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Oft übersehene Bedürfnisse

Wieso Salzburg ein Frauen-Gesundheitszentrum braucht

Unterstützung bei Herausforderungen im Leben

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Frauen und Mädchen können sich mit Gesundheitsbelangen an das Salzburger Frauengesundheitszentrum wenden. (SYMBOLBILD)

Bei Gesundheitsfragen haben Frauen oft andere Bedürfnisse oder Probleme als Männer. Inwiefern auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dazu beitragen und wie wichtig ein Frauengesundheitszentrum in Salzburg deshalb ist, haben wir recherchiert.

Ein Herzinfarkt kann sowohl Frauen, als auch Männer treffen. Jedoch würden Frauen häufiger daran sterben, da sie aufgrund von anderen Symptomen eine spätere Behandlung bekämen, prangert die Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums Salzburg (FGZ), Aline Halhuber-Ahlmann, im Interview mit SALZBURG24 an. „Die speziellen Lagen von Frauen werden wissenschaftlich weder in der Forschung, noch in der Diagnostik oder Therapie berücksichtigt.“

 

Was macht Frauen-Gesundheitszentrum?

Die Expertinnen beschäftigen sich also nicht ausschließlich mit jenen Bereichen, die vordergründig „Frauenthemen“ sind. Neben der Aufklärung über Herzinfarkte hat sich der Verein auch der Information über die Wirksamkeit verschiedener Medikamente oder der Unterstützung beim Umgang mit psychischen Problemen, chronischen Krankheiten oder anderen Lebensherausforderungen verschrieben. „Das Frauengesundheitszentrum berücksichtigt alle Gesundheitsbelange, die Frauen anders, häufiger oder mit anderer Symptomatik betreffen“, fasst Halhuber-Ahlmann zusammen.

 

Essstörung betrifft Mädchen und Frauen

Ein weiteres präsentes Thema seien Essstörungen. „Mädchen werden mehr nach ihrem Sein bewertet, nicht nach ihrem Tun.“ Deshalb würden diese oft zum Beispiel an ihrem Aussehen „herumdoktern“. Von Magersucht seien mehr junge Mädchen betroffen, meist würden die Eltern hier eine Beratung in Anspruch nehmen. Bulimie sei von außen häufig nicht erkennbar, auch Erwachsene hätten damit zu kämpfen. Obwohl Essstörungen auch bei Burschen zunehmen würden, äußere sich diese auf verschiedene Arten. Jungen würden eher unrealistischen Bodybuilding-Zielen hinterhereifern, während Mädchen oft versuchen würden, möglichst schlank zu sein, merkt Halhuber-Ahlmann an.

Ergebnisoffene Beratungen

Auch bei Schwangerschaftskonflikten können sich Frauen Hilfe holen. „Ganz wichtig ist, dass alle Beratungen ergebnisoffen sind. Wir sagen den Frauen nicht, was sie tun sollen. Sie sollen mit ihren Entscheidungen gut leben können.“

Unterstützung in Stadt und Land Salzburg

Um Mädchen und Frauen bei ihren Entscheidungen rund um ihre körperliche und psychische Gesundheit zu unterstützen, werden zusätzlich zu Beratungen auch Workshops, Vorträge oder Diskussionen angeboten. Im Jahr 2020 habe es rund 500 Beratungen gegeben, die eine Hälfte davon hätte Frauen aus der Stadt betroffen, die andere sei aus den ländlichen Regionen gekommen.

Die Angebote seien niederschwellig, kostenlos und anonym und sowohl in Präsenz mit 3-G-Regel und Maske, als auch online möglich. Gerade in Dörfern bestehe oft die Sorge, dass zu viele Menschen mitbekommen, wenn man sich Hilfe sucht, weiß Halhuber-Ahlmann. Deshalb hätten der Standort in der Landeshauptstadt und die Online-Option gewisse Vorteile. Dennoch werden auch Regionentage mit Workshops vor Ort angeboten.

Angebote für Lebens-Herausforderungen

Grundsätzlich sind die Angebote auf die Lebensherausforderungen in verschiedenen Phasen ausgerichtet.

  • Jugend/Pubertät
  • Mutterphase
  • Wechseljahre
  • Höheres Alter

Umfeld kann „schwierig“ sein

Je nach Phase würden sich die Bedürfnisse unterscheiden, erklärt die Geschäftsführerin des FGZ. In der Pubertät sei vor allem die erste Periode und die Tabuisierung des weiblichen Körpers ein wichtiges Thema. Mütter hätten oft mit massiven Zeitproblemen zu kämpfen. Und Frauen in den Wechseljahren würden oft als „schwierig“ dargestellt. „Dabei sind es oft die Bedingungen und das Umfeld, was schwierig ist.“

 

Druck auf politischer Ebene

Neben der individuellen Gesundheit setzt sich der Verein also auch für eine Verbesserung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ein. „Wir wollen uns auf die Seite der Frauen stellen und sie unterstützen. Natürlich sind wir da parteilich und machen der Politik auch Druck.“ Denn nicht jede Frau habe die Möglichkeit, ihre Lebensbedingungen so zu wählen, dass sie ihrer Gesundheit förderlich sind.

Grundsätzlich richten sich die Angebote des Frauengesundheitszentrums an alle Frauen und Mädchen, die Unterstützung brauchen. Eine Gruppe sei aber besonders schwer zu erreichen: Junge Frauen aus der Lehre oder polytechnischen Schulen. „Wir haben das Gefühl, dass sie schnell im Berufsleben sind und dort oft zu kurz kommen.“ Dem wolle man künftig noch stärker entgegenwirken, betont Halhuber-Ahlmann abschließend.

(Quelle: SALZBURG24)

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