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Wandern als Trauerhilfe

"Die Natur hat eine besondere Heilkraft"

Sonntags-Talk mit Christine Fegerl aus Mattsee

"Wenn wir mehr Zeit in der Natur verbringen würden, dann bräuchten wir sicherlich seltener einen Arzt", ist Christine Fegerl überzeugt. Die Mattseerin macht sich diese Heilkraft im Bereich der Trauerarbeit zu Nutze. Im Sonntags-Talk spricht sie über Verlust, Waldbaden und die besondere Wirkung von Kraftplätzen.

Mattsee

SALZBURG24: Wandern als Weg aus der Trauer - Wie kann man sich das vorstellen?

CHRISTINE FEGERL: Die Leute haben sich immer schon auf den Weg gemacht, wenn es ihnen nicht gut gegangen ist. Beim Wandern kommt man in Bewegung, nicht nur körperlich, sondern auch die Gedanken lösen sich. Wenn man durch die Natur wandert, schweift der Blick. Die Natur hat so viele Sinnbilder für uns auf Lager – natürlich nur wenn wir unsere Sinne dafür öffnen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die einen Verlust erlitten haben oder mental nicht gut drauf sind, sich nicht hinaus trauen, sondern sich verkriechen. In unserer Gesellschaft, in der man immer nur lachend Selfies schießt, hat Trauer oft keinen Platz. Bei meinen Wanderungen, kann man mit Menschen, die in derselben Situation stecken, zusammen sein. Man kann reden, muss das aber nicht. Jeder entscheidet selbst, ob er stumm mitgeht oder etwas von sich preisgibt. Die Natur hat selbst so eine besondere Heilkraft und beruhigende Wirkung, dass es gar nicht mehr braucht.

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Beim Wandern kommt man in Bewegung, nicht nur körperlich, sondern auch die Gedanken lösen sich, ist Fegerl überzeugt. (Symbolbild)

Wie wichtig ist gezielte Trauerarbeit?

Ich glaube es ist sehr wichtig anzuerkennen, dass es nicht nur Sonnenschein im Leben gibt, sondern auch zähe Zeiten. Jeder Trauerprozess verläuft anders und ist ganz individuell. Man kann nicht bestimmen, wann die Trauer einsetzt und wann sie wieder aufhört. Das ist etwas zutiefst Persönliches. Ich möchte einen Impuls setzen, die Trauer zuzulassen. Aus meiner Arbeit als Humanenergetikerin weiß ich, dass viele Blockaden bis hin zu körperlichen Symptomen entstehen, weil man unerwünschte Gefühle unterdrückt. Im Alltag finden diese Emotionen nicht immer Platz, man muss ihnen gezielt Räume schaffen.

Gibt es Parallelen zwischen Einsamkeit und Trauer?

Trauer gibt es nicht nur nach dem Tod eines geliebten Menschen, sondern diese Gefühle können auch nach einer Trennung oder dem Verlust des Berufs aufkommen.

Wenn uns etwas so schmerzt, dann verunsichert es unsere Umwelt. Wir ziehen uns in der Folge immer mehr zurück. Manchmal ist dieser Rückzug auch gut. Aber auf Dauer macht es das immer nur schlimmer. Wir tendieren dazu, nicht nur zu fühlen, sondern auch zu denken und steigern uns gedanklich immer weiterhinein. Bei meinen Wanderungen versuche ich das Bewusstsein auf andere Dinge zu lenken, um gedanklich vom Schmerz wegzukommen.

Wald, Bäume, Natur, SB APA/BARBARA GINDL
Ein Waldspaziergang stärkt unser Immunsystem.

Haben Natur und Wald eine heilende Wirkung?

Ja, absolut. Spätestens als ich selbst Kinder bekam, wurde mir das bewusst. Immer wenn sie sprichwörtlich drüber waren, sind wir in den Wald gegangen. Innerhalb von fünf Minuten war Ruhe. Sie sind zu sich gekommen. Auch mich selbst treibt es in schweren Zeiten raus in die Natur. Die Wissenschaft hat den Effekt des Waldbadens bereits untersucht. Die Terpene, die die Bäume absondern und wir über Haut und Atmung aufnehmen, tragen viele Botenstoffe in sich. Sie wirken beruhigend auf den Körper und haben positive Effekte auf das Immunsystem.

Es gibt auf der Welt einfach Dinge, die wir nicht greifen können. Sie sind aber trotzdem da und geben uns Kraft. Ich finde es schade, dass der Schatz Wald, den wir in Österreich so zahlreich zur Verfügung haben, so wenig genutzt wird. Wenn wir mehr Zeit in der Natur verbringen und uns dort Kraft holen würden, dann bräuchten wir sicherlich seltener einen Arzt.

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Jeder Ort kann in einem bestimmten Moment ein Kraftplatz sein, sagt Christine Fegerl. (Symbolbild)

Haben Sie einen persönlichen Kraftplatz?

Ich persönlich tue mir schwer mit den ausgewiesenen Kraftplätzen. Jeder Ort kann in einer gewissen Situation ein Kraftplatz sein. Manchmal sitzt man an einem kleinen Rinnsal und die Tränen fließen. In diesem Moment ist das ein totaler Kraftplatz. Kommt man ein weiteres Mal in einer anderen Stimmung an dieser Stelle vorbei, löst sie gar nichts aus.

Wie erkennt man einen Kraftplatz?

Ich finde es am schönsten, wenn man sich in der Natur einfach treiben lässt. Irgendwann hat man plötzlich den Impuls stehen zu bleiben. Wenn man viel unterwegs ist, geht man seine üblichen Routen. Letztes Jahr im Sommer habe ich auf einer meiner Wege in Mattsee aus einem solchen Impuls heraus eine andere Abzweigung genommen. Ich traute meinen Augen nicht, plötzlich stand ich vor einem kleinen Feld voller Herrenpilze. Und das in Mattsee, wo ich schon Jahrzehnte wohne. Seither ist das zum Beispiel einer meiner Kraftplätze.

Liebe Frau Fegerl, vielen Dank für das Gespräch!

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

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