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Schutz für Unfallopfer

Henndorfer Floriani wappnen sich gegen Schaulustige

Gaffer:innen machen Sichtbarrieren notwendig

Sie kommen Unfallstellen zu nahe, schießen Fotos von Verletzten und behindern die Einsatzkräfte: Schaulustige werden bei Verkehrsunfällen in Salzburg immer öfter zum Problem. Die Feuerwehr Henndorf wappnet sich jetzt mit einem mobilen Sichtschutz gegen die Gaffer:innen.

Henndorf am Wallersee

Schaulustige sorgen bei Verkehrsunfällen in Salzburg immer öfter für Unmut bei den Einsatzkräften. Sie sammeln sich um die Unfallstelle, fotografieren Verletzte und Verstorbene und verschicken oder posten die Fotos online. "Manchmal tauchen die Bilder im Netz auf, noch bevor die Angehörigen informiert wurden", schildert Martin Köllersberger, Ortsfeuerwehrkommandant in Henndorf (Flachgau), am heutigen Dienstag im Gespräch mit SALZBURG24. Seine Feuerwache hat deshalb aufgerüstet: Rund 5.000 Euro wurden in einen Sichtschutz investiert, der Unfallopfer in Zukunft von neugierigen Blicken abschirmen soll.

Sichtbarriere in Henndorf schnell aufgebaut

Aufgebaut ist die 20 Meter lange Barriere innerhalb von zwei Minuten. Nur zwei Mann und eine spezielle Luftpumpe sind dafür nötig. Das entlastet auch die Floriani selbst. "Früher mussten wir Decken festhalten", erzählt Köllersberger. Diese zusätzliche Aufgabe habe Zeit und Einsatzkräfte beansprucht. "Außerdem ist es auch für die eigenen Leute gut, wenn sie nicht dauernd neben den Unfallopfern stehen müssen."

Keine Zeit für Konfrontation

Die Gaffer:innen anzusprechen und um mehr Abstand zu bitten sei im Einsatz oft nicht möglich. "In der Erstphase hat man die Zeit einfach nicht", bedauert der Ortsfeuerwehrkommandant. Zudem werde auch viel aus vorbeifahrenden Autos heraus fotografiert, wenn Straßen nicht komplett gesperrt werden.

Gaffen teilweise strafbar

Dabei wäre das Verhalten von Schaulustigen in manchen Fällen sogar strafbar. Denn seit einer Gesetzesnovelle im Jahr 2018 kann die Polizei Gaffer:innen von der Unfallstelle wegweisen, wenn die Privatsphäre von Verletzten missachtet oder Einsatzkräfte behindert werden. Wird einer solchen Abmahnung nicht gefolgt, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 500 Euro gerechnet werden. Bei besonders schweren Umständen ist sogar eine einwöchige Haftstrafe möglich.

 

Immer mehr Schaulustige in Salzburg

Trotz der drohenden Strafen würden die aufdringlichen Schaulustigen aber immer mehr, berichtet Köllersberger. Das habe zuletzt der tödliche Crash auf der B1 demonstriert. Im Rückstau seien bald viele Leute aus den Fahrzeugen ausgestiegen und hätten Fotos gemacht. Auch als im August ein Pkw auf der Alpenstraße in einen Gastgarten krachte, wurde über zahlreiche Gaffer:innen berichtet, die den acht Verletzten und den Einsatzkräften störend nahe gekommen seien.

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Wo mobiler Sichtschutz im Einsatz ist

Überall dort, wo viele Unfälle passieren, findet der Ortsfeuerwehrkommandant einen Sichtschutz deshalb wichtig. "Das ist aber natürlich auch eine Kostenfrage", betont er. Die mobilen Barrieren kosten immerhin zwischen 500 und 5.000 Euro. Neben seiner Wache haben sich auch die Floriani in Neukirchen (Pinzgau) und Schwarzach (Pongau) einen Sichtschutz zugelegt. In der Stadt Salzburg sind die Barrieren schon länger im Einsatz. Bleibt zu hoffen, dass die Aufdringlichkeit vieler Schaulustiger bald nachlässt und nicht noch weitere Feuerwehren aufrüsten müssen.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 26.09.2022 um 02:20 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/henndorfer-floriani-wappnen-sich-gegen-schaulustige-126654136

Kommentare

Mr.M

Traurig genug, das man solche Maßnahmen setzen muss Aber auch hier kann ganz einfach entgegengewirkt werden. Jeder GafferIn wird mit 500 Euro bestraft, die Einnahmen kommen Feuerwehr/Rettung zugute

Fips

Traurig und schlimm, wenn man solche Massnahmen setzten muss, weil sogar noch fotografiert wird

Mozart

Da ist in der Erziehung der Eltern so einiges schief gegangen…

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