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Pizzeria als Umschlagplatz

Prozess um Mega-Drogenring mit Sitz in Bürmoos

Captagon-Pillen im Wert von 14 Millionen Euro

Nachdem im Sommer ein groß angelegter Drogenring in Bürmoos (Flachgau) aufgedeckt wurde, stehen die 14 Angeklagten nächste Woche vor dem Salzburger Landesgericht. Es geht um den Handel von Captagon-Pillen im Wert von knapp 14 Millionen Euro.

Bürmoos

Ein aufwendiger und bis zu 15 Tage dauernder Prozess mit 14 Angeklagten startet am 14. Dezember am Landesgericht Salzburg. Es geht um den Handel mit mindestens 13,8 Millionen Captagon-Aufputschtabletten zu einem mutmaßlichen Verkaufswert von rund 40 Millionen Euro. Die Beschuldigten - 13 davon sitzen in Untersuchungshaft - sollen Mitglieder einer internationalen Tätergruppe sein, die Drogen von Juni 2016 bis März 2021 aus dem Libanon nach Österreich geschmuggelt hat.

Umschlagplatz in Bürmooser Pizzeria

Österreich spielte im Handel mit den Captagonpillen, die unter das Suchtmittelgesetz fallen, eigentlich nur die Rolle einer Zwischenstation. Umschlagplatz soll eine Pizzeria in Bürmoos (Flachgau) gewesen sein. Das Captagon wurde den Ermittlungen zufolge im Libanon hergestellt und war für Saudi-Arabien bestimmt. Der Umweg über Europa erfolgte nur deshalb, weil Importe aus der EU in Saudi-Arabien offenbar deutlich weniger kontrolliert werden als die Wareneinfuhr aus dem Vorderen Orient.

Pillen im Flachgau verteilt

Die Pillen waren in Hohlräumen von Rollen mit Plastikfolien versteckt. In jeder Rolle befanden sich bis zu 34.000 Stück Tabletten. Über eine Scheinfirma wurden die Drogen auf dem Seeweg nach Gent in Belgien geschifft. Von Belgien wurden sie mittels Speditionen nach Österreich gebracht und in Lager verteilt, wobei eine Pizzeria in der Gemeinde Bürmoos im Flachgau eine zentrale Drehscheibe gebildet haben soll.

Captagon in Pizzaöfen versteckt

Die Suchtmittel wurden in Industrie-Pizzaöfen, Waschmaschinen und anderen Elektrogeräten versteckt und so nach Saudi-Arabien verfrachtet. Das Lokal im Flachgau soll ein 28-jähriger Angeklagter betrieben haben. Ein 53-jähriger Angehöriger war laut Anklage für die Lagerung, Umverpackung und Weitersendung der Drogen verantwortlich. Dabei sollen dem Erstangeklagten weitere Beschuldigte geholfen haben.

Als Chef der Drogenbande gilt ein 60-jähriger Libanese, der untergetaucht ist. Nach umfangreichen Ermittlungen, die drei Jahre dauerten, wurden am 22. März 2021 in Österreich 13 Verdächtige und zwei weitere in Deutschland festgenommen. Einige Beschuldigten legten Geständnisse ab, sodass die Ermittler zumindest drei große Drogenlieferungen nachweisen konnten, 25 bis 30 Tonnen Captagon-Tabletten sollen dabei ausgeliefert worden sein.

14 Personen angeklagt

Bei den Angeklagten handelt es sich um elf Männer und drei Frauen im Alter von 27 bis 53. Sie stammen vorwiegend aus dem arabischen Raum beziehungsweise aus dem Libanon. Viele davon sind miteinander verwandt. Sie wohnten vor ihrer Festnahme in der Stadt Salzburg, im Flachgau oder im Pinzgau. Was die Staatsbürgerschaft betrifft, handelt es sich um sechs Österreicher, drei Syrer, einen Libanesen, einen Belgier, einen Deutschen, einen Türken und einen Ungarn. Ihnen wird Suchtgifthandel und das Verbrechen der kriminellen Organisation vorgeworfen.

Aufputschmittel für Terroristen

Die Wirkung von Captagon ist ähnlich der von Amphetamin. Die Droge war bereits öfters in Zusammenhang mit terroristischen Anschlägen gebracht worden, da sie aufputschend wirkt und den Konsumenten auch furchtlos und unempfindlich gegen Schmerz erscheinen lässt. Die Nebenwirkungen können allerdings tödlich sein.

Wegen der großen Anzahl an Prozessbeteiligten am Landesgericht Salzburg müssen alle anwesenden Personen vor Betreten des Verhandlungssaales einen 3G-Nachweis vorzeigen. Es gilt zudem die FFP2-Maskenpflicht und die Einhaltung eines Abstandes von zwei Metern. Um die Anwesenheit von Personen im Schwurgerichtssaal zu reduzieren, wird die Verhandlung laut Gerichtssprecher Peter Egger für weitere Zuhörerinnen und Zuhörer in einen anderen Verhandlungssaal live übertragen. Bis zum 26. Jänner sind 15 Verhandlungstage anberaumt.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 25.05.2022 um 02:29 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/prozess-um-mega-drogenring-mit-sitz-in-buermoos-113697703

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