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"Umweltbaustelle"

Mit Sense und Rechen für den Artenschutz

Jugendliche engagieren sich in Hof

Der Himmel ist wolkenbedeckt und es tröpfelt leicht, als Francesca Christ und Julian Becker durch den Matsch in Richtung „Umweltbaustelle“ stapfen. Die beiden sind zwei von zwölf Jugendlichen, die in einem Niedermoor nahe der Fuschler Ache in Hof (Flachgau) derzeit Hand anlegen, um der Natur zu helfen. Ein Lokalaugenschein.

Hof bei Salzburg

Die jungen Menschen kommen aus aller Welt nach Salzburg, um in ihren Ferien aktiv etwas zum Artenschutz und der Biotop-Pflege beizutragen. In diesem Jahr engagieren sich Jugendliche aus Spanien, Dänemark, Deutschland sowie Salzburg, Kärnten und Wien beim Projekt des Alpenvereins und der Biotopschutzgruppe HALM (Heimisches Arten- und Lebensraummanagement).

Arbeiten mit Sense und Rechen

Um halb zehn geht es auf der „Baustelle“ gerade so richtig los. Mit Sensen und Rechen in der Hand und Gummistiefeln an den Füßen sind die Jugendlichen für die Arbeit gerüstet. Schutzbrillen und Gehörschutz werden aufgesetzt, bevor mit den großen Handmähern der Wiese zu Leibe gerückt wird. Der Lärm stört zwar die friedliche Idylle, dafür geht es schneller voran.

Bild3.jpg Robert Reischl
Julia Grassinger beim Zusammenrechen der gemähten Wiese.

Größte Bedrohung: Verbauung und Überwucherung

Solche Moore und Streuwiesen seien extrem wichtig für die Artenvielfalt, für Landwirtinnen und Landwirte würden sie allerdings viel Arbeit und wenig Ertrag bedeuten, erklärt Biologe Günther Nowotny. Deshalb würden sich viele die Pflege nicht antun wollen. Er betont gegenüber SALZBURG24: „Die größte Bedrohungen für den Lebensraum der Pflanzen sind Verbauung und Überwucherung.“

Christ: "Unterstützung für Landwirte"

Damit seltene Pflänzchen nicht von zu großen Artgenossen überwuchert werden, betätigen sich die Jugendlichen als menschliche Rasenmäher. „Es ist aber auch eine Unterstützung für die Landwirte, die die Flächen dann wieder nutzen können“, ergänzt Francesca Christ aus Grödig (Flachgau) im S24-Gespräch. Die 22-Jährige studiert Mathematik, Biologie und Chemie auf Lehramt und leitet gemeinsam mit Robert Reischl seit drei Jahren das Projekt.

Dabei sind beide schon wesentlich länger. Christ hat bereits als Kind mit ihren Eltern Günther Nowotny und Patricia Christ sowie Bruder Konstantin Hand angelegt. Reischl bringt ebenfalls viel Erfahrung in der Biotop-Pflege mit. Während des Jahres studiert der Hallwanger (Flachgau) in Wien Umweltmanagement. Die Ferien verbringt er in der Natur. „Es macht Spaß in der Gruppe zu arbeiten und man kann konzentriert Gutes tun“, ist der 26-Jährige überzeugt.

Bild6.jpg Robert Reischl
Von links: Michelle Köberl, Florian Tesarek, Markus Babin, Antonia Rothenanger, Francesca Christ, Ines Meyer, Julia Grassinger, Alice Babetto, Konstantin Christ, Dídac Torrens, Sebastian Cotroneo, Maximillian Schuchbaur, Robert Reischl. Vorne, von links: Patricia Christ, Julian Becker, Judit Repas.

Hof: 500 ehrenamtliche Arbeitsstunden

Insgesamt leisten sie 500 Arbeitsstunden im Wert von 10.000 Euro, erklärt Francesca Christ. 2.000 Euro werden vom Alpenverein, dem Land Salzburg und HALM für das Umweltschutz-Projekt aufgewendet. Von sieben Tagen wird an sechs gearbeitet, ein Tag wird für Ausflüge genutzt. Ihre Arbeitskraft stellen die Jugendlichen kostenlos zur Verfügung und bekommen dafür Verpflegung und Unterkunft. Geschlafen wird in einer Selbstversorgerhütte in Strobl (Flachgau).

Die „Umweltbaustelle“ in Hof gibt es seit zehn Jahren, fast von Anfang an dabei war Antonia Rothenanger. Die 25-Jährige reist seit sechs Jahren aus der Nähe von München an. „Die Natur ist mir wichtig“, begründet sie ihr Engagement. Das Projekt in Salzburg hat sie als Vorbild genommen und in ihrem Heimatort ebenfalls eine Umweltschutzgruppe gegründet. „Wir reißen Springkraut aus und mähen auch die Wiesen für zwei Bauern“, erzählt sie.

Fleischfressende Pflanze gefährdet

Während am Nebenhang fleißig gemäht wird, zeigt Günther Nowotny auf, welche seltenen Pflanzen hier wachsen. Zum einen der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, die unter Naturschutz steht. Oder die Sumpf-Stendelwurz: Eine Orchidee, die auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen steht.

"Umweltbaustelle" Hof SALZBURG24/Winkler
Der fleischfressende Sonnentau ist nur mehr selten zu finden.

Neben dem Einsatzgebiet in Hof arbeiten die Jugendlichen auch einige Tage in Pfarrwerfen (Pongau). In den letzten Jahren sei man aber auch im Adneter Moos (Tennengau), an der Taugl (Tennengau) oder beim Fritzbach nahe Niedernfritz (Pongau) im Einsatz gewesen, schildert Julian Becker. Ebenso wie fünf andere arbeitet er das dritte Jahr in Hof und wird wohl auch im nächsten Jahr wieder dabei sein. "Man sieht den Unterschied, den unsere Arbeit macht. Es ist schön zu sehen, dass etwas weitergeht und man mit Leuten arbeitet, die gleichgesinnt sind", sagt Francesca Christ abschließend.

(Quelle: SALZBURG24)

Was ist eine "Umweltbaustelle"?

"Umweltbaustelle" Hof SALZBURG24/Winkler
Gummistiefel gehören im sumpfigen Waldstück zur Grundausrüstung.

Mehr als 40 "Umweltbaustellen" gibt es in ganz Österreich. Sie werden jedes Jahr vom Alpenverein organisiert und auch finanziert. Ehrenamtlich engagieren sich hier Jugendliche ab 16 Jahren, teilnehmen können aber auch ältere Interessierte bis zum 30. Geburtstag.

In den Ferien sollen so zahlreiche Umweltprojekte realisiert werden. Dafür stellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Woche lang ihre Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung. Vor Ort wird mit lokalen Vereinen oder auch Privatpersonen zusammengearbeitet. Im Fall der "Umweltbaustelle" in Hof ist etwa die Biotopschutzgruppe HALM an den Alpenverein herangetreten und hat eine Kooperation vorgeschlagen.

Zusätzlich dazu gibt es noch die Bergwaldprojekte. Sie richten sich an engagierte Naturliebhaberinnen und Naturliebhaber ab 18 Jahren. Alpenvereinsmitglied muss man dafür nicht sein. Zudem gibt es auch Projekte, die sich speziell an Familien richten.

"Umweltbaustellen" weltweit bekannt

Die "Umweltbaustellen" sind mittlerweile auch über Österreich hinaus bekannt. Im Gespräch mit SALZBURG24 erklärt Julian Becker, dass auch Jugendliche aus Indien oder China anreisen würden. Es gäbe etwa in Zell am See (Pinzgau) ein Projekt, für das seit Jahren 15 junge Menschen extra aus China anreisen würden. "Manche reisen auch von Umweltbaustelle zu Umweltbaustelle und nutzen es als eine Chance, das Land zu sehen", weiß Becker.

Aufgerufen am 15.09.2019 um 08:08 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/hof-bei-salzburg-jugendliche-engagieren-sich-auf-umweltbaustelle-fuer-umwelt-74456716

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