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Deutscher täuschte mit Sterbeurkunde den eigenen Tod vor: Verurteilt

Um sich einem Strafverfahren in Salzburg und Deutschland und der Rückzahlung von 70.000 Euro hohen Schulden zu entziehen, hat ein gelernter Koch (47) aus Deutschland seinen Tod mit einer von ihm gefälschten Sterbeurkunde vorgetäuscht. Am Mittwoch wurde er im Landesgericht Salzburg verurteilt.

Deutscher muss 20 Monate hinter Gitter

Für diese "Kurzschlussreaktion", wie er den Schwindel am Mittwoch bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg zugab, und für zwei schwere Betrügereien mit einem Gesamtschaden von 6.100 Euro kassierte der reumütig geständige Angeklagte eine rechtskräftige, unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten.

Sterbeurkunde aus dem Internet geholt

 "Er war im Grunde seines Herzens ein liebevoller Mensch", richtete eine vermeintliche Tante des 47-Jährigen am 1. Februar 2012 in einem Brief der Salzburger Richterin Daniela Meniuk-Prossinger aus. In dem - von dem Angeklagten selbst verfassten - Schreiben mit beigefügter Kopie der Sterbeurkunde war zu lesen, dass der "Neffe" zur Taufe seines Patenkindes fahren habe wollen, aber am 16. Jänner 2012 nach einem Verkehrsunfall in einer Spezialklinik gestorben sei. Das Muster einer Sterbeurkunde bezog der Mann aus dem Internet. "Ich setzte die Daten ein. Ich hatte ein anderes Dokument, auf dem der Stempel von Marburg drauf war."

Deutscher wohnte in Henndorf

Der Deutsche, der aus Essen in Nordrhein-Westfalen stammt, hatte bereits am 25. Jänner 2012 eine Kopie der gefälschten Sterbeurkunde, angeblich ausgestellt vom Standesamt Marburg (D), an das Meldeamt der Gemeinde Henndorf im Salzburger Flachgau geschickt. In Henndorf hatte der Arbeitslose zuletzt gewohnt. Am Landesgericht Salzburg war seit längerem ein Strafverfahren wegen schweren Betruges anhängig, zu einem von Richterin Meniuk-Prossinger anberaumten Prozesstermin im November 2011 war der Deutsche nicht erschienen.

Deutscher wollte Betrugs-Prozess entgehen

Thema der Verhandlung im November wären zwei Betrugsfakten gewesen: Der Angeklagte hatte sich im Herbst 2010 als Vermieter einer Wohnung ausgegeben und einem Nachmieter unrechtmäßig eine Kaution sowie Geld für Elektrogeräte im Wert von insgesamt 2.795 Euro herausgelockt und einer Immobilienfirma in Henndorf eine Provision von 3.348 Euro für die Überlassung von Büroräumen und Infrastruktur zwecks Geschäftsanbahnung für die angebliche Errichtung eines betreuten Alterswohnsitz für Pensionisten nicht bezahlt. Im Oktober 2010 schickte er der Immobilienfirma ein Mail, sie solle seine Agenden übernehmen, da er "sehr krank sei", sagte eine Zeugin.

Fälschung der Sterbeurkunge sei Fälschung eines Beweismittels

Staatsanwalt Georg Kasinger bezeichnete die Fälschung der Sterbeurkunde, also die Fälschung eines Beweismittels, als "eine Dreistigkeit, die man selten sieht" und "eine beispiellose Vorgangsweise in einem anhängigen gerichtlichen Strafverfahren". Die Richterin wies in der Verhandlung darauf hin, dass der Angeklagte in Deutschland auch noch eine offene Strafe von zwei Jahren und drei Monaten zu verbüßen hat. "Eine Auslieferung wurde bisher noch keine beantragt."

Deutscher im März in der Stadt Salzburg festgenommen

Der Deutsche wurde am 14. März aufgrund eines europäischen Haftbefehls in der Stadt Salzburg festgenommen. Nachdem die Behörden eine beglaubigte Abschrift der Sterbeurkunde vom Standesamt Marburg verlangt hatten, war die Fälschung aufgeflogen. Vor seiner U-Haft war er arbeitslos. Heute beteuerte der in Österreich bisher unbescholtene Mann, er wolle den Schaden wiedergutmachen und seine Schulden tilgen. Hilfe erhofft er sich von Freunden und der Schuldnerberatung. Außerdem möchte er sich nach seiner Haftentlassung einer Therapie unterziehen. "Ansätze eines positiven Charakters sind vorhanden", sagte der Verteidiger. (APA)
(Quelle: S24)

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