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"Kinder sind nicht schuld, dass sie bei uns sind"

Kinderdorf-Mutter über Beruf und Berufung

Gudrun Auer, SOS Kinderdorf SALZBURG24/POSCH
Gudrun Auer lebt mit ihrer Familie im SOS-Kinderdorf in Seekirchen.

Rund um Weihnachten herrscht bei Gudrun Auer und ihrem Mann Roland viel Trubel. Zu den fünf eigenen Kindern kommen nochmals fünf angenommene Kinder dazu. Die Auers leben als SOS-Kinderdorf-Familie in Seekirchen (Flachgau). Uns hat die 54-Jährige einen Einblick in ihren Alltag gewährt.

Seekirchen am Wallersee

Spaziert man durch die Hermann-Gmeiner-Straße in Seekirchen wirkt es bunt und familienfreundlich. Insgesamt sieben Familien wie die Auers leben hier. "Von einer normalen Siedlung unterscheidet es sich, weil wir hier auch eine pädagogische Unterstützung haben. Wir leben quasi in einer professionellen Dorfgemeinschaft", erklärt Gudrun im Gespräch mit SALZBURG24. Auch betreute Wohngemeinschaften gibt es. Rund 50 Kinder und Jugendliche sind hier daheim – manche können wieder zurück zu ihren leiblichen Eltern, manche bleiben bis sie erwachsen sind.

"Ein Leben zu zweit hatten wir nie"

Vor fünf Jahren hat die Familie Auer hier im SOS-Kinderdorf in Seekirchen eines der Häuser bezogen. Es ist nun sowohl ihr Zuhause, als auch Arbeitsstätte für Mutter Gudrun. Nachdem die eigenen Kinder "aus dem Gröbsten draußen" waren, wie die 54-Jährige sagt, hätten sich ihr Mann und sie dazu entschlossen, ins Kinderdorf zu ziehen. Bereits früher hatte sie immer wieder Kinder in Kurzzeitpflege oder zur Betreuung bei sich zuhause. Inzwischen leben fünf Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren bei ihnen. "Sie sagen Mama zu mir, wissen aber sehr wohl, dass sie auch eine 'Bauchmama' haben", erzählt sie.

Gudrun und Roland Auer kennen es gar nicht anders, wie die 54-Jährige schmunzelt. Als Patchwork-Familie hätten sie sich vor 20 Jahren bereits mit einer Schar Kindern kennengelernt. "Wir waren von Beginn an zu siebt, ein Leben zu zweit hatten wir nie", so Gudrun.

"Kinder trifft niemals die Schuld"

Im Kinderdorf stand das Ehepaar allerdings vor neuen Herausforderungen als Großfamilie. "Die kleinen Menschen kommen bei uns ja mit einem großen Rucksack an Vorbelastungen an. Sie hatten meist traumatische Erlebnisse in jüngster Kindheit", so die 54-Jährige, "und ein Trauma hat nachweislich negative Auswirkungen auf die Entwicklung eines Kindes." Neben einem normalen Familienalltag gibt es deshalb auch Betreuungs- und Therapieangebote. Die Entscheidung, ob ein Kind hierher kommt, trifft das Jugendamt. Die Gründe sind vielfältig. "Die Kinder trifft aber niemals eine Schuld", stellt Gudrun klar.

Vor exakt fünf Jahren – mitten in der Adventszeit – nahm sie mit Ehemann Roland vier Geschwister im Alter zwischen zwei und fünf Jahren bei sich auf. Die Mutter war kurz davor an einer schweren Krankheit gestorben. "Diese Zeit ist bei uns immer ein bisschen schwierig", berichtet sie aus dem Alltag. Die Erinnerung an die Mama der Kinder wird bei den Auers bewahrt und hochgehalten. Im Wohnzimmer ist ein kleiner Platz eingerichtet. Dort hängen Bilder und die Kinder haben Zeichnungen hingelegt. "Manchmal setzen wir uns davor hin und singen etwas für die Mama", erzählt Gudrun. Die Kinder hätten auch Kontakt zu ihren leiblichen Verwandten. "Das empfinde ich als sehr wichtig. Die Kinder identifizieren sich ja mit ihrer Herkunftsfamilie, nicht mit mir", weiß die 54-Jährige.

Mutter sein als Lebensberufung

So hat das fünfte Kind der Auers sogar engen Kontakt zur eigenen Mama. "Sie kommt regelmäßig zu uns und ist auch an allen Familiengeburtstagen und Weihnachten mit dabei", erzählt Gudrun. Das Mädchen war mit eineinhalb Jahren in die Familie gekommen, weil die damals minderjährige Mutter mit der Situation überfordert war. Das Ziel ist es, dass Mutter und Tochter wieder zusammenleben können. Aber ist so ein Abschied nicht schwierig? "Wenn ich in solchen Fällen klammern würde, hätte ich wohl den falschen Beruf", ist sich Gudrun bewusst. Sich um Kinder zu kümmern, empfindet die Salzburgerin eher als Lebensberufung. Das Mädchen und ihre Mama würden auf jeden Fall weiterhin zur Familie gehören, so die Kinderdorf-Mutter: "Sie haben beide einen festen Platz in unseren Herzen."

Familien-Weihnachten im SOS-Kinderdorf

Aber jetzt steht erst einmal Weihnachten am Programm. Gefeiert wird mit der ganzen Familie – ob leiblich oder nicht – im Wohnzimmer ihres Hauses in der Hermann-Gmeiner-Straße. "Der Raum platzt dabei fast aus allen Nähten, wenn wir zu 15. am Tisch sitzen", schmunzelt Gudrun. Das soll sich auch nicht ändern, wenn die Kinderdorf-Mutter einmal in Pension geht. "Dann müssen wir zwar aus dem Dorf ausziehen, aber ich hoffe, ich darf auch noch die Kinder meiner Kinder betreuen",  blickt die 54-Jährige mit einem Strahlen in den Augen in die Zukunft.

(Quelle: SALZBURG24)

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