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Hausbesitzer und Freunde schlagen Dieb in Oberndorf: Freispruch

Der Hausbesitzer und Freunde wurden beschuldigt, zu brutal gegen den Dieb vorgegangen zu sein. Neumayr/MMV
Der Hausbesitzer und Freunde wurden beschuldigt, zu brutal gegen den Dieb vorgegangen zu sein.

Fünf Einheimische wurden beschuldigt, einen Bierdieb in Oberndorf (Flachgau) geschlagen und festgehalten zu haben. Der 55-Jährige hatte Gerstensaft im Wert von 55 Euro gestohlen, wofür er eine Tracht Prügel bezogen haben soll. Die Oberndorfer wurden am Mittwoch freigesprochen.

Hat ein Besitzer eines Schrebergartenhäuschens in Oberndorf am 9. Mai 2014 bei der Überwältigung eines Bierflaschen-Diebes absichtlich zugeschlagen und ihm die Nase gebrochen, so dass das "Anhalte-Recht" überschritten wurde? Dieser Frage ging am Mittwoch eine Richterin in Salzburg nach. Der 47-jährige Eigentümer der Hütte und vier "Helfer" wurden freigesprochen. Der Dieb erhielt eine Geldstrafe.

Fünf Männer sollen Bierdieb verprügelt haben

Gleich sechs Männer nahmen auf der Anklagebank Platz: Ein 55-jähriger Pensionist, der Bierflaschen im Gesamtwert von 75 Euro aus dem Erdkeller des 47-jährigen Gemeindebediensteten gestohlen haben soll und die Tat bereits vor der Polizei gestanden hat. Neben ihm saß der Bestohlene selbst, weiters sein 17-jähriger Sohn, ein 39-jähriger Kollege des Bestohlenen, ein 36-jähriger Angestellter und ein 50-jähriger Beamter. Sie alle wohnen in Oberndorf, sind unbescholten und beteuerten ihre Unschuld.

Oberndorf: Zu brutal gegen Dieb vorgegangen?

Die Staatsanwaltschaft hatte den 47-Jährigen und seine Helfer wegen vorsätzlicher Körperverletzung "in verabredeter Verbindung" und wegen Nötigung angeklagt. Das Quintett soll sich gemeinsam auf die Lauer gelegt haben, um den Dieb zu stellen. Dass bei der Überwältigung des Täters die Maßnahmen nicht angemessen gewesen wären, wie Staatsanwalt Robert Holzleitner den Oberndorfern zunächst vorwarf, bestritten sie. Zuvor hatte der Hüttenbesitzer eine Wildkamera installiert. Die Qualität der Aufnahme ließ jedoch zu wünschen übrig. Die abgelichtete Person war nicht erkennbar.

Der Diebstahl selbst war unbestritten, auch dass der Pensionist auf frischer Tat von den Oberndorfern ertappt wurde. Uneinigkeit zwischen dem mutmaßlichen Täter und den anderen Beschuldigten herrschte über die Art und Weise, wie der zweimal einschlägig vorbestrafte 55-Jährige überwältigt wurde. Der Pensionist schilderte, er sei stehen geblieben, danach habe man ihn zu Boden gestoßen, dabei sei er auf den Rücken gefallen. Der 47-Jährige habe sich auf seinen Brustkorb gesetzt, ihm mit einer Hand den Mund zu gehalten, so dass er nicht mehr atmen habe können, und ihm mit der Faust fünf bis sechs Mal ins Gesicht geschlagen, während die anderen ihn an den Armen und Beinen festgehalten hätten.

Diebstahl mit Nasenbeinbruch bezahlt

"Ich war ganz schwarz im Gesicht", erzählte der Pensionist, als ihn Richterin Katrin Pernestetter über seine Verletzungen befragte. Er habe einen Nasenbeinbruch, Schwellungen im Gesicht, eine Prellung am rechten Unterschenkel und auch am Arm erlitten. Im Krankenhaus wollte der Mann damals aber nicht bleiben, er unterschrieb einen Revers. Das Bier habe er übrigens deshalb gestohlen, weil er zuhause keines trinken habe dürfe, "ich bin Mohammedaner". Da der türkisch-stämmige Angeklagte offensichtlich Verständigungsprobleme hatte, wurde in einer Verhandlungspause eine Dolmetscherin gerufen, die auch rasch zur Stelle war. Der Österreicher hatte sich in Widersprüche verwickelt. Zuerst erzählte er, der 47-Jährige habe ihm mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Die Dolmetscherin übersetzte dann "mit den Fäusten geschlagen".

„Keine Polizei, ich bezahle“

Ganz anders lauteten die Schilderungen des Wochenendhaus-Besitzers. Als sie den Dieb sahen, habe er geschrien "stehen bleiben, die Polizei kommt schon". Doch der Mann habe geantwortet, "keine Polizei, ich bezahle". Während des Laufens habe er kurz die Hand des Diebes fassen können, dieser sei zu Boden gefallen "und ich bin auf ihn hinten drauf". Er habe den Mann umgedreht, "der hat sich dann gewehrt, er haute herum. Er ist aber von niemandem geschlagen worden. Ich habe ihm auch nicht den Mund zugehalten".

Vier Kisten Bier verschwunden

Sie hätten den Dieb auf dem Boden gehalten, damit er nicht aufstehen und weglaufen konnte, erzählte der 47-Jährige. Nach dem Exerzieren des Schützenvereins und der Maiandacht sei man auf die Idee gekommen, sich auf die Lauer zu legen. "Im Laufe der Zeit fehlten insgesamt vier Kisten Bier." Man hab zuerst den Täter stellen und danach die Polizei informieren wollen. "Warum haben Sie das nicht gleich der Polizei angezeigt", fragte die Richterin den Gemeindebediensteten. "Ich habe zu der Polizei Oberndorf nicht so ein gutes Verhältnis. Ich habe schon mehrmals wegen Vandalismus angerufen. Die sind erst eine halbe Stunden später gekommen und haben dann gesagt: 'Was sollen wir jetzt tun?'"

Fünf Oberndorfer freigesprochen

Schließlich zog der Staatsanwalt den Strafantrag gegen die fünf Oberndorfer (Vertreten durch die Rechtsanwälte Hubertus Bruzek und Christian Kras) zurück. Die Schläge waren nicht nachweisbar, die Verletzungen könnten auch durch den Sturz entstanden sein. Die Maßnahmen der Oberndorfer wurden doch als angemessen bewertet, das Fixieren des Täters sei durch das Anhalte-Recht gedeckt gewesen. Der Pensionist wurde wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 960 Euro verurteilt. Der Schuldspruch ist noch nicht rechtskräftig, weil der 55-Jährige ohne Verteidiger zum Prozess gekommen war.

(APA)

(Quelle: S24)

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