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Krabbeltierchen am Teller

Flachgauer Lokal tischt seit 2018 Insekten auf

Gutes Feedback für alternative Lebensmittel

Insektenburger_Heuschrecke Facebook/Lenz am See
Das Lokal "Lenz am See" in Obertrum bot bereits 2020 einen Insekten-Burger an.

Insekten als Lebensmittel sind aktuell sprichwörtlich in aller Munde. Im Obertrumer Restaurant von Bernhard Oitner wurde bereits 2018 mit Heuschrecken und Co gekocht. Und dafür gab es viel positives Feedback.

Obertrum am See

Insekten werden von vielen als die Zukunft im Nahrungsbereich angesehen. Immer mehr Produkte bzw. Arten hat die EU in den letzten Jahren zugelassen. Seit gestern sind es Hausgrillen, ab morgen dürfen auch die Larven des Getreideschimmelkäfers getrocknet, als Pulver oder gefroren verarbeitet werden und auf dem Teller landen. Was etwa in Asien oder Lateinamerika gang und gäbe ist, löst bei so manchen Menschen in Europa allerdings Gänsehaut aus. Apropos Gänse: Die gefiederten Tiere zelebrieren und essen wir auch regelmäßig zu Festtagen. Und das meistens ganz ohne Ekel und Wissen um ihre Haltungsbedingungen.

 

Insekten stehen in Obertrum auf der Speisekarte

Früh auf den wachsenden Trend sprang der Obertrumer (Flachgau) Gastronom Bernhard Oitner auf. In seinem Lokal „Lenz am See“ experimentierte er mit seinem Küchenpersonal schon vor fünf Jahren mit Insekten-Gerichten. „Wir haben schöne Erfahrungen damit gemacht“, erinnert er sich im Gespräch mit SALZBURG24. „Für unseren Küchenchef war es erst neu, aber er war gleich interessiert.“ Und so standen rasch die ersten Speisekreationen auf der Speisekarte.

Protein-Burger mit Insekten und vegetarischem Patty... Derzeit im Lenz! Außerdem wunderbare Lammkarrees, Zanderfilet...

Gepostet von LENZ AM SEE am Dienstag, 8. September 2020

Gutes Feedback für Krabbler-Kreationen

Die Vor-, Haupt- und Nachspeisen mit Insekten-Zugaben waren damals rasch Gesprächsthema Nummer eins im Obertrumer Lokal. Und obwohl sich einige davor geekelt hätten, wäre besonders die Insekten-Vorspeise sehr gerne bestellt worden. „Sie haben dann ein Gericht für alle am Tisch zum Kosten bestellt. Nur das Dessert kam nicht so gut an“, grinst der 32-Jährige. Das Feedback wäre aber insgesamt sehr gut gewesen. Im Jahr 2020 gab es im See-Restaurant daher auch wieder einen Burger mit veganem Patty, karamellisierten Insekten und einer Heuschrecke als Garnierung obendrauf.

 

Insekten in der Küche

Lediglich die Anwendung der teils gefrorenen Produkte gestaltete sich für das Küchenteam im „Lenz am See“ ein wenig schwierig. „Die aufgetauten Tiere weht der Wind rasch in der Küche herum. Das ist nicht so gut“, erklärt Oitner. Ihm habe jedoch der Nachhaltigkeits-Gedanke und hohe Proteingehalt überzeugt, weshalb er schon früh auf den Trend aufgesprungen ist. Bestellt hat er die Produkte beim Wiener Insekten-Pionier und Händler „Zirp“. „Als Zusatz in der Küche kann ich mir Insekten auch künftig vorstellen, als Ersatz für ein Stück Fleisch aber eher nicht, weil die Produkte im Einkauf schon noch teuer sind.“ Und werden bald wieder Insekten auf der Speisekarte stehen? „Wenn wir in der Küche bald wieder gut aufgestellt sind und einen zweiten Koch finden, dann wird es vielleicht wieder ein Thema!“

 

Warum sollten wir Insekten essen?

Die kleinen Tierchen schmecken offenbar nicht nur, sondern gelten als nahrhaft, reich an Proteinen und können zu einer nachhaltigen Ernährung beitragen, da sie verhältnismäßig ressourcenschonend gezüchtet werden können. Risiken können jedoch für Allergiker bestehen. Entsprechende Allergiehinweise seien Pflicht, betont die EU-Kommission. Bereits 2015 haben sich Studierende der steirischen FH Joanneum mit den Möglichkeiten beschäftigt, Insekten als Futter- und Nahrungsmittel aufzubereiten. Das produzierte Pulver soll zum einen in Fischfutter zum Einsatz kommen, aber auch in Lebensmitteln, wobei die Produkte nicht nach Insekten, sondern nach bekannten Lebensmitteln schmecken sollen.

Italien protestiert gegen Insekten als Lebensmittel

Kein Thema soll es in unserem südlichen Nachbarland werden "Die große Mehrheit der Italiener würde niemals Insekten auf den Tisch bringen, da sie als Fremdkörper in der nationalen Esskultur gelten", kommentierte der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti die EU-Verordnung. Unterstützung dafür gab es von der Regierungspartei Forza Italia. Hintergrund der Aufregung ist, dass Italien ihre Ernährungssouveränität forcieren und erhalten will. In der Tat weise die italienische Agrar- und Ernährungswirtschaft mit 65 Milliarden Euro den höchsten Mehrwert in Europa auf.

 

In deutschen Großstädten wie Berlin oder Hamburg gibt es indes bereits zahlreiche Lokale, die Insektenprodukte anbieten. In Österreich wird man am ehesten in Wien fündig.

Insekten als Lebensmittel im Wandel der Zeit

Relativ spät, aber doch kam in den letzten zehn Jahren in Europa und auch weltweit Bewegung bei den essbaren Krabbeltierchen rein und sie wurden vermehrt als Nahrungsmittel für Mensch und Tier verwendet.

  • 2013: Weil Insekten für mindestens zwei Milliarden Menschen Teil ihrer täglichen Nahrung sind, stellt sie die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) 2013 in einem umfangreichen Report vor. Für die Fachleute sind Insekten als Nahrungsmittel für den Menschen und als Tierfutter eine förderungswürdige Alternative. Vor allem ernähren sie einen Großteil der steigenden Weltbevölkerung, hielt der damals in Rom veröffentlichte Bericht der FAO fest.
  • 2016: Insektenessen verliert in unseren Breiten zwar langsam den Nimbus der Mutprobe, Kreationen wie Insektenburger dürften aber nicht so bald breit angeboten werden. Trotz vielversprechenden Nährwertprofils gebe es noch Fragen zu rechtlichen Aspekten und zur Zucht zu klären, meinte etwa der Lebensmittelforscher Henry Jäger anlässlich der Tagung "Insekten als Proteinquelle der Zukunft?" im Mai 2016 in Wien.
  • 2016: Grillen, Heuschrecken oder Mehlwürmer dürfen ab Mai 2017 auf Schweizer Tellern landen. Der Bund lässt Insekten als Nahrungsmittel Ende 2016 offiziell zu. Die Legalisierung von Handel und Verkauf essbarer Insekten in der Schweiz umfasst drei Arten: den Mehlwurm, die Grille und die Europäische Wanderheuschrecke.
  • 2017: Der Trend zu Insekten als Nahrungs- und Genussmittel für Menschen erreicht im Jahr 2017 Österreich. Als Nahrungsmittel müssen sie als essbar gekennzeichnet sein und bestimmte Sicherheitskriterien erfüllen. Das Gesundheitsministerium erlässt gemeinsam mit der Vetmeduni Wien dazu neue Leitlinien.
  • 2017: In New York findet das erste „Brooklyn-Bugs-Festival“ statt, bei sich drei Tage lang alles um Würmer, Ameisen und andere Insekten dreht.
  • 2018: Die FH Joanneum in Graz startet eine fünfjährige Studie zum Thema Insekten als Nahrungsmittel für Mensch und Tier.
  • 2020: Im März 2020 präsentieren die fünf Finalist:innen des Umdasch Forschungspreises ihre Ideen beim WSA Global Congress in Wien. Mit dabei eine Absolventin des Studiengangs Design & Produktmanagement der FH Puch (Tennengau). Kerstin Slany stellt ihr innovatives Restaurantkonzept „Novalia“ vor. Interessantes Detail: Auf der Speisekarte stehen Gerichte aus Insekten.
  • 2021: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit gibt grünes Licht für neue Produkte wie gegrillte Mehlkäfer-Larven und Nudeln mit Anteilen dieser Insekten. Sie legen ihren ersten Prüfbericht zu Zulassungsanträgen solcher neuen Lebensmittel (Novel Food) mit Insekten für die Europäische Union vor.
  • 2022: In Italien bildet sich erstmals Widerstand gegen Insekten als Lebensmittel. "Wir wollen die Qualität unserer Lebensmittel gegen die Aggression der Globalisierung verteidigen", sagt Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida. So spricht er sich gegen "Laborfleisch" und gegen Insekten als Lebensmittel aus.
  • 2023: Ein EU-Gesetz tritt in Kraft, welches besagt, dass Hausgrillen und die Larven des Getreideschimmelkäfers als Pulver, in gefrorener, oder getrockneter Form verwendet werden können.
(Quelle: SALZBURG24/APA)

Aufgerufen am 01.02.2023 um 06:04 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/insekten-stehen-in-obertrum-seit-2018-auf-speisekarte-133069978

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