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Roland K.: Musiker belastet im Salzburger Mordprozess seine Mitangeklagten

Im fortgesetzten Mordprozess zum Salzburger Fall Roland K. hat sich der angeklagte Musiker (24) in seiner Einvernahme großteils an der von ihm zuletzt geschilderten Tatvariante im Ermittlungsverfahren gehalten, auf der auch die Anklage basiert. Er bekannte sich am Dienstag des "schweren Raubes mit Todesfolge" und des Einbruchs schuldig, bestritt aber einen Tötungsvorsatz. Die ebenfalls wegen Mordes angeklagte Ex-Freundin des Musikers beteuert ihre Unschuld. 

Der Musiker beantwortete die Fragen des vorsitzenden Richters Christian Ureutz mit leiser Stimme. Die Schriftführerin bat mehrmals, doch lauter zu sprechen, um ihn verstehen zu können. Der Beschuldigte belastete die beiden Mitangeklagten ebenfalls wegen Mordes. Es handelt sich um seine Ex-Freundin (21) und einen befreundeten Wirt (29). Sie stammen wie der Musiker aus dem Flachgau. Die beiden beteuerten am ersten Prozesstag ihre Unschuld.

Die zwei Mitangeklagten hätten vom Plan gewusst, den vermögenden Salzburger Roland K. (63) am 19. Juli 2016 zunächst mit Schlafmittel zu betäuben und dann in dessen Villa in der Stadt Salzburg auszurauben. "Töten wollte ich ihn wirklich nicht", beteuerte der Musiker.

Schlaftabletten in Pralinen

Bevor er K. zu sich nach Hause im Flachgau zum Essen eingeladen habe, habe er gemeinsam mit seiner Freundin "sieben oder acht" Tabletten des Schlafmittels Noctamid in die Füllung von drei Pralinen gemischt, schilderte der 24-Jährige. Seine Freundin sei damals von dem Tatplan sogar begeistert gewesen. Angaben einer Zeugin im Ermittlungsverfahren zufolge soll die Frau überlegt haben, dem vermögenden Salzburger Sex gegen Geld anzubieten.

Bei dem Abendessen am 19. Juli hätten er und Roland K. auch Alkohol getrunken, er selbst habe heimlich noch Kokain genommen, erzählte der Musiker. Nachdem K. die Pralinen gegessen habe und schläfrig geworden sei, hätten er und seine Freundin den Mann ins Auto gesetzt und nach Salzburg gefahren. Sie hätten den Schlafenden in den Keller von dessen Villa getragen und ihn auf eine Matratze gelegt.

"Meine Freundin und ich haben geweint"

Warum sie ihn nicht einfach auf eine Couch im Erdgeschoß gelegt hätten, fragte der Richter, das wäre einfacher gewesen. "Weil wir die Räume durchsuchen wollten. Es war uns alles schon zu viel. Meine Freundin und ich haben geweint." Und warum er und die Freundin K. gefesselt und geknebelt haben, wenn K. doch bereits geschlafen hat, wollte der Richter wissen. "Er hätte aufwachen können", antwortete der Musiker. Auch konnte er nicht erklären, weshalb der Salzburger nach der Betäubung nicht in der Wohnung im Flachgau einfach liegen gelassen wurde, um dann quasi unerkannt in Ruhe die Villa ausrauben zu können.

Nachdem er und seine Freundin die Villa wieder verlassen hatten, sei er noch in der selben Nacht alleine in die Villa zurückgekehrt, da sei K. bereits tot gewesen, schilderte der Musiker. Er habe einen Stoffsack über die Leiche gestülpt und diese zunächst in der Villa zurückgelassen. Später habe er die Leiche alleine in den Wagen des Verstorbenen getragen und dort aufbewahrt. Der Wirt habe zu ihm gesagt, er solle die Leiche verschwinden lassen, meinte der Angeklagte.

Musiker belastet Wirt massiv

Dass er und der Wirt die Leiche dann ausgerechnet in einem aufgelassenen Schweinestall auf dem Grundstück des Gastronomen in Oberösterreich versteckten - die Leiche wurde dort nach einem Hinweis des Musikers im Mai 2017 entdeckt - befand der Angeklagte für keine schlechte Idee. Der Wirt habe gemeint, "da geht so und so keiner rein, da tun wir's hin", erklärte der Musiker. Der Vorsitzende konfrontierte ihn mit den Angaben des Wirtes, der ausgesagt hatte, der Musiker habe ihm die Leiche untergeschoben, dieser habe sich auf seinem Grund auch gut ausgekannt. "Das stimmt nicht", beteuerte der 24-Jährige.

Die Idee, den Akademiker Roland K. zu betäuben und auszurauben, sei vom Wirt gekommen, belastete der Musiker den Zweitangeklagten. Es sei um das Zurückzahlen von Schulden gegangen, die er bei dem Wirt hatte. Er habe bei dem Gastronom immer wieder Kokain gekauft, und als Gegenleistung für ihn im Lokal serviert oder Kurier- und Chauffeur-Dienste geleistet. Dennoch hab er bei dem Wirt Schulden in Höhe von 5.000 Euro gehabt, laut der Rechnung des Wirtes seien es 10.000 Euro gewesen, sagte der Musiker.

Bei seiner Einvernahme konnte der Erstangeklagte einige konkrete Fragen des Richters nicht beantworten, auch was die zahlreichen SMS auf dem Handy zwischen ihm und dem Wirt betrifft - am Tag vor der Tat waren es 107. Viele SMS wurden auch gelöscht.

Musiker am Nachmittag einvernommen

Die Ankündigung per SMS drei Tage vor der Tat -"wir zwei müssen ihm eine aufs Maul hauen, dann haben wir ein glückliches Leben" - beziehe sich darauf, dass Roland K. "immer so anstrengend war, wenn er was getrunken hat. Nüchtern war er ein guter Freund", so der Musiker. Er habe mit K. oft leidenschaftlich Mühle gespielt und ihm ab und zu geholfen. Dass der Salzburger, der mit seinem Vermögen vor anderen gerne geprahlt habe, ihn adoptieren und beerben habe wollen, habe er aber nicht ernst genommen, betonte der 24-Jährige.

Am Nachmittag wurde auch die Ex-Freundin des Musikers befragt. Sie beteuert ihre Unschuld. Den ausführlichen Bericht findet ihr HIER.

(APA)

 

Aufgerufen am 19.11.2018 um 08:34 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/roland-k-musiker-belastet-im-salzburger-mordprozess-seine-mitangeklagten-58216306

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