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Eddie Gustafsson im Sonntags-Talk: "Krampusläufe waren beim ersten Mal total komisch"

Kaum ein Spieler vom FC Red Bull Salzburg versprühte in den vergangenen Jahren so viel Charisma wie Torhüter Eddie Gustafsson. Im Sonntags-Talk haben wir uns mit dem 40 Jahre alten Schweden über die Geheimnisse des starken Bullen-Nachwuchs, seine eigene Trainer-Zukunft und Krampus- sowie die Weihnachtszeit in Salzburg unterhalten.

Nach seinem Karriereende begann Gustaffson nahtlos mit der Nachwuchsarbeit in der in der Fußball-Akademie von Red Bull in Liefering. Dort kümmert er sich um die U18-Mannschaft sowie die Goalies des Youth-League-Teams. Mit seiner Freundin und Tochter lebt er unlängst in Seekirchen am Wallersee (Flachgau).

SALZBURG24: Im letzten Sommer haben erneut Leistungsträger den Verein verlassen und schon wieder wurde die Champions League verpasst. Doch was ist heuer dennoch anders unter Marco Rose?

EDDIE GUSTAFSSON: Die Mannschaft ist sehr jung und ich finde es gut, dass wir im Sommer keinen neuen Trainer eingekauft haben. Marco kennt den Verein, die Verbindung zwischen Nachwuchs und erster Mannschaft wurde dadurch noch mehr verstärkt.

Was macht er anders?

Ich habe selbst lange mit ihm zusammengearbeitet. Marco hat eine sehr direkte Art und weiß genau, wie er Fußball spielen will. Er bringt die Salzburger Spielphilosophie mit mehr Druck und Schwung im Spiel weiter. Im Vergleich zu Oscar Garcia (Ex-Trainer, Anm.) hat er eine ganz andere Persönlichkeit.

Wer war denn dein bester Trainer?

(überlegt) Nummer eins ist Roger Schmidt für mich – nicht nur wegen seines Könnens als Trainer, sondern weil es menschlich einfach gepasst hat. Er ging persönlich auf jeden Spieler ein und konnte mit jedem. Das ist die Voraussetzung für ein erfolgreiches Team. Stole Solbakken war auch ganz nah an den Spielern dran.

Huub Stevens eher 'oldschool': Er war nie so eng mit Spielern, seine Co-Trainer kümmerten sich darum. Er ließ über mich als Mannschaftskapitän Nachrichten an die Spieler ausrichten – das war schon okay, aber auch manchmal schwierig für mich, weil man zwischen beiden Seiten steht. Trotzdem waren wir erfolgreich unter Stevens.

Gustafsson wurde mit Salzburg vier Mal Meister und zwei Mal Cupsieger. Hier im Bild mit Ex-Trainer Roger Schmidt. /Red Bull / GEPA Salzburg24
Gustafsson wurde mit Salzburg vier Mal Meister und zwei Mal Cupsieger. Hier im Bild mit Ex-Trainer Roger Schmidt. /Red Bull / GEPA

Was konntest du dir selbst abschauen?

Vor allem die menschliche Seite, denn in einer Fußballmannschaft sind so viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Du musst als Trainer verstehen können, warum es bei einem Spieler vielleicht mal nicht so rund läuft und auch mit ihm vernünftig darüber reden können.

Was sind deine Aufgaben in der Akademie?

Ich bilde die jungen Torhüter gemeinsam mit Sascha Marth aus und entwickle sie weiter. Ich freue mich jeden Tag darauf, den Jungs beim Erwachsenwerden zuzuschauen. Das macht mir irrsinnig viel Spaß.

Was zeichnet deinen Arbeitsplatz aus?

Es ist sehr modern und wir haben in unserer Akademie alles, was wir wollen. Wir sind schon ein bisschen verwöhnt und das muss man auch gebührend schätzen.

Was können eigentlich Eishockeyspieler von Fußballern lernen?

Die Fußballer laufen nicht so oft mit einem Kapperl am Kopf herum. Ich wurde noch so erzogen, dass man die im Haus immer absetzt – in meiner Mannschaft gibt’s das auch nicht.

Gibt es sonst Strafen?

Nein. Die Jungs wissen schon, was sie besser nicht bei mir machen sollten (lacht).

Was macht Salzburgs Fußball-Nachwuchs überhaupt so stark?

In der letzten Saison hatten wir viele Talente und das Team hat bestens zusammengepasst. Die Spieler haben auch das Vertrauen von uns Trainern gespürt. Alle waren heiß auf den Titel, nach den ersten Siegen in der Youth League haben sie gemerkt, dass da noch mehr gehen kann. Die Jungs waren richtig geil auf jedes Spiel und haben sich beinhart durchgesetzt. In der Kabine herrschte immer volle Konzentration. Mit dem richtigen Willen kannst du im Sport vieles erreichen, nicht nur Talent zählt.

Kann man als Titelverteidiger heuer nur verlieren?

Nein, das glaube ich nicht. Eines muss man verstehen: Wir sind keine Mannschaft, die tagtäglich miteinander trainiert – in der Akademie werden die Kicker ausgebildet und machen den Schritt in den Profibereich beim FC Liefering. Wir spielen zwar nach der gleichen Idee, trotzdem gibt es immer neue Spieler und Trainer – jedes Jahr ist quasi Generationswechsel. Für eine erfolgreiche Titelverteidigung müssen viele Faktoren zusammenpassen.

Was sind die besonderen Herausforderungen in der Arbeit mit Jugendlichen?

Die Jungs werden immer älter, kommen in die Pubertät und müssen in die Schule. Das Training ist deswegen nicht immer leicht zu planen. Wir haben als Trainer ja auch einen Erziehungsauftrag, das ist für mich der größte Unterschied zwischen dem Nachwuchs- und Erwachsenenfußball.

Was kannst du den jungen Spielern auf ihren Weg mitgeben?

Ich glaube schon, dass ich etwas in den Köpfen bewegen kann. Die Jungs wissen, dass ich selbst bis vor kurzem auf hohen Niveau gespielt habe. Sie hören mir aufmerksam zu, wenn ihnen Situationen aus meinem eigenen Fußballerleben erzähle und Ratschläge geben kann. Das kann ihnen auf ihrem Weg sicher weiterhelfen.

Stehen deine beide Söhnen eigentlich auch mal im Tor?

William (12) spielt wie ich als Jugendlicher Floorball im Tor und er hat ein Talent dafür. Ihm taugt es voll. Quincy (11) ist Feldspieler beim Floorball und ist Fußballtorhüter. Er will dort nur im Tor stehen (lacht).

Siehst du deine eigene Trainerkarriere ausschließlich im Nachwuchsbereich?

Das halte ich mir noch offen, weil ich selbst noch viel zu lernen habe und es Spaß macht mit den Jungs zu arbeiten. Ich erlebe ihren Entwicklungsprozess hautnah mit, das gibt es nicht im Profibereich. Dort geht es eigentlich nur um Leistung und man schaut kurzfristig von Spiel zu Spiel.

Mit deiner Familie wohnst du seit 2011 in Seekirchen. Was sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum Leben in Schweden?

In Österreich und Schweden ist es kalt (lacht). Das Essen ist schon anders. Stockholm ist eine multikulturelle Großstadt und dort gibt es kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt. Das ist vielleicht in Wien so, aber leider nicht in Salzburg. Aber ich bin Genießer und stehe auf die österreichische Küche. Meine Freundin kommt aus einer traditionellen Familie und deshalb habe ich bereits viele Wirtshäuser besucht (lacht).

Was ist deine Lieblingsspeise?

Die Nachspeise ist einfach, das ist Kaiserschmarrn – da habe ich einiges durchprobiert in Salzburg. Hauptspeisen gibt es so viele verschiedene, ich kann mich gar nicht entscheiden. Schweinsbraten ist auf jeden Fall immer drin. Als Beilage mache ich zum Beispiel gern Serviettenknödel. Aber ich esse fast alles. Es gibt kaum etwas, das mir nicht schmeckt.

An welchen Orten kannst du dich am besten entspannen?

Am Wallersee fühle ich mich daheim und Seekirchen ist einfach toll. Auch St. Gilgen ist traumhaft. Überhaupt ist die Landschaft in Österreich mit ihren Bergen und Seen wunderschön, besonders im Burgenland oder Waldviertel. Es gibt so viel anzuschauen.

Und wie stehst du eigentlich zu Krampus- und Perchtenläufen?

Beim ersten Mal fand ich das total komisch. Ich habe mich gefragt, was das überhaupt soll. Mittlerweile finde ich es gut, weil ich es bei meinen eigenen Kindern anwende und danach waren sie sehr brav (lacht). Es ist Tradition hier und es gefällt mir. Außerdem ist die Krampuszeit im Advent wunderschön anzuschauen. In Schweden haben wir davon viel weniger und die Zeiträume sind kürzer: Die großen Brauchtumsveranstaltungen sind der Mittsommer und das große Maifeuer.

Wie habt ihr Weihnachten in Schweden gefeiert und was macht ihr heuer in Seekirchen?

In Schweden richten die Restaurants traditionell Weihnachtstische ein. Es gibt Fisch und natürlich Köttbullar – das gehört einfach dazu. Ein Familienmitglied geht am Heiligen Abend ganz zufällig Zeitung kaufen und kommt ein wenig später verkleidet mit einer Laterne und einem Sack voll Geschenke als St. Nikolaus wieder. Heuer feiern wir ganz traditionell Weihnachten mit der Familie in unserem Haus in Seekirchen.

Und in Schweden habt ihr sicher weiße Weihnachten.

Naja, die globale Klimaerwärmung macht dem ein Strich durch die Rechnung. Es ist Jahre her, dass ich an Weihnachten in Schweden tatsächlich Schnee gesehen habe. Wenn es an Heiligabend oder Silvester schneit, gibt es in vielen Geschäften sogar Preisnachlässe.  

Was wünschst du dir zu Weihnachten?

Das ganz normale Klischee: Ich wünsche mir, dass meine Familie gesund bleibt und alle Menschen in meiner Umgebung glücklich werden. Dann bin ich auch zufrieden und habe keine Beschwerden. So fühle ich mich wohl und bin im Reinen mit mir selbst und gegenüber jedem anderen auch. Dann ist das Leben schön und das ist das einzige, was ich brauche.

Danke für das Interview, Eddie.

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

Aufgerufen am 11.12.2018 um 05:18 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/eddie-gustafsson-im-sonntags-talk-krampuslaeufe-waren-beim-ersten-mal-total-komisch-57369637

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