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Herzens-Schamane Johannes Geisler im Sonntags-Talk: "Ich habe gern die Süße des Lebens"

Geisler ist ausgebildeter Herzens-Schamane. Johannes Geisler/SALZBURG24
Geisler ist ausgebildeter Herzens-Schamane.

Johannes Geisler war ein erfolgreicher Geschäftsmann und hat dennoch 2007 seine Karriere hinter sich gelassen und ließ sich zum Schamanen und Lebensberater ausbilden. Immer mehr Menschen versuchen im Schamanismus einen alternativen Weg zur schnelllebigen Gesellschaft zu finden. Wir haben uns mit dem 54-Jährigen aus Mattsee (Flachgau) getroffen und vieles über seinen Weg und auch die Arbeit eines Schamanen erfahren.

Schamanismus ist eine alte Naturreligion. Sie geht davon aus, dass alles, was in der Natur vorkommt, beseelt ist und fühlt. Mutter Erde und Vater Sonne werden bei Anhängern des Schamanismus besonders verehrt, so auch von Geisler.

SALZBURG 24: Wie hast du eigentlich deinen Weg zum Schamanismus gefunden?

JOHANNES GEISLER: Ich war lange in einem anderen Berufsfeld tätig, war sehr erfolgreich und habe mich ausgetobt. Ich habe aber schon immer gespürt: Das ist es nicht. Damals habe ich Tag und Nacht gearbeitet und mir immer wieder gedacht, die können mir immer noch mehr Geld geben, aber was mache ich damit?

Die Erfolge in der Wirtschaft sind so schnell verpufft und ich habe so viele utopische Geschichten erlebt. Alles musste immer schneller und schneller gehen. Die Ziele wurden von einem Jahr auf das nächste höher gesteckt und irgendwann habe ich gesehen, dass das alles nichts wert ist, obwohl ich gut verdiene.

Ich bin dann heimlich auf Heilertage gefahren und habe mir Vorträge und Workshops angesehen. Hatte aber immer Angst davor, dort gesehen zu werden, ich habe mich vor den Reaktionen gefürchtet. Die Leute hätten ja denken können: ‚Was macht denn der da? Ist der nicht ganz dicht in der Schüssel?‘

Seit 2014 bin ich nun hauptberuflich mit meiner Praxis „Herzens-Schamane und Lebensberatung mit Herz & Seele“ in Mattsee tätig, davor einige Jahre als Nebenjob.

Auf vielen Menschen lastet ein enormer Druck. Hast du eine Erklärung dafür?

Kinder werden von kleinauf zugemüllt. Es gibt eigentlich keine direkte Kommunikation mehr. Jugendliche sitzen mit ihren Handys in den öffentlichen Verkehrsmitteln und schauen nur noch in ihr Kastel hinein – niemand redet mehr miteinander.

Die heutige Gesellschaft macht uns leer und viele haben den Sinn des Lebens verloren und bekommen ganz klassisch ein Burnout, das ist nicht lustig. Wenn viel Traurigkeit in einem ist, findet man in der Natur sehr schnell wieder den Zugang, denn schon alleine das ist heilend. Man sollte sich aber im Klaren sein, dass es die Gesellschaft immer anders sehen wird. Es geht darum, dass man sich auf sich selbst rückbesinnt.

Was machst du bei deiner Arbeit genau?

Das ist schwer zu sagen, weil meine Arbeit immer von dem jeweiligen Menschen abhängt, der meine Hilfe in Anspruch nimmt. Das einfachste ist eine Aura- und Chakrenreinigung, dabei wird das Energiesystem gereinigt. Wenn in den Energiezentren etwas verstopft ist und die Energie nicht mehr fließen kann, dann merkt man das nach gewisser Zeit und bekommt Wehwehchen. Führt man allerdings regelmäßig eine Reinigung durch, kann das nicht passieren. Das sieht man auch gut in Ländern, wie etwa der Mongolei. Außer in der Hauptstadt gibt es dort keine Ärzte. Und bei den Nomaden wird alles von den Schamanen erledigt. Es gibt eine Vielzahl von Methoden zur Reinigung und Energetisierung.

Ich mache aber auch energetische Reinigungen von Häusern und Wohnungen, denn die Menschen spüren immer besser, wenn da etwas da ist, was ein Unwohlsein in ihnen hervorruft. Ein Beispiel dafür sind verstorbene Seelen, die noch nicht gut auf ihren Tod vorbereitet waren. Vor allem Kinder sind da sehr sensitiv. Bis zu einem Alter von etwa drei Jahren können sie Spirits sehen, wir kennen sie als imaginäre Freunde. Dabei muss man nur darauf achten, ob sie gut oder schlecht sind und einem Kind schaden könnten.

Was machst du, wenn dich jemand nicht ernst nimmt?

Heute ist mir das vollkommen egal, denn ich weiß, was ich mache und wenn jemand ein Problem damit hat, dann ist es seines und nicht meines. Ich sehe das vollkommen gelassen und sage auch jedem, was ich mache. Zu Beginn war das natürlich nicht so, da habe ich immer überlegt, wem ich es sagen kann und wem nicht. Bisher habe ich noch niemanden getroffen, der meine Arbeit ins Lächerliche zieht. Es gibt aber sicherlich welche, die hinter meinem Rücken reden. Natürlich kommt es darauf an, wie man auftritt und da ist mein alter Beruf sehr hilfreich. Manchen Kollegen passiert es aber schon, dass sie wegen ihres Auftretens in eine Ecke gestellt werden.

Bemerkst du einen Boom beim Schamanismus?

Nicht nur beim Schamanismus. Es gibt generell eine Richtung, die zur Spiritualiät tendiert. Immer mehr Leute suchen einen Sinn. Manche finden ihn in den klassischen Religionen. Für mich ist die Weltreligion der Zukunft aber die Spiritualität. Religionen haben aus meiner Sicht einen großen Nachteil: Sie sind sehr beengend. Es sollte im Grunde darum gehen, dass man etwas spürt und dazu brauchen wir die Kirche nicht.

Einen besonders starken Zustrom bemerke ich bei schamanischen Zeremonien. Letzten Sommer habe ich etliche Hochzeiten und Taufen gemacht, aber auch schamanische Verabschiedungen, sprich Begräbnisse.

Naturhochzeiten und -taufen, wie sie auch genannt werden, finden immer im Freien statt. Bei den Verabschiedungen gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen am Untersberg oder in Maria Plain, hier gibt es Pax Natura, eine Naturbestattung. Hierbei wird im Zuge einer schamanischen Verabschiedung die Urne der Erde übergeben. Nach einer Verabschiedung in der Natur kann sie aber auch auf einen klassischen Friedhof gestellt werden. Es geht darum, dass die Menschen wieder bewusster leben. Der Tod ist im Grunde nur eine Illusion, wir verlassen unser Fahrzeug, machen eine Pause und suchen ein neues Fahrzeug.

Immer mehr Menschen geben sich bei einer Naturhochzeit das Eheversprechen. / Facebook/Johannes Geisler/Screenshot Salzburg24
Immer mehr Menschen geben sich bei einer Naturhochzeit das Eheversprechen. / Facebook/Johannes Geisler/Screenshot

Du arbeitest auch mit Krafttieren. Was ist das genau?

Vergleichbar sind Krafttiere mit Schutzengeln, die wir aus der katholischen Kirche kennen. In der Funktion sind sich die beiden sehr ähnlich. Es schützt dich, steht dir bei und unterstützt dich auf deinem Weg. Genauso, wie man es von einem Schutzengel kennt.

Jedes Tier in der Natur kann ein Krafttier sein, jedoch ist es nicht das Tier, das wir in der Natur sehen, sondern ein höher entwickelter Spirit. Ein Tier in der freien Natur ist niedriger entwickelt als sein Spirit. Er hat sich irgendwann höher entwickelt, um eine bestimmte Aufgabe zu übernehmen. Jeder sieht das Krafttier in seiner eigenen Bildsprache. Auch wenn wir alle das Gleiche hätten, jeder würde es anders beschreiben.

Tiere im Allgemeinen und Katzen im Besonderen können Wesenheiten sehr gut erkennen. Ich habe mal aus der Cheopspyramide in Ägypten, die im Übrigen kein Grabmal, sondern ein Energiekraftwerk ist, eine Wesenheit mitgenommen. Als ich nach Hause kam, hat mein Kater die Haare aufgestellt und ist wie bei Tom und Jerry quer durch das Haus weggelaufen. Ich habe das Wesen nicht als negativ gespürt. Ein Schamanen-Kollege hat es mir dann trotzdem entfernt und gut war’s.

Wie findet man sein Krafttier?

Bei einer schamanischen Reise. Dabei wird man von einem Schamanen mit der Trommel begleitet. Der Trommelschlag hat eine sehr beruhigende Wirkung auf den Menschen, da wir das Geräusch schon aus der Zeit im Mutterleib kennen. Durch den rhythmischen Schlag kommt das Gehirn in die Alphawelle und ruft einen sehr entspannten Zustand hervor.

Man kann bei mir lernen, in diesem Zustand in die untere Welt zu reisen und dort sein Krafttier zu treffen. Man stellt sich vor, dass ein Tunnel in die Erde führt, durch den man dorthin kommt. Dort sind alle Krafttiere. Wenn man schon mit seinem Beschützertier kommunizieren kann, dann kann man es um Hilfe bitten und bekommt von ihm Hinweise zur Problemlösung.

Erwachsene brauchen oft ein bisschen Zeit dafür, bis sie in die untere Welt kommen können, weil sie in ihrem Kopf schon so beengt sind und das Ganze schwer zu begreifen ist. Kinder sind da vollkommen unbefangen. Wenn ich sie während ihrer Reise frage, was gerade los ist, erzählen sie oft, dass sie von ihrem Krafttier abgeschleckt werden und sie fangen an zu lachen. Es ist ein Einlassen auf etwas, das wir nicht sehen können.

Durch den Trommelschlag kommt man in eine Vorstufe der Trance und kann in die untere Welt gelangen. /Johannes Geisler Salzburg24
Durch den Trommelschlag kommt man in eine Vorstufe der Trance und kann in die untere Welt gelangen. /Johannes Geisler

Wie wirkt sich der Schamanismus auf dein Leben aus?

Früher hatte ich zum Beispiel kein Problem damit eine Spinne zu töten – bim-patsch-erledigt! Das würde ich heute nicht mehr übers Herz bringen. Ich erschlage willentlich und wissentlich kein Tier mehr. Das steht uns Menschen nicht zu, finde ich.

Außerdem lebe ich vegetarisch. Typischerweise sind Schamanen aber keine Vegetarier oder Veganer. Ich habe vor fünf Jahren den Film „We feed the World“ gesehen und das hat mich sehr schockiert. Es kann aber auch passieren, dass ich mal einen Gusto auf ein Backhendl habe und dann esse ich auch eines. Ich bin nicht päpstlicher als der Papst. Indianer zum Beispiel fragen den Spirit eines jeden Tieres, das sie töten wollen, um Erlaubnis.

Ich trage meinen Zopf, um meine weibliche Seite zu stärken. Jeder von uns trägt eine weibliche und eine männliche Seite in sich und beide muss man annehmen. Das hat sich bei mir voll und ganz ausgezahlt. Nun kann ich meine Gefühlswelten endlich zulassen. Bevor ich diesen Weg eingeschlagen habe, schämte ich mich vor anderen zu weinen.

Kann jeder Schamane werden oder muss man dazu berufen sein?

Mein Ausbilder Kurt Fenkart von der Schamanismus Akademie hat ein Buch geschrieben, das heißt „Auch du bist ein Schamane“, denn in Wirklichkeit hat jeder diese Fähigkeit in sich. Nur: Nicht jeder hat den gleichen Zugang und Status in seiner Seelenentwicklung dazu. Ich wurde sprichwörtlich gerufen.

Manche Menschen sind heute schon offener dafür und haben in einer früheren Inkarnation schon in diesem Bereich gearbeitet. Die Erinnerung findet auf der Seelenebene statt, es ist kein bewusstes Erinnern. Es ist diese innere Weisheit, die innere Stimme, die uns führt.

Gibt es in Salzburg einen Platz, wo du dich besonders wohl fühlst?

Ja, da gibt es einen vor meiner Haustüre. Das ist der Buchberg in Mattsee, das ist alter keltischer Platz. Hier haben schon die Kelten ihre Rituale gefeiert. Aber auch in Ebenau beim Wasserfall und am Wolfgangsee am Falkenstein sind solche kraftvollen Orte. Und auch am Untersberg gibt es auch ganz viele solche Plätze.

Vielen Dank für das spannende Interview. Zum Abschluss habe ich noch ein paar Entweder-Oder-Fragen an dich:

Lederhose oder Anzug: Ich besitze noch sehr viele Anzüge, die ziehe ich aber nicht mehr an. Lederhose ist manchmal meins.
Süßes oder Salziges: Ich habe gern die Süße des Lebens.
Auto oder Fahrrad: Beides.
Stadt oder Land: Land
Katze oder Hund: Katzen. Das sind wunderbare Tiere, von denen wir extrem viel lernen können. 

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: S24)

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