters für einen Bürgermeister?

Ich denke schon, dass das Alter einem Vorteile bringen kann. Da ist eine gewisse Gelassenheit und Erfahrung. Ich habe auch keine besonderen Präferenzen, mich im Alter auch noch einmal selbst darstellen zu müssen.

Bei meinen politischen Anfängen mit 55 Jahren war ich noch voll im Geschäft. Die Zeit musste ich mir abringen. Jetzt ringe ich nicht mehr so. (lacht) Zeit ist aber wichtig, um der Gemeinde, ihren Vereinen und Veranstaltungen gerecht werden zu können.

In welchen Bereichen ist das Alter eher eine Herausforderung?

Das ist schwierig zu sagen. Ich fühle mich prima, ich bin im Hirn gut beieinander, auch der Körper ist fit. Es gibt auch ältere Beispiele als mich, ob es Konrad Adenauer war oder heute unser Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Das Alter spielt da wenig Rolle.

FWS-Mannschaft bei der Arbeit für Seekirchen, im privaten Rahmen.

Gepostet von FWS / Freie Wähler Seekirchen am Mittwoch, 23. Januar 2019

Wie schwer oder leicht fällt es, junge Menschen zu erreichen?

Eine gute Frage, aus meiner Perspektive ist das natürlich schwieriger. Ich habe selbst drei Kinder und viele Enkel. Ich fühle mich jung unter Jungen. Ich habe außerdem ein relativ neues Team um mich, unsere jüngste Kandidatin ist erst 20 Jahre alt. Mit der richtigen Ansprache und auch den richtigen Themen kommt man an die Jungen schon ran.

Welche Themen sind das beispielsweise?

Als wichtigste Themen für die Zukunft sehe ich einen günstigen Öffi-Verkehr und die Ansiedelung von Betrieben. Wir haben in Seekirchen an die 11.000 Einwohner, aber nicht genügend Arbeitsplätze. Dass die Menschen pendeln müssen, ist also hausgemacht. Das brennt sicherlich den Jungen mehr unter den Nägeln als den Alten. Denn als Pensionist fahre ich nur nach Salzburg, wenn ich möchte, nicht weil ich muss.

Es gibt sehr viele Fragen, wo ich denke, dass man jetzt für die Zukunft handeln muss. Auch wenn es mich persönlich nicht mehr betrifft. Politik, die nur von heute bis morgen denkt, bringt nichts.

Was macht für Sie einen guten Bürgermeister aus?

Er muss gut organisieren können, einen gewissen Pragmatismus mitbringen und vor allem einen Draht zu den Menschen haben. Diese Menschenkenntnis, glaube ich, kommt oft erst mit dem Alter.

Eine Gemeinde muss man führen wie einen Familienbetrieb. Gegenseitige Akzeptanz ist dabei sehr wichtig. Es zählt nicht nur das, was der Einzelne will.

 

Wie hoch schätzen Sie Ihre Chancen am 10. März ein?

Wenn man das sportlich sieht und sagt, ich bin Skifahrer: Dann will ich gewinnen. Sonst brauche ich mich gar nicht hinstellen. Unser Potenzial liegt jedenfalls bei den Jung- und Nichtwählern. Meine Chancen will ich aber selbst nicht klassifizieren.

Lieber Herr Marius, vielen Dank für das Gespräch!

Am Freitag steht uns der mit 25 Jahren jüngste Salzburger Bürgermeisterkandidat, Lukas Rößlhuber von den NEOS in der Landeshauptstadt, im Interview Rede und Antwort.

Aufgerufen am 22.04.2019 um 06:10 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/buergermeister-wahl-dietrich-marius-aus-seekirchen-ist-aeltester-kandidat-65666917

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