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Ein Ort trauert

Große Anteilnahme nach Doppelmord in Wals

Was wir bisher wissen

Neue Details gab die Polizei am Freitag zum Doppelmord in Wals-Siezenheim (Flachgau) bekannt, der sich am späten Mittwochabend ereignete. Die Trauer im Ort ist indes groß. Viele legten Blumen und Kerzen vor dem Haus der Ermordeten nieder.

Trauer um Walser Mordopfer

Wals-Siezenheim

Der Schock in der Gemeinde Wals-Siezenheim sitzt auch drei Tage nach dem Doppelmord noch sehr tief. Kerzen und Blumen vor der Eingangstüre sollen an die Verstorbenen erinnern.

Doppelmord in Wals-Siezenheim FMT-Pictures/MW
Der Tatort des Doppelmordes in Wals-Siezenheim.

„Ein schwarzer Tag für Wals-Siezenheim“

Joachim Maislinger (ÖVP), Bürgermeister von Wals-Siezenheim (Flachgau), ist aufgrund des zweifachen Frauenmordes in seiner Gemeinde erschüttert. Im Gespräch mit SALZBURG24 schildert er nur wenige …

Erkenntnisse zur Tat

Bereits vor einigen Monaten hätten sich sowohl der Beschuldigte, als auch dessen Ex-Partnerin und deren Bruder an die Beamten gewandt. Beide Frauen wurden mit insgesamt zehn Schüssen getötet.

Die bisherigen Ermittlungen des Landeskriminalamtes Salzburg ergaben, dass der 51-jährige österreichische Beschuldigte am späten Mittwochabend in der Gemeinde Wals-Siezenheim die 76-jährige Mutter seiner ehemaligen Lebensgefährtin durch drei Schüsse getötet hat. Bei seiner ehemaligen Lebensgefährtin waren es sieben Schüsse. Nachdem er gegen 23.30 Uhr zum Haus der 50-Jährigen gefahren war, kam es dort zu einem vorerst verbalen Streitgespräch mit der 76-Jährigen.

Da diese ihn laut Polizei in weiterer Folge körperlich attackiert haben soll, zog er seine Faustfeuerwaffe und schoss damit aus kurzer Distanz auf die Frau. Danach gab er, aus ihm unerklärlichen Gründen, die Schüsse auf seine ehemalige Lebensgefährtin ab.

Mann flieht nach Doppelmord aus Wals-Siezenheim 

Nach der Tat flüchtete er und fuhr mit seinem Pkw auf direktem Weg zum Wolfgangsee. Von dort führte er mehrstündige Gespräche mit Angehörigen und der Polizei, wobei er den Ablauf der Tat schilderte und einen Suizid ankündigte.

Polizei nimmt Verdächtigen fest

Den Polizisten gelang es in diesen Gesprächen, ihn zu lokalisieren und von seinen Suizidabsichten abzubringen, sodass er Donnerstagmorgen von Kräften des Einsatzkommandos Cobra widerstandlos festgenommen werden konnte. Die beiden mitgeführten Faustfeuerwaffen wurden sichergestellt.

War Verdächtiger Stalker?

Medienberichten zufolge soll es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Bruder der getöteten 50-Jährigen und dem Verdächtigen gekommen sein, weil sich der Bruder gegen die Beziehung der beiden ausgesprochen habe. Weiters soll der Beschuldigte die Frau gestalkt haben.

Bruder des Opfers gegen Beziehung

Bei der Staatsanwaltschaft liegt dazu ein Akt auf. Demnach hat der nunmehrige Tatverdächtige Ende Dezember 2020 auf der Polizeiinspektion Wals Anzeige erstattet, wie Staatsanwaltschaftssprecherin Elena Haslinger am Freitag auf APA-Anfrage bestätigte. Der Mann gab an, dass sich der Bruder der 50-Jährigen aggressiv gegen ihn verhalte, weil dieser und seine Mutter gegen die Beziehung zwischen ihm und der Schwester seien. Er befürchte eine Auseinandersetzung, habe der 51-Jährige gegenüber der Polizei angegeben. Der Inhalt der Anzeige habe aber keinen strafrechtlich relevanten Tatbestand erfüllt, sagte Haslinger. Seitens der Polizeiinspektion sei mit den Beteiligten gesprochen worden, um den Sachverhalt zu klären.

Anzeige gegen Detektiv im Jänner

Am 19. Jänner 2021 seien dann der Bruder der 50-Jährigen und die Frau selbst auf die Polizeiinspektion gekommen, um Anzeige wegen beharrlicher Verfolgung (Stalking, Anm.) gegen den 51-Jährigen zu erstatten. Die beiden legten laut der Sprecherin einen Schriftverkehr mit E-Mails und Screenshots von WhatsApp-Nachrichten vor.

Die Durchsicht des Schriftverkehrs habe ergeben, dass der 51-Jährige und die 50-Jährige "hin und her" geschrieben haben, erläuterte Haslinger. Die Frau habe geantwortet, auch inhaltlich. Aus den Nachrichten lasse sich entnehmen, dass sie dem Mann auch wohlgesonnen war. Es habe sich nicht um eine einseitige Kontaktaufnahme seitens des 51-Jährigen gehandelt, sondern es sei eine wechselseitige Kontaktaufnahme gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaftssprecherin.

Situation schien geklärt

Aufgrund der Anzeigenerstattung versuchte die Polizei, den Fall an Ort und Stelle bei einem Gespräch mit den Beteiligten zu klären, wie Haslinger erklärte. Der Beschuldigte sei angerufen und per Lautsprecher zugeschaltet worden. Die 50-Jährige habe angegeben, dass sie die Beziehung mit dem Beschuldigten ruhend lassen will. Der Mann habe sich damit einverstanden gezeigt und erklärt, er werde sich von der Frau und ihrem Bruder fernhalten. Alle Gesprächsbeteiligten hätten erklärt, von einer (weiteren) Anzeige Abstand zu nehmen.

Staatsanwaltschaft prüfte Nachrichten

Die Polizeiinspektion Wals übermittelte daraufhin einen Bericht an die Staatsanwaltschaft Salzburg, samt dem E-Mail-Verkehr und den WhatsApp-Nachrichten. Der zuständige Sachbearbeiter der Staatsanwaltschaft sei nach Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass es keinen Anfangsverdacht für ein strafrechtlich relevantes Verhalten gebe, auch nicht in Bezug auf eine beharrliche Verfolgung, da keine einseitige Kontaktaufnahme vorgelegen sei, sagte Haslinger.

Kein Anfangsverdacht für Ermittlungen

Am 27. Jänner habe der zuständige Sachbearbeiter der Staatsanwaltschaft verfügt, dass von der Einleitung einer Ermittlungsaufnahme abgesehen werde, "weil kein Anfangsverdacht vorliegt", so die Sprecherin. Sowohl der Bruder der 50-Jährigen als auch der 51-Jährige seien darüber verständigt worden. Seither seien keine weiteren Eingaben im Akt erfolgt.

Intensität der Beziehung noch unklar

Wie intensiv die Beziehung zwischen dem Beschuldigten und dem Opfer war und ob diese etwa noch bis zur Tötung der Frau bestanden hat, wird derzeit ermittelt. Die Polizei geht davon aus, dass es zwischen dem Tatverdächtigen und der 50-Jährigen einmal eine Beziehung gegeben hat, wie Polizei-Sprecher Hans Wolfgruber am Freitag zur APA sagte. Der Detektiv habe erklärt, dass die Beziehung bis zur Tat aufrecht gewesen sei.

Obduktion bestätigt Todesursache

Die Staatsanwaltschaft Salzburg ordnete die Obduktion der Leichen und die richterlich bewilligte Festnahme des Beschuldigten an. Bei den Obduktionen, welche noch am Donnerstag vorgenommen wurden, stellten die Gerichtsmediziner die Schussverletzungen als Todesursachen fest.

51-Jähriger geständig

Ob die Opfer mit Schüssen in den Kopf getötet wurden, haben bisher weder Staatsanwaltschaft noch Polizei bestätigt. Der Tatverdächtige wird heute in die Justizanstalt Salzburg überstellt. Die Staatsanwaltschaft Salzburg werde heute am Nachmittag einen Antrag auf Verhängung der Untersuchungshaft über den Beschuldigten bei Gericht einbringen, kündigte Haslinger an. Der 51-jährige Beschuldigte habe sich bei seiner Vernehmung grundsätzlich geständig gezeigt. Er war rechtmäßig im Besitz der beiden Faustfeuerwaffen und in Ausübung seiner Tätigkeit als Detektiv zum Führen der Waffen berechtigt. Der 51-jährige Beschuldigte galt, trotz zahlreicher, zumeist seiner beruflichen Tätigkeit geschuldeter polizeilicher Amtshandlungen, gerichtlich als unbescholten.

Getötete Tante und Cousine von Stefan Mross

Wie mehrere Medien unterdessen übereinstimmend berichteten, soll es sich bei den beiden Toten um Verwandte des Schlager-Stars Stefan Mross handeln. Laut rtl.de waren die beiden Opfer Tante und Cousine von Mross.

Tante und Cousine von Stefan Mross getötet APA/dpa/Patrick Seeger
Bei den ermordeten Frauen soll es sich um die Cousine und Tante von Schlager-Star Stefan Mross handeln. (ARCHIVBILD)
(Quelle: SALZBURG24)

Soll das Waffengesetz geändert werden?

Pistole, Waffe, Schusswaffe, SB APA/Robert Jäger
(SYMBOLBILD)

Zuletzt seien bei Bluttaten in Österreich deutlich mehr Schusswaffen in Verwendung gewesen als früher, das sei ein gefährlicher Trend, sagte Birgitt Haller vom Institut für Konfliktforschung im Ö1-Morgenjournal. Sie fordert Änderungen im Waffengesetz. Wie seht ihr das?

2021 wurden bereits elf Frauen von (Ex-)Partnern getötet. In drei Fällen mit insgesamt vier Todesopfern verwendeten die Täter Schusswaffen, geht aus einer APA-Zählung hervor.

Je mehr Menschen eine Schusswaffe besitzen, desto mehr Morde gebe es, verwies Haller im ORF auf eine Studie zu Beziehungsmorden, die sie schon vor zehn Jahren erstellt hat. Damals seien die Zahlen in Österreich viel niedriger als heute gewesen, anders als etwa in der von Größe und Einwohnerzahl her vergleichbaren Schweiz. "In der Schweiz gab es wesentlich mehr Beziehungsmorde vor zehn Jahren, was durchaus damit zusammenhängt, dass in der Schweiz jeder Staatsbürger seine Schusswaffe zu Hause hat, weil er ja jederzeit zu den Waffen gerufen werden kann. Das war ganz klar erkennbar, dass die höhere Mordrate damals im Vergleich zu Österreich mit dieser leichten Zugänglichkeit zu Schusswaffen zusammenhängt."

 

Schusswaffenverkauf legte zu

Der Schusswaffenverkauf in Österreich hat seit 2015 und dann noch einmal mit Beginn der Coronakrise zugelegt. "Das war Thema, dass alle möglichen Einrichtungen (während der Lockdowns, Anm.) geschlossen waren und ausgerechnet die Waffengeschäfte offen waren. Aber um einen Trend festzustellen, ist es eindeutig noch zu früh. Da braucht man mehr Informationen darüber", konnte die Forscherin die jüngste Entwicklung noch nicht beurteilen.

Elf Frauen in 18 Wochen ermordet

Im Jänner erschoss ein 64-Jähriger in der Steiermark seine 61-jährige Ehefrau. Vergangene Woche starb in Wien eine 35-Jährige durch Schüsse, abgefeuert von ihrem Ex-Partner. Und erst diese Woche erschoss ein 51-Jähriger in Salzburg seine ehemalige Partnerin und deren Mutter. Bei den anderen Fällen seit Jahresbeginn verwendeten die Täter in fünf Fällen Messer, in einem weiteren ein Maurerfäustel, eine Frau wurde niedergeschlagen, gewürgt und angezündet.

HIER findet ihr eine Chronologie der Bluttaten

"Schusswaffen haben für den Täter - in Anführungszeichen - den 'Vorteil', dass er auf Distanz zum Opfer bleibt. Wenn jemand bei einem Mordversuch, bei einer Verletzung ein Messer verwendet, gibt es sofort eine körperliche Nähe zu der Person. Das ist offenkundig durchaus eine Hemmschwelle, über die man erst drüber kommen muss", analysierte Haller. Noch höher sei die Hemmschwelle beim Erwürgen. Solche Täter seien besonders gefährlich. Deshalb seien Versuche, die Partnerin zu erwürgen, "Hochrisiko-Indikatoren, weil das wirklich ein direkter körperlicher Angriff ist".

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