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Selbstfahrender Bus in Koppl unterwegs

Der selbstfahrender Bus soll für die "letzte Meile" eingesetzt werden. APA/Barbara Gindl
Der selbstfahrender Bus soll für die "letzte Meile" eingesetzt werden.

Nach einem ersten Gastauftritt mit Sondergenehmigung im Herbst 2016 wird Österreichs erster selbstfahrender Minibus nun ein echter Salzburger. Die erste Station für den Minibus ist die Gemeinde Koppl im Flachgau. Dort finden ab Mai Testfahrten auf öffentlichen Straßen statt.

Salzburg Research ist damit die erste Organisation in Österreich, die eine Testbescheinigung des Bundesministeriums bekommen hat, um Testfahrten mit einem autonomen Fahrzeug auf öffentlichen Straßen durchzuführen.

"Letzte Meile" zum öffentlichen Verkehr

Unter der Leitung von Salzburg Research werden mit dem Minibus wichtige Fragen rund um automatisierte Mobilität für die "letzte Meile" erforscht. Die letzte Meile – der Weg von der Haltestelle zum Wohn- oder Zielort – ist ein kritischer Aspekt für die Akzeptanz von bestehenden öffentlichen Verkehrsmitteln. Automatisierte Fahrzeuge könnten in Zukunft diese Lücke schließen.

Der Minibus, Modell Navya Arma DL 4, ist 4,75 Meter lang, 2,11 Meter breit und 2,65 Meter hoch. Er wird mit einem Elektromotor angetrieben. Der Bus erreicht eine Geschwindigkeit von maximal 45 km/h. Im Testbetrieb sind 20 km/h erlaubt. Höchstens elf Personen haben Platz, neun Personen im Testbetrieb.

"Automatisierte Personenmobilität kann für den öffentlichen Verkehr in ländlichen Regionen Salzburgs zukünftig von großer Bedeutung werden. Mit dem Digibus können sowohl Betreiber wie auch Fahrgäste die neue Technologie hautnah kennenlernen und intensiv testen. Mit dem Know-how von Salzburg Research haben wir die Gestaltung der zukünftigen Mobilität im Bundesland Salzburg selber in der Hand und werden nicht von Interessen Dritter überholt", sagte Verkehrslandesrat Hans Mayr bei der Testfahrt am Montag.

"Bis automatisierte Minibusse völlig fahrerlos 24 Stunden und sieben Tage pro Woche im Regelbetrieb fahren können, sind noch viele Fragen zu beantworten", betonte Karl Rehrl, Forschungsleiter für intelligente Mobilität bei Salzburg Research. "Mittelfristig steht der Digibus vor allem der angewandten Forschung zur Verfügung. In einem ersten Schritt wollen wir die Technologie bei Testfahrten evaluieren, um sie systematisch mit Partnern weiterzuentwickeln. Wir werden aber auch immer wieder Testfahrten für interessierte Fahrgäste anbieten, um Akzeptanz und persönliche Erfahrungen zu erforschen."

Erste Station: Koppl – die letzte Meile

Koppl ist die erste Station des selbstfahrenden Minibusses. Der Ort ist ein typisches Beispiel für die sogenannte letzte Meile: Das Ortszentrum ist zirka 1,4 Kilometer von der B158 Wolfgangsee Straße und damit von der Bus-Linie 150 von Salzburg nach Bad Ischl des Salzburger Verkehrsverbundes entfernt.

"Aus der Forschung wissen wir, dass diese Entfernung, die sogenannte letzte Meile, oft eine große Hürde ist, das vorhandene öffentliche Verkehrsmittel tatsächlich zu nutzen. Mit automatisierten Fahrzeugen als Zubringer könnte diese Lücke effektiv geschlossen und damit der öffentliche Verkehr attraktiver werden", sagte Rehrl.

Bürgermeister Rupert Reischl zeigte sich erfreut, "dass Koppl zur ersten Station des selbstfahrenden Minibusses erkoren wurde. Zwischen Bundesstraße und Zentrum fährt zwar der Zubringerbus der Linie 152, aus wirtschaftlichen Gründen aber nur sehr selten. Ein selbstfahrendes Fahrzeug könnte die Lücke für die weniger rentable Zeit schließen." In einem gemeinsamen Workshop wurde bereits mit der Koppler Bevölkerung gearbeitet, Meinungen und Befürchtungen eingeholt sowie zahlreiche weitere Szenarien, für die ein selbstfahrender Minibus eine Lösung darstellen könnte, erarbeitet.

Den selbstfahrenden Minibus ausprobieren

Gemäß Automatisiertes-Fahren-Verordnung des Bundesministeriums dürfen mit dem selbstfahrenden Minibus vorerst nur Testfahrten durchgeführt werden. Interessierte können den Minibus in Koppl jedoch an öffentlichen Testtagen kostenlos ausprobieren. Der Digibus fährt als Zubringer zwischen Koppl Sperrweg (B158, nähe Haltestelle Koppl-Sperrbrücke) und dem Gemeindezentrum von Koppl. Wann genau der Bus fahren wird, hängt vom Testverlauf ab und wird rechtzeitig auf www.digibus.at sowie auf Twitter und Facebook kommuniziert. Die Auflagen des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie besagen, dass der Bus vollständig autonom mit einer maximalen Geschwindigkeit von 20 km/h auf öffentlichen Straßen fährt. Eine geschulte Lenkerin oder ein geschulter Lenker ist bei allen Testfahrten ständig an Bord und kann bei Gefahrensituationen jederzeit eingreifen. Während des Testzeitraums dürfen Personen ausschließlich auf den vorgesehenen Sitzplätzen und nicht gewerblich befördert werden.

Die nächsten Stationen des selbstfahrenden Minibusses

Der Digibus bleibt bis auf weiteres im Bundesland Salzburg und wird in den kommenden Monaten in verschiedenen Einsatzorten auf Herz und Nieren getestet. Die weiteren Stationen werden sowohl öffentliche wie auch abgesperrte Strecken umfassen. In einer Kooperation mit dem Verkehrsklub ÖAMTC sollen beispielsweise spezifische Testszenarien in den ÖAMTC-Fahrtechnikzentren erprobt werden. Auch der Salzburg-Ring soll als abgesperrte Teststrecke für die Erprobung von Testszenarien genutzt werden. Weitere öffentliche Teststrecken sind in Planung.

"Derzeit ist es für uns wichtig, dass wir unterschiedliche Teststrecken zur Verfügung haben, um gezielt spezifische Fahrsituationen zu testen, aber auch um praktische Erfahrungen mit der Technologie im realen Einsatz zu sammeln. Eine Mischung aus abgesperrten und öffentlichen Teststrecken ist daher notwendig", so Rehrl.

Die Route in Koppl/ Salzburg Research/basemap.at Salzburg24
Die Route in Koppl/ Salzburg Research/basemap.at

Salzburger Testumgebung für automatisierte Mobilität

Die Testfahrten mit einem selbstfahrenden Minibus sind ein erster Baustein einer geplanten Salzburger Testumgebung für automatisierte, lokale Mobilität. Die Testumgebung soll digitale und physische Testinfrastrukturen bereitstellen, um selbstfahrende Fahrzeuge für den öffentlichen Personennahverkehr im Test- und Realbetrieb auf Herz und Nieren zu prüfen und systematisch weiterzuentwickeln.

"Die Frage ist nicht mehr, ob die automatisierte Mobilität kommt, sondern wie wir automatisierte Mobilität zukünftig gestalten, um ein effizientes, umweltverträgliches und leistbares Mobilitätssystem zur Verfügung zu stellen. Eine offene Testumgebung ermöglicht ein gemeinsames Lernen für alle Beteiligten, um offene Fragen rund um automatisierte Mobilität in den kommenden Jahren zu beantworten und damit eine gezielte Entwicklung zu ermöglichen und Entscheidungsgrundlagen zu schaffen", sagte Rehrl.

Offene Forschungsfragen betreffen zum Beispiel die Gestaltung des Mobilitätssystems (Wie können sich automatisierte Fahrzeuge sinnvoll in bestehende Verkehrssysteme einfügen?), die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine sowie zwischen Maschine und Maschine, die Berücksichtigung von besonderen Verkehrssituationen (große Steigungen, wechselnde Untergrundsituationen) und soziale Faktoren (Wie sicher fühlen sich die Fahrgäste?).

Links zu diesem Artikel:

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 12.11.2019 um 10:11 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/selbstfahrender-bus-in-koppl-unterwegs-55746988

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