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"Feindbild Lkw": So wollen Salzburgs Trucker die Straßen sicherer machen

„Feindbild Lkw“, „rollende Zeitbombe“ oder „Gefährder der Öffentlichkeit“ – das alles sind Ausdrücke, die dem Berufskraftfahrer Christian Ebner vom Verein „Transporter - working with style“ sauer aufstoßen. Dem 39-Jährigen liegt das Miteinander zwischen Lkw-Lenkern und den anderen Verkehrsteilnehmern ganz besonders am Herzen. Sein erklärtes Ziel: Die Straßen sicherer zu machen. Bei unserem Interview-Termin setzte er mich kurzerhand hinter das Steuer eines 40-Tonners (mit Fahrlehrer, versteht sich). Auf Angstschweiß folgte absolute Konzentration und zum Schluss die Erleichterung, das fast 19 Meter lange Gefährt nach gut 20 Kilometern auf der B156, gefühlten zehn Kreisverkehren, einer Baustelle und der bekannten Stadlerkurve unfallfrei wieder abstellen zu können. Die genervten Autofahrer hinter mir waren wohl auch ganz froh darüber.

Die Tour startete auf einem Parkplatz nördlich von Lamprechtshausen (Flachgau). Dort wartete Helmut Sigl von der Fahrschule Safari mit seinem 40-Tonnen-Fahrschul-Lkw. Nach einer kurzen Einweisung in die Künste des Lkw-Fahrens kletterte ich auch schon in die 3,60 Meter hohe Fahrerkabine, direkt hinter das Lenkrad. Wir starteten.

Ebner Salzburg24
Ebner

"Was ein Lkw-Fahrer nicht sieht, darauf kann er auch nicht reagieren"

Die Sicht von da oben und das Fahrgefühl sind toll, auch wenn ich das nicht wirklich genießen konnte. Denn neben der Straße vor mir hatte ich auch die sechs Spiegel im Blick zu halten. „Wenn es zu Unfällen kommt, ist es meistens so, dass der Lkw-Fahrer etwas nicht sieht“, erklärte mir Christian Ebner, der neben meinem Fahrlehrer saß und selbst schon rund zwei Millionen Kilometer als Lkw-Fahrer auf dem Buckel hat. „Was ein Lkw-Fahrer nicht sieht, darauf kann er auch nicht reagieren. Daher sollten Fußgänger, Radfahrer oder Biker ganz besonders darauf achten, dass sie nicht im toten Winkel sind. Die Regel: Wenn ich den Lkw-Fahrer sehe, dann sieht er mich.“

Geduld der Pkw-Lenker auf dem Prüfstand

Eine weitere Herausforderung: 16 Gänge. Sigl, der seit 1993 Lkw-Lenker aus- und weiterbildet, gab mir ruhige aber klare Anweisungen, das tonnenschwere Gefährt kam mehr und mehr ins Rollen. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 bis 60 km/h schlich ich die nächsten Minuten über die B156 und versuchte, so gut es ging, die Spur zu halten und keine Verkehrstafeln zu touchieren. Doch es dauerte nicht lange, bis ich in einem der Spiegel die Schlange an Pkw-Lenkern hinter mir bemerkte, die immer länger und länger wurde. Und ich spürte den Ärger und die Ungeduld so mancher in meinem Rücken. Klar, denn es war ja Freitagnachmittag. Ebner fordert von den Pkw-Lenkern, die hinter einem Lkw sind, nicht mehr Geduld, sondern intelligenteres Überholen. „Viele Autofahrer fahren wenige Meter hinter dem Lkw her und warten auf eine Gelegenheit zum Überholen. Dabei haben sie in Wahrheit eine zehn Quadratmeter große Wand vor sich, sehen weder links noch rechts am Lastwagen vorbei“. Schon mit einem Abstand von 50 bis 100  Metern zum Lkw sei die notwendige Sicht wieder gewährleistet und der Überholvorgang wesentlich sicherer. Ebner appelliert aber auch an seine Trucker-Kollegen, wieder mehr auf die Pkw-Fahrer zu achten und beim Überholen zu helfen. „Wenn ich sehe, da will einer vorbei, blinke ich rechts, wenn kein Gegenverkehr kommt. Das tun heute leider nur noch wenige“.

Die Pkw-Lenker hinter mir brauchten viel Geduld./Ebner Salzburg24
Die Pkw-Lenker hinter mir brauchten viel Geduld./Ebner

Ohne Rücksichtnahme anderer Autofahrer keine Chance

Im Gegensatz zu Autobahnen oder Freilandstraßen wird das Fahren eines 40-Tonners in der Stadt oder einem Ortskern besonders prickelnd. „Du hast eine Breite von 2,50 Meter und den Radius, diesen Platz musst du dir leider oft erkämpfen.“ Und das durfte ich nach meinen ersten fünf Kilometern hinter einem Lkw-Steuer am eigenen Leib erfahren. Nämlich im Ortszentrum von Lamprechtshausen: Die Stadlerkurve. „Die hat’s in sich“, sagte Sigl wenige Meter davor. Ja, das merke  ich gerade selbst, dachte ich mir. Sigl leitete mich an, Schritt für Schritt, denn das fast 19 Meter lange Gefährt musste, um die Kurve zu schaffen, auf die gegenüberliegende Fahrbahn gelenkt werden. Das konnte aber erst dann passieren, wenn ein Autofahrer Umsicht zeigte und stehen blieb. Nachdem die ersten noch schnell vorbeifuhren, blieb ein Lieferwagen stehen und glücklicherweise so weit hinten, dass wirklich nichts passieren konnte. An diese Stelle: Danke an den Fahrer des weißen Lieferwagens! Die Kurve war geschafft. Und es ging weiter.

Sicherheitstipps für den Straßenverkehr

Mit dem Ziel, die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen und die Risiken zu minimieren, hat Christian Ebner folgende Tipps für ALLE Verkehrsteilnehmer:

  • Auffahrunfälle vermeiden: Lkw nicht zu knapp auffahren – ein Abstand von 50 Metern sind ideal. „Ein Lkw kommt bei einer Vollbremsung schneller zum Stillstand als viele glauben.“
  • Intelligent überholen: Mindestens 50 Meter Abstand zum Lkw, so bleibt die Sicht frei und man kann ohne Gefahren überholen.
  • Lkw-Lenker können mithelfen: Da sie in 3,60 Metern Höhe viel mehr sehen als die Autofahrer, können sie beim Überholen mithelfen und rechts blinken, wenn die Straße frei von Gegenverkehr ist.
  • Bei Baustellen: Am besten nicht überholen, Baustelle abwarten und versetzt fahren.
  • In der Stadt oder im Ort: Vor allem Fußgänger und Zweiradfahrer sollten darauf achten, nicht im toten Winkel des Lkw-Fahrers zu stehen. Regel: Wenn du den Lkw-Lenker siehst, sieht er auch dich.
  • Die gute Tat des Tages: Einem Lkw-Lenker Platz machen.

Der Verein „Transporter – working with style“ veranstaltet am Samstag, 30. September einen Verkehrssicherheitstag im benachbarten St. Pantaleon (Bezirk Braunau) in Oberösterreich. Dort hat übrigens jeder Erwachsene die Möglichkeit, sich selbst als Trucker zu versuchen.

(Quelle: S24)

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