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Sonntags-Talk

Walser Schnalzerin lässt es richtig krachen

Melanie Sturm über das Brauchtum Aperschnalzen

Aperschnalzen ist ein uraltes Brauchtum, das im alpenländischen Raum zwischen Salzburg und dem Rupertiwinkel lebendig gepflegt wird. Die 23-jährige Melanie Sturm aus der Gemeinde Wals-Siezenheim (Flachgau) schnalzt seit ihrem vierten Lebensjahr. Im Sonntags-Talk erzählt sie uns, was die "fünfte Jahreszeit" für sie bedeutet, wie sie zur "Aufdraherin" wurde und wie ihre Leidenschaft bereits die vierte Familien-Generation begleitet.

Wals-Siezenheim

Mit "Aufpassen! Auf geht's, oane, zwo, drei – dahi geht's", läutet Melanie Sturm das Training der Schnalzerpass Loig III standesgemäß ein (siehe Video oben). Das neunköpfige Team bereitet sich seit einigen Wochen auf das große Rupertigau-Preisschnalzen (am Sonntag) in Kirchanschöring (Bayern) vor. Beim Gemeindeschnalzen in Gois (Wals-Siezenheim) belegten sie Anfang Februar Rang zehn und fiebern nun dem Höhepunkt in der Saison der Aperschnalzer entgegen.

SALZBURG24: Das Aperschnalzen ist im bayerischen Voralpenland und im Salzburger Land weit verbreitet. Wie bist du in Kontakt mit diesem Brauch gekommen?

MELANIE STURM: Ich schnalze seit ich vier Jahre alt bin. Mit der Goaßl, die aus einem Holzstiel und einem Hanfseil besteht, bin ich quasi aufgewachsen. Mein Papa hat mich durch seine Erziehung so richtig damit angesteckt. Ich entwickelte schon als kleines Mädchen einen richtigen Ehrgeiz und es machte mir immer sehr viel Spaß.

Was genau fasziniert dich am Schnalzen?

Ich kann es eigentlich nicht genau beschreiben. Man muss es erleben, um zu wissen wie lässig es ist. Unsere Pass besteht fast ausschließlich aus Familienmitgliedern, engen Freunden oder Nachbarn. Wir sehen die Zeit zwischen dem Stefanitag und dem Faschingsdienstag als fünfte Jahreszeit. Man muss fast sagen, dass das Schnalzen eine kranke Sache ist.

Wie kann man das verstehen?

Schwer zu erklären. Wir treffen uns in der Hochsaison mehrmals wöchentlich und trainieren sehr intensiv. Doch auch abseits der Bewerbe ist unser Vereinsheim, das 2009 erweitert und renoviert wurde, stets ein Treffpunkt. Es dient sogar als Ersatz für einen Wirten, den es bei uns in Loig leider nicht gibt. Das Beisammensein und die Gaudi schweißt uns extrem zusammen.

Weißt du, woher der Brauch kommt und wozu er dienen soll?

Über seine Entstehung gibt es unterschiedliche Auffassungen. Mir wurde von Papa und Onkel Heinrich erklärt, dass es um das Winteraustreiben geht. Durch Lärm sollen die bösen Mächte der Finsternis und Kälte vertrieben werden. Manche Bauern wiederum glauben an einen Fruchtbarkeitsbrauch. Durch lautes Peitschenknallen soll die unter tiefer Schneedecke schlummernde Saat zu neuem Leben erweckt werden. Es gibt klare Regelungen, die besagen, dass nur in den Ortschaften entlang der Grenzflüsse Saalach und Salzach geschnalzt wird. Fürstenbrunn oder Großgmain sind da zum Beispiel nicht mit eingeschlossen.

In deiner Gruppe gibst du umgeben von acht Männern den Takt als sogenannte Aufdraherin vor. Wie bist du zu dieser Rolle gekommen?

Bereits im Jugendalter haben wir als Pass gemeinsam geschnalzt. Da ich ein wenig älter als meine Brüder, Cousins und Nachbarn bin, war ich beim Sprung vom Kinderschnalzen zu den Erwachsenen die Erfahrenste. Zudem steht die leiseste Schnalzerin immer ganz vorne – das spielte auch eine Rolle. Und ich gebe abseits des Schnalzens auch gerne den Takt vor. 

Wie schwer ist Schnalzen? Kann das eigentlich jeder lernen?

Es sieht relativ leicht aus, aber man muss ein gewisses Gespür dafür haben. Als Kindertrainerin habe ich die Erfahrung gemacht, dass es teilweise ein bis zwei Jahre dauern kann, bis man den Dreh raus hat. Da braucht es Geduld und das richtige Händchen beim Umgang mit den Jungs und Mädchen. Zudem ist es recht anstrengend, weil man den Takt halten muss und nicht langsamer werden darf. Bei den Erwachsenen kann das durchaus schneller klappen. Du kannst es gerne mal probieren (siehe Video unten).

Wie viele Leute nehmen bei dem großen Preisschnalzen für gewöhnlich teil?

Letztes Jahr waren es 141 Passen in der allgemeinen Kategorie. Multipliziert man das mit neun, dann kommt man auf 1.269 Erwachsene. So groß in etwa dürfte auch heuer wieder das Preisschnalzen sein. Dazu kommen am Vortag noch rund 70 bis 80 Kinderpassen.  Es ist echt lässig, wenn so viele Leute auf einem Fleck die Tradition und das Brauchtum aufrechterhalten.

Hinter dem Aperschnalzen steckt ein enormer Aufwand und viel Training. Ist es die Suche nach dem perfekten Klang, dem vollendeten Rhythmus oder das harmonische Miteinander, das dich anspornt?

Ich würde sagen es ist ein Mix aus allem. Ich war immer schon extrem ehrgeizig – das habe ich wohl vom Papa geerbt. Wenn man sich vorstellt, dass die zwei Takte mit insgesamt zwölf Schlägen beim großen Preisschnalzen in knapp 18 Sekunden vorbei sind, ist das Streben nach der Perfektion wohl die größte Motivation. Es muss wie aus einem Guss sein. Die Lautstärke sowie der Abstand zwischen den Knallen müssen passen. Wenn wir in Kirchanschöring unter den besten 50 oder 40 kommen würden, wäre es eine super Gschicht.

Ich wünsche euch gutes Gelingen und bedanke mich für das nette Gespräch und die kleine Schnupperstunde.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

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