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Keine Planbarkeit im Lockdown

"Es schmerzt, wenn Gemüse im Müll landet"

Siezenheimer Großhändler zermürbt

symb_gemüse_müll; symb_kompost PIXABAY
Viel Gemüse wird weitergegeben, aber viel landet auch auf dem Kompost. (SYMBOLBILD)

Der mittlerweile vierte Lockdown trifft viele Branchen schwer. Besonders zermürbend ist die aktuelle Situation auch für Obst- und Gemüse-Händler Hannes Eisl aus Wals-Siezenheim, da er auf seinen Waren sitzen bleibt und sie teilweise sogar entsorgen muss.

Wals-Siezenheim

Normalerweise beliefern Hannes Eisl und seine 35 Angestellten Hotels, Restaurants, Schulen und Seniorenheime im gesamten Bundesland Salzburg mit Obst und Gemüse. Doch der mittlerweile vierte Lockdown in knapp zwei Jahren hat erneut alles verändert. „Wir haben einen enormen Umsatzeinbruch und hohen Verderb im Lager“, erzählt der Siezenheimer im Gespräch mit SALZBURG24. Da seine Mitarbeiter vom Sommer noch viele Überstunden abzubauen hätten, erspare er sich die Kurzarbeit. Dennoch verlässt ihn bald die Motivation aufgrund der ständigen Rückschläge.

„Gemüse fragt nicht, sondern wächst einfach“

Das Schlimmste sei, wie in vielen anderen Branchen auch, die mangelnde Planungssicherheit. Der Handel mit verderblichen Waren mache die Situation noch um einiges mühsamer und schlimmer. Betroffen sind auch seine großteils lokalen Zulieferer, Gemüsebauern aus der Walser Region. „Die Bauern haben im Sommer angebaut, geerntet und nun wird es nicht verkauft. Ich als Händler habe da auch keinen Spielraum“, schildert der 40-Jährige. In seinem Lager türmen sich bereits Kohl, Salat und mehr. „Gemüse fragt nicht, sondern wächst einfach“. Aber seit die Gastronomie aufgrund des Lockdowns wieder geschlossen hat, ist die Nachfrage natürlich stark gesunken.

Take-away kaum noch interessant für Gastro

Das würde auch daran liegen, dass Lokale nicht mehr so stark auf Take-away-Angebote setzen. „Scheinbar ist die Motivation verloren gegangen. Viele schauen auch, dass sie nicht zu viel Umsatz machen, damit sie noch den Umsatzersatz bekommen“, vermutet Eisl. „Und das Einkaufsverhalten hat sich wieder relativiert. Kunden kaufen wieder im Supermarkt und weniger am Markt“. Das führe dazu, dass viel verderbliche Ware weggeworfen werden muss. Gleichzeitig entstehe für den Flachgauer ein gewaltiger Umsatzeinbruch. „Die Ware hat eine Verweildauer von 24 bis 48 Stunden. Manche Waren habe ich gar nicht mehr lagernd, viel wird kaputt“, klagt Eisl.

Und dabei blutet ihm das Herz: „Es schmerzt, wenn Gemüse im Müll landet“! Im ersten Lockdown hat man noch „Lockdown-Boxen“ mit dem Lagerstand verkauft, viel wurde auch verschenkt. Momentan landet viel Obst und Gemüse in den Boxen von toogoodtogo, beim Gut Aiderbichl oder Angestellte nehmen etwas mit. „Hauptsache ich kann irgendjemanden eine Freude machen. Allerdings haben wir Verderb im fünfstelligen Bereich“, sagt Eisl. Dazu kommt, dass bei Salat und Co bei zu langer Lagerung die Qualität leidet.

Planung im Lockdown unmöglich

Am Mittwoch könnte eine schrittweise Lockdown-Öffnung beschlossen werden. Doch selbst wenn die Gastronomie wieder aufsperren dürfte, könne ein Händler gar nicht so schnell reagieren. Das Lieferproblem ziehe sich bis zu den Großhändlern, die ihre Waren aus Asien oder Südamerika beziehen. Denn wenn sie aufgrund von Lockdowns in Europa weniger Ware bestellen, dann wirke sich das erst viel später auf den lokalen Markt aus. „Es dauert zehn Tage, bis der Markt steht und wieder aufwacht“, weiß Eisl, der einen Teil seiner Produkte auf dem Großmarkt in München einkauft. „Alle wollen Nachhaltigkeit, aber ohne Planung ist Nachhaltigkeit schwer.“

Ein weiteres Problem sei die Auslastung der Gastronomie. Durch die 2-G-Beschränkung bleibt ein großer Teil der Kundschaft aus. „Große Feiern entfallen damit komplett. Die Lokale sind aber für Vollauslastung gemacht“, so Eisl, der sich mehr Kommunikation seitens der Politik wünscht. Dabei ist er sicherlich nicht alleine, weshalb der Corona-Gipfel und die Entscheidungen, die er mit sich bringt, mit Spannung erwartet wird.

(Quelle: SALZBURG24)

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