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Paradies im eigenen Garten

Für Streuobstwiesen braucht es Generationen-Denken

Obstbäume in Salzburg voll im Trend

Der Bestand der Streuobstwiesen ging in Salzburg in den letzten 50 Jahren zwar deutlich zurück, erfährt aber aktuell eine regelrechte Renaissance. Jeder Gartenbesitzer kann seinen Beitrag leisten und dadurch die Biodiversität fördern. Belohnen kann man sich schließlich mit veredelten Köstlichkeiten aus eigenem Anbau.

Faistenau

„Streuobstbestände sind ein Teil der Kulturlandschaft. Aber ihr Weiterbestand ist nur gesichert, wenn sie gepflegt und bewirtschaftet werden“, weiß der Salzburger Landesobmann der Obst- und Gartenbauvereine, Josef Wesenauer. Umso größer die Freude des Faistenauers, dass diese Wiesen in allen Größen mit Obstbäumen immer beliebter werden. Sie fördern die Artenvielfalt und erfreuen ihre Gärtner mit süßen Leckerbissen. Am 29. April ist Internationaler Tag der Streuobstwiesen, an dem in Salzburg an drei Standorten gezeigt wird, wie man sie anlegt und pflegt.

 

Internationaler Tag der Streuobstwiesen

Beratungen und Führungen am Internationalen Tag der Streuobstwiese gibt es zwischen 14 und 17 Uhr an folgenden Standorten:

  • Fam. Josef Wesenauer: Rosenleherstraße 11, Faistenau
  • Fam. Elisabeth Hölzl: Ortnergut, Hauptstraße 21, Eben
  • Fam. Johann Schiefer: Bruckdorf 608, Mariapfarr

Streuobst ist heiß begehrt

Als einer der wenigen hauptberuflichen Baumwarte in Salzburg kommt Wesenauer in allen Gauen herum und bemerkt, dass Obstbäume bei den Salzburger:innen immer beliebter werden. Aber nicht nur eigene kleine Wiesen oder Gärten zu bewirtschaften liegt hoch im Kurs, sondern auch das Streuobst selbst. „Die Nachfrage ist sehr groß, auch weil es eher selten ist und im Vergleich zum Obst im Supermarkt deutlich besser schmeckt“, so Wesenauer bei einem Pressegespräch auf seinem Hof in Faistenau (Flachgau). Dort kümmert er sich um zirka 60 verschiedene Obstbäume.

 

Ziegen nehmen Arbeit ab

„Die Pflege ist überschaubar. Der größte Aufwand ist die Ernte, aber es lohnt sich“. Auf der großflächigen Wiese auf seinem Hof grasen Ziegen um die Bäume. Sie vertreiben mit ihrem Getrampel Mäuse, vertilgen herabfallende Blätter und sogar kleine Äste und nehmen somit einen Teil der Arbeit ab. „Die Pinzgauer Ziege auf einer Streuobstwiese ist für mich die beste Kombination“, schwärmt der Teilzeit-Landwirt beim Rundgang durch sein kleines Paradies.

Biologische Vielfalt fördern

Mit über 5.000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten zählen Streuobstwiesen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas, weiß die ARGE Streuobst zu berichten. Darunter finde man auch vom Aussterben bedrohte Kulturvogelarten wie den Wendehals oder Wiedehopf. Durch herabfallendes Obst wird auch der Boden gedüngt, was dem gewaltigen Wurzelsystem der Bäume wieder Nährstoffe liefert. „Und das schmeckt man dann“, lacht der Flachgauer.

 

Streuobstwiesen akut gefährdet

Daher beklagt die Arbeitsgemeinschaft den Rückgang der stark gefährdeten Lebensräume in den letzten 50 Jahren. Vor 1960 gab es in Österreich noch zirka 35 Millionen großkronige Obstbäume in der Landschaft. Heute seien es nur mehr zirka 4,5 Millionen. Oft seien die Bäume auch überaltert und aufgrund mangelnder Pflege in einem schlechten Zustand. Aber es sei eine Trendumkehr spürbar.

Junge Landwirte entdecken Streuobstwiesen für sich

„Früher dachten die Bauern, dass Obstbäume keinen Ertrag, nur Arbeit bringen. Dadurch ist viel Wissen um die Bäume und Pflege verlorengegangen“, erzählt der Baumwart. Es gab einen Generationen-Schnitt. Erst jetzt würden junge Landwirte wieder auf Streuobst setzen. Da Kunden mittlerweile gutes Geld für Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Co. bezahlen, lohne sich die Bewirtschaftung. Zudem seien auch die veredelten Produkte wie Marmelade, Schnaps und Säfte heiß begehrt. „Mit drei Hektar Streuobstwiese könnte ich sogar im Vollerwerb davon leben“.

 

Generationen-Denken gefragt

Allerdings ist ein wenig Geduld gefragt. Denn es dauert einige Jahre, ehe die Bäume den gewünschten Ertrag liefern. „Den Wert wird erst die nächste Generation haben“, so der Baumwart. Gute und fachmännische Pflege sind die Voraussetzung dafür. Zudem rät Wesenauer zu einer großen Vielfalt, für die es auch Landesförderungen gibt. Ein wenig bekrittelt der Experte, dass in den Landwirtschaftsschulen diese Form der Bewirtung noch zu wenig Platz in den Lehrplänen finde. Es gehe zu sehr um die Wirtschaftlichkeit bzw. effektiven Ertrag.

Genaue Zahlen, wie viele Streuobstwiesen es im Land Salzburg derzeit gibt, sind allerdings nicht bekannt. Alle öffentlichen Streuobstwiesen in der Stadt Salzburg findet ihr HIER.

Bewusstsein für kleine Paradiese schaffen

Während der Obmann der ARGE Streuobst, Hans Hartl, beim Pressegespräch von den zahlreichen positiven Effekten dieser Bewirtschaftung schwärmt, betont er immer wieder, wie wichtig es sei, die Wertschätzung dafür aufzuzeigen. „So eine Wiese mit blühenden Obstbäumen ist ein kleines Paradies. Wir haben es vor der Nase, müssen dafür nur die Augen aufmachen!“

(Quelle: SALZBURG24)

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