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Sonntags-Talk

"Der Salzburgring sollte die Region stärken"

Spagat zwischen ELF und Rennsport

Normalerweise brettern PS-starke Rennboliden über den Asphalt des Salzburgrings in Plainfeld (Flachgau), von 4. bis 6. Juli verwandelt sich die Rennstrecke für tausende Feierwütige zur Event-Location des Electric Love Festivals. Im Sonntags-Talk spricht Salzburgring-Geschäftsführer Ernst Penninger über die Herausforderungen beim Auf- und Abbau des Festivals, das 50-Jahr-Jubiläum der Rennstrecke – und die Wahrscheinlichkeit, dass eine große Rennsportserie zurück nach Salzburg kommt.

Plainfeld

Ein unverkennbares Motorengeräusch dröhnt in unseren Ohren, als wir uns der Rennstrecke des Salzburgrings nähern. Die Sportwagen glühen auf dem 4,2 Kilometer langen Kurs Runde um Runde an uns vorbei und sorgen so für das entsprechende Motorsport-Feeling. Ernst Penninger empfängt uns in seinem nagelneuen Bürogebäude am Salzburgring zunächst zum Interview und nimmt sich dann Zeit für eine persönliche Führung.

SALZBURG24: Von 4. bis 6. Juli findet das Electric Love Festival 2019 am Gelände des Salzburgrings statt. Welche Herausforderung gibt es in dieser Zeit für Sie zu meistern?

ERNST PENNINGER: Natürlich ist nicht immer alles nur Show und Party, es steckt auch sehr viel Arbeit dahinter. Eine Herausforderung für uns ist das Festival in unseren aktiv laufenden Betrieb am Salzburgring einzubetten. Wir begleiten das Electric Love ja nicht nur drei Tage lang, sondern vom Auf- bis zum Abbau 22 Tage lang. Daher gilt es, den Termin des Festivals mit unseren anderen Veranstaltungen entsprechend abzustimmen. Auch der Ablauf des Festivals muss perfekt koordiniert sein.

Das Electric Love beschäftigt uns das ganze Jahr, was die Abwicklung, aber auch bauliche Maßnahmen betrifft. Es gibt jedes Jahr bestimmte behördliche Vorgaben, beispielsweise die Verbreiterung der Fluchtwege. Das heißt, wir müssen unser Areal auch immer etwas anpassen. Wir haben an Spitzenzeiten 45.000 Leute am Gelände. Im Fall der Fälle müssen diese schnellstmöglich wieder rauskommen können.

Stellen Auf- und Abbau des Festivals auf einer Rennstrecke besondere Schwierigkeiten dar?

Ja. Unser Team muss beim Aufbau jeder Bühne, jedes Standes und jedes Tisches vor Ort sein, um sicherzustellen, dass alles für das Festival passt und gleichzeitig die Rennstrecke keinen Schaden nimmt.

Auf der Rennstrecke stehen massive Gewichte während des Festivals. Bei Temperaturen um 30 Grad wird der Asphalt wie Kaugummi. Wenn dann beim Aufbau Fehler gemacht wurden, hast du einen Schaden auf der Strecke, der hohe Kosten verursachen kann.

Wieso passt der Salzburgring als Festivalgelände?

Ich würde nicht unbedingt sagen, dass er passt. Aufgrund ihrer Beschaffenheit ist die Location sehr anspruchsvoll. Man braucht sehr viel Verständnis aller Mitwirkenden und Anrainer. Warum passt er aber doch? Weil der Salzburgring mit der Natur herum, eingebettet in einen Kessel, einzigartig ist. Das hat was. Das kannst du auf einem flachen Festivalgelände so gar nicht hinbekommen.

Die oberste Priorität hat die Sicherheit aller. Ich denke daher, dass das Festival auch nicht mehr massiv wachsen können wird, weil wir einfach an der Grenze dessen sind, was der Kessel schlucken kann.

Ein Riesenthema ist natürlich auch der Müll. Wir sind leider eine Wegwerfgesellschaft. Ich bin letztes Jahr nach dem Festival in den Camping-Zonen gewesen und habe gesehen, wie es dort aussieht. Dabei ist mir bewusst geworden, was wir hier alles mitverantworten. Klar, nach einem Monat ist die Wiese wieder grün, aber in dem Moment siehst du einfach ein Schlachtfeld. Und da muss man natürlich kritisch hinsehen und sich die Frage stellen, ob man das jedes Jahr so haben möchte.

Das heißt, es wird jedes Jahr vom Salzburgring neu evaluiert, ob man das Festival wieder ausrichten möchte?

Für uns ist es ein sehr interessantes Event und für den Salzburgring einzigartig. Wir als Salzburgring haben aber eine klare Botschaft: Solange Gemeinden, Behörden und alle Mitwirkenden hinter dem Festival stehen, wird das auch der Salzburgring tun. Würde sich die Meinung ändern, dann werden wir nicht dastehen und sagen: Das muss sein. Das wissen auch die Veranstalter.

Was passiert am Salzburgring, wenn er nicht gerade das Electric Love Festival beherbergt?

Wir haben ein Ganzjahresprogramm und sind rund 200 Tage im Jahr gebucht. Das geht über Fahr- und Fahrsicherheitstrainings über Track Days für Automobilclubs, Fahrzeugentwicklung bis hin zu Events. Dazwischen haben wir die eine oder andere Rennveranstaltung.

Das heißt, der Betrieb ist sehr vielschichtig und für unser elfköpfiges Team jeden Tag anders. Daher ist für uns jeder Tag eine neue Herausforderung. Mein Part ist, den Ring zu führen. Dazu zählen wirtschaftliche Entscheidungen, wo investiert und wo eingespart werden muss. Außerdem bin ich dafür verantwortlich, das Team aufzustellen und abzustimmen.

Sonntags-Talk Salzburgring-Geschäfsführer SALZBURG24/Wurzer

Wie steht der Salzburgring wirtschaftlich da?

Der Salzburgring muss sich selbst finanzieren. Der Grundbesitzer ist zwar das Land Salzburg, aber wir bekommen nicht einen Euro an öffentlichen Geldern. Das wurde in einem Vertrag aus 1969 so festgelegt. Das heißt: Alles, was wir heute am Salzburgring haben, haben wir selbst erwirtschaftet. Wir haben schon Werbepartner, aber grundsätzlich ist hier jeder Euro hart erarbeitet.

Der Salzburgring ist eine der wenigen Rennstrecken, die wirtschaftlich gesund sind. Er darf auch keine Verbindlichkeiten haben, das ist eine Vorgabe.

Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz wurde einmal nachgesagt, Interesse am Kauf der Rennstrecke zu haben. Was ist da dran?

Es gab vor drei, vier Jahren die Überlegung vonseiten des Landes, den Salzburgring zu verkaufen. Als Käufer hat man sich Red Bull gewünscht, das die Rennstrecke wiederbeleben und in den heutigen Rennsport zurückholen hätte sollen. Gescheitert ist der Verkauf aber an verschiedenen Faktoren. Unter anderem hätten einige Grundeigentümer rund um den Ring große Flächen abtreten müssen – und das war am Ende zu kompliziert.

Um den Salzburgring in den modernen Rennsport zurückzuholen, hätte es eines enormen Investments bedurft. Am Ende hat man aufgrund der Nachhaltigkeit und auch der Rechtssicherheit von einem Verkauf abgesehen.

Mit Dietrich Mateschitz verbindet uns aber eine lange Freundschaft und es gibt zwischen dem Salzburgring und Red Bull eine Sponsoring-Partnerschaft. Der Konzern hat den Salzburgring als eine der erste Werbeplattformen genutzt, Red Bull hat auch immer wieder Veranstaltungen subventioniert.

Hegen Sie die Hoffnung, dass künftig wieder eine große Rennsportserie, wie die MotoGP oder die Formel 1, am Salzburgring Station macht?

Wir verfolgen das langfristige Ziel, eine große Rennserie wieder nach Salzburg zu holen. Wir sind in Gesprächen mit der DTM, allerdings ist es für uns bautechnisch nicht so leicht entsprechende Maßnahmen kurzfristig durchzuführen, weil wir einen ständigen Betrieb auf der Strecke haben. Dazu kommt es durch den doch immer wieder harten Winter zu Phasen, in denen wir nicht bauen können.

Somit ist es ein mittelfristiges Ziel von uns geworden, den Ring streckentechnisch zu modernisieren, um Rennserien wie die DTM wieder zu bekommen. Die Formel 1 oder die MotoGP sind aber undenkbar. Wir hatten einmal den Plan, die DTM 2020 hierherzuholen, müssen aber heute erkennen, dass wir Herausforderungen haben, die wir nicht so schnell lösen können. Wir wollen hier lieber nachhaltig und ordentlich umbauen.

Das Gelände, eingebettet in diesem Kessel, ist der größte Vorteil, aber auch der größte Nachteil. Die Rennstrecke kann deswegen nicht mehr wachsen.

Was müsste modernisiert werden?

Es geht rein um die Sicherheit. Die Sicherheitszone am Ausgang der rechten Seite der Start-Ziel-Geraden ist für eine moderne Rennserie nicht mehr ausreichend. Dazu kommt die ominöse Fahrerlagerkurve – immer noch eine der schnellsten Kurven weltweit – das ist ebenso ein Bereich, wo das Kiesbett nach außen erweitert werden müsste.

Der Salzburgring wurde 1969 eröffnet, feiert heuer sein 50. Jubiläum. Was ist geplant?

Unser Jubiläum werden wir am 3. und 4. August feiern. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, die Rennstrecke ins Abseits zu stellen und dafür die Besucherinnen und Besucher etwas erleben zu lassen. Es wird ein Volksfest geben, bei dem wir den Ring zwei Tage lang für jedermann kostenlos öffnen werden.

Wir werden eine Wirtschaftsmesse der regionalen Betriebe in den 18 Boxen haben, dazu werden sich Rettung, Feuerwehr, Polizei und Bundesheer präsentieren. Es wird Rennautos zum Anschauen geben, Vorführungen von KTM, es wird ein großes Bierzelt mit Trachtenmusik und ein Kinderprogramm geben. Um den Ring herum fahren die Fahrschulen des Landes Salzburg, das heißt, Jugendliche können mit einem Fahrlehrer eine Runde um den Salzburgring drehen.

Das komplette Fest steht im Zeichen der Region, der Gemeinden und Vereine. Es wirken alle Vereine aus den Nachbargemeinden Plainfeld, Koppl und Hof mit, denen der Reinerlös zugutekommen wird. Sie waren der Grund, wieso der Salzburgring gebaut worden ist. Er sollte die Region stärken.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 23.07.2019 um 07:13 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/sonntags-talk-mit-salzburgring-boss-ernst-penninger-spagat-zwischen-elf-und-rennsport-71869258

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