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Sonntags-Talk

Das große Gackern zu Ostern

Kastnerbauer aus Anif über die "Osterhasen-Fabrik"

Mit 1.350 Hennen gilt die Familie Leitner aus Anif (Flachgau) als "Osterhasen-Fabrik". Warum Ostern dennoch nicht zur Hochsaison gehört und was gute Eier ausmacht, erklärt uns der "Kastnerbauer" im Sonntags-Talk.

Anif

Lautes Gackern und tausende Kikerikis in unterschiedlichsten Tonhöhen
sind nicht zu überhören, wenn sich Hahn und Henne am Hof der Familie
Leitner im Süden Salzburgs im Freien aufhalten. Nicole und Bernhard
Leitner klauben mit Handarbeit rund 1.100 Eier pro Tag und gelten als
"Hauptlieferant" für den Osterhasen. Angefangen hat die Bauern-Familie
vor sieben Jahren mit 30 Stück Federvieh.

Warum Ostern dennoch nicht die Hochsaison des Jahres ist und was gute
Eier ausmacht, erklärt uns die ausgebildete Pädagogin und Vize-Obfrau
des Salzburger Bauernbunds, Nicole Leitner, im Sonntags-Talk.

SALZBURG24: Nicole, die Österreicher essen im Schnitt rund 240 Eier im Jahr. Hat das große Gackern zu Ostern seinen Höhepunkt?

NICOLE LEITNER: Das sollte man meinen, aber das irrt. Rund um die Oster-Feiertage ist es verhältnismäßig ruhig – es ist eigentlich wie eine normale Woche. Was dabei im Vergleich zu Weihnachten los ist, ist irre. Durch das Kekse backen steigt die Nachfrage ins unermessliche, da kommen wir fast gar nicht mehr mit.

Was muss bei der Tierhaltung beachtet werden, damit das Geflügel gesund bleibt und die Eier gut werden?

Uns ist es besonders wichtig, dass den Hennen genug Auslauf geboten wird. Mit unseren mobilen Hühnerställen verändern wir regelmäßig den Standort für die Tiere. Zudem haben wir einen Art Wintergarten dazu gebaut, damit sie das ganze Jahr draußen sein können.

Kastnerbauer, Bernhard und Nicole Leitner Kastnerbauer
Bernhard und Nicole Leitner mit ihren vier Kindern.

Was sollte man beim Kauf von Eiern beachten?

Auf der Verpackung kann man sich über die Haltungsform und diverse Gütesiegel informieren. Dazu kommt die Ei-Einzel-Kennzeichnung, wo man das Herkunftsland, die Haltungsform sowie die Haltbarkeit ablesen kann.

Was macht ein gutes Ei aus?

Es soll würzig, bekömmlich schmecken. Bevor wir die Hennen füttern, keimen wir die Weizenkörner mit Wasser etwas auf. So sind sie nährreicher und schmecken besser. Man kann sich das wie Nudeln mit oder ohne Sauce vorstellen.

Immer noch wird darüber diskutiert, ob Eier gesund sind. Wie siehst du das?

Das Ei hat eine 100-prozentige biologische Wertigkeit. Das heißt der Körper kann all seine Vitamine und Spurenelemente verwerten – es ist ein Eiweiß höchster Güte. Es beinhaltet eigentlich alles, was der Körper braucht, außer Vitamin C.

Was kann man machen, wenn man sich nicht sicher ist, ob das Ei noch gut ist?

Da gibt es einen ganz einfachen Test: Frische Eier sinken in einem Glas Salzwasser zu Boden. Ein altes oder verdorbenes Ei hat eine (große) Luftkammer und schwimmt.

Wie lange halten Eier im Durchschnitt?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum beträgt 28 Tage. Beim Verkauf darf es maximal 21 Tage alt sein. Bei guter Lagerung ist eine längere Haltbarkeit durchaus möglich. Wenn man die Eier kocht, halten sie sogar sechs Wochen länger. Das wissen die meisten Leute nicht.

Kastner Bauer, Eier, Biobauer, Bernhard und Nicole Leitner SALZBURG24/Wurzer
Die Ei-Einzelkennzeichnung gibt Auskunft über die Herkunft und die Haltungsform sowie das Mindesthaltbarkeitsdatums.

Kommen wir zum Henne-Ei-Dilemma: Was glaubst du war zuerst da?

Darüber zerbreche ich mir den Kopf nicht – das sollen gescheitere Leute machen (lacht).

Was erzählt ihr euren vier Kindern zu Ostern und gibt es spezielle Bräuche, die ihr zelebriert?

Wir sagen ihnen, dass wir den Osterhasen helfen und die Osterhasen-Fabrik sind (schmunzelt). Ansonsten sieht Ostern bei uns genauso aus wie bei anderen auch. Wir verbringen viel Zeit zusammen, die meiste davon bei unserem Stall. Denn die Arbeit erledigt sich nicht von alleine.

Färbt ihr eure Eier selber?

Nein, da man für unsere 5.400 gefärbten Bio-Eier eine spezielle Farbe braucht. Und die gibt es nur in Ried. Nach Deutschland dürfen wir wegen den strengen österreichischen Bestimmungen nicht fahren.

Kastner Bauer, Eier, Biobauer, Bernhard und Nicole Leitner SALZBURG24/Wurzer
Jedes Ei geht bis zur Verpackung drei Mal durch den Händen der Familie Leitner.

Wie viel kosten eure Eier und wie vermarktet ihr sie?

Bei uns im Selbstbedienungs-Kühlschrank in Anif kostet ein Ei 45 Cent. Beim Automaten am Kreisverkehr beim Maximarkt 50 Cent und das gefärbte Ei 60 Cent. Wir haben mit 30 Hennen angefangen und wussten früher nicht wohin mit den Eiern. Ich bin durch den Ort gefahren und habe es den Leuten angeboten. Als die Nachfrage dann extrem Anstieg und 15 Spar-Filialen sowie Gastbetriebe die Eier kaufen wollten, wurden wir größer.

Sind 1.350 Hennen genug oder könnt ihr euch noch mehr vorstellen?

Wir sind komplett ausgelastet, haben auch noch Kühe im Stall. Aus heutiger Sicht reicht uns das voll aus. Ansonsten müssten wir jemanden anstellen.

Somit bleibt es beim Familienbetrieb.

Genau. So fing es mit den Hendln auch an und so wollen wir es aus heutiger Sicht auch fortführen. Aber mal sehen, was die Zeit so mit sich bringt.

Vielen Dank für das Interview und ein frohes Osterfest mit der Familie, Nicole.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 25.05.2019 um 02:59 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/das-grosse-gackern-zu-ostern-69030874

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