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Land Salzburg erwirbt 127 Hektar Aulandschaft für Naturschutzprojekt

Im Bild v.li.: Franz-Josef Auersperg-Trautson, Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler und Bgm. Johann Ganisl LMZ/Neumayr/MMV
Im Bild v.li.: Franz-Josef Auersperg-Trautson, Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler und Bgm. Johann Ganisl

Das Land Salzburg hat für sein bisher größtes Renaturierungsprojekt in der Weitwörther Au (Flachgau) um rund sieben Millionen Euro 127 Hektar Wald- und Wasserfläche erworben. Am Mittwoch wurde der Vertrag mit dem bisherigen Grundeigentümer unterzeichnet. Das von der EU massiv mitgeförderte Projekt soll einen der artenreichsten Lebensräume des nördlichen Alpenvorlands auf Generationen erhalten.

"Wir kaufen den Grund, weil wir Teile komplett aus der Nutzung nehmen wollen, um dort eine natürliche Entwicklung zu erlauben", erklärte Naturschutz-Landesrätin LHStv. Astrid Rössler (Grüne) bei einem Lokalaugenschein in den Salzach-Auen am Donnerstag. Das Areal werde dabei weitgehend sich selbst überlassen. Allerdings seien für die Renaturierung "kleinförmige, punktuelle Maßnahmen" notwendig. So soll etwa der Reitbach - ein wichtiges Nebengewässer der Salzach - mehr Mäander erhalten. Außerdem werden künstliche Fichtenmonokulturen und Pappelbestände entfernt.

Natur soll sich selbst entwickeln

"Wir warten dann auf die natürliche Verjüngung oder pflanzen wenn nötig typische Auwaldbäume an", erklärte Bernhard Riehl von der Naturschutzabteilung des Landes. Zugleich soll der Wildbestand in der Au reduziert werden. "Die Jagd wird darauf abgestimmt, was für das Ökosystem am besten ist." Der wohl aufwendigste Eingriff ist die geplante "Tieferlegung" von Teilen der Au um im Schnitt zwei Meter. "Der Auwald kommt damit wieder näher an das Niveau der Salzach und profitiert von der Dynamik des Grundwassers und den regelmäßigen Überschwemmungen", erklärte Riehl.

Auch die Ufer des zehn Hektar großen Ausees inmitten des gekauften Gebiets sollen abgeflacht werden, um Fauna und Flora wieder mehr Lebensraum zu bieten. Für Besucher sind dabei ein Au-Erlebnisweg und versteckte Plätze zur Vogelbeobachtung geplant. Vom Zulassen der natürlichen Prozesse im Auwald sollen zahlreiche typische Bewohner profitieren, etwa verschiedene Specht-Arten, der EU-weit gefährdete Scharlach-Käfer, oder Tiere wie Gelbbauchunke, Kammmolch, Eisvogel und Fischotter.

Größtes EU-Förderbudget für ein LIFE-Projekt in Österreich

Insgesamt sind für das Projekt 10,5 Millionen Euro budgetiert. Die EU steuert dabei aus dem LIFE-Fonds, mit dem Umweltmaßnahmen finanziert werden, 60 Prozent bei. "Das ist das größte EU-Förderbudget für ein LIFE-Projekt in Österreich bisher", erklärte Riehl. Kleinere Beträge tragen das Umweltministerium und die Anrainergemeinden. Den übrigen Teil finanziert das Land Salzburg über den Naturschutzfonds. Die Salzach selbst ist von dem Projekt nicht betroffen.

Land Salzburg will auch Antheringer Au kaufen

Der aktuelle Ankauf soll nur ein erster Schritt sein: Mittelfristig will Rössler das Schutzgebiet Richtung Süden auf die Antheringer Au ausweiten. "Insgesamt stehen 540 Hektar auf meiner Wunschliste", sagte die Naturschutzreferentin am Donnerstag. Die Antheringer Au gehört dem Unternehmer Maximilian Mayr-Melnhof. Der soll sich zwar positiv zu dem Projekt geäußert haben, will aber nicht verkaufen, sondern fordert einen Grundtausch. "Wir haben hier noch keine fertige Lösung, aber wir arbeiten daran", sagte Rössler.

Gegen Österreich läuft übrigens ein EU-Vertragsverletzungsverfahren, weil die Republik zu wenig Naturschutzflächen ausgewiesen sind. Das Land Salzburg hat zuletzt 39 Flächen für das europäische Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 nachnominiert. Aktuell stehen im Bundesland acht weitere Flächen auf der Warteliste. Hier laufen allerdings noch die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern.

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 28.09.2021 um 01:08 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/land-salzburg-erwirbt-127-hektar-aulandschaft-fuer-naturschutzprojekt-52160521

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