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Ressourcen fehlen

Andrang auf Männerberatung in Salzburg groß

Alte Rollenbilder, neue Probleme

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Dass Männer stark sein müssen, sie keine Gefühle haben dürfen, ist auch heute noch in der Gesellschaft verankert. Das bringt für die Männer neue Herausforderungen, mit denen nicht jeder umgehen kann. (SYMBOLBILD)

Wenn Männer zu Frauenmördern werden, ist das Spitze des Eisberges eines monströsen gesamtgesellschaftlichen Problems. Die zwölf Frauenmorde dieses Jahr in Österreich zeigen, was in der Vergangenheit in Sachen Aufklärung, Prävention und Gewaltschutz eben nicht passiert ist. Und das, obwohl die Anfragen in der Männerberatung in Salzburg übergehen.

Die jüngsten Morde zweier Frauen in Wals im Flachgau haben Salzburg über die Grenzen hinaus erschüttert. Es hagelte Kritik an der Gewaltprävention, Opferschutz sowie Frauen- und Mädchenberatungsstellen forderten mehr Mittel. Und auch die Männerberatung rückte in der Diskussion wieder mehr in den Mittelpunkt – denn sie ist es, die am nächsten an den gewaltbereiten Männern dran ist.

3.000 Beratungsstunden im Jahr

Das Männerbüro in der Stadt Salzburg und Hallein (Tennengau) sowie die Männerwelten, ebenfalls in der Stadt Salzburg, und im Pinzgau vertreten, beraten die Männer in den unterschiedlichsten Belangen – angefangen von Beziehungsproblemen, finanziellen Schwierigkeiten bis hin zur Gewaltberatung und Gewaltarbeit. Gemeinsam kommen sie auf rund 3.000 Beratungsstunden (darunter ein großer Teil in der Gewalt- und Aggressionsberatung) und bis zu 800 Klienten pro Jahr. Und es könnte das Dreifache mehr sein. „Der Andrang auf unsere Beratungseinrichtungen ist enorm, aber es fehlen uns die personellen wie finanziellen Ressourcen dafür“, so Martin Rachlinger vom Männerbüro am Dienstag im SALZBURG24-Interview. 

Corona brachte mehr Anfragen

Gerade im Corona-Jahr 2020 hätten sich die Anfragen deutlich gehäuft. Es seien in den Familien vermehrt oft schwierige Situationen entstanden und die Männer wussten nicht mehr, wo sie hinsollten. Ähnlich beurteilt der Leiter der Salzburger Männerwelten die derzeitige Situation: „Allein im Jahr 2020 gab es bei uns 260 neue Kontakte“, schildert Harald Burgauner gegenüber S24. Und dabei seien Selbstmelder, also Männer, die sich ohne Druck seitens der Behörden, sondern von sich aus, an die Beratungsstellen wenden, „nicht so selten, wie wir glauben“. So sei es ein Mythos, dass Männer keine Hilfe annehmen. Außerdem werde oft vergessen, dass Gewaltbereitschaft nicht einer bestimmten Gruppe oder sozialen Schicht zuordenbar ist. „Gewalttätige Männer gibt es in allen sozialen Schichten und  hängt weder von der Bildung, dem Status noch von der Nationalität ab.“

"Ein Indianer kennt keinen Schmerz"

Als ein zentrales Thema, das in der Männerberatung immer wieder – und mit Corona wohl noch deutlicher – an die Oberfläche steigt, seien die Rollenbilder. „Auch wenn nicht mehr so extrem wie vor 20 Jahren, so wird auch heute immer noch transportiert, dass Männer stark sein müssen, sie keine Gefühle zeigen dürfen –  ganz nach dem Motto: ‚Ein Indianer kennt keinen Schmerz‘“, weiß Rachlinger. Dieses Bild sei in der Gesellschaft nach wie vor tief verankert. Und hier gelte es in der Präventionsarbeit unter anderem anzusetzen.

„Frauenmorde wird man nie komplett verhindern können, auch wenn man gemeinsam alles dagegen unternimmt“, sagt Rachlinger. Das zeigen auch die aktuellen Fälle. Denn bei diesen Femiziden handle es sich um Täter, die in der Regel nicht in eine Beratungsstelle kommen.

Kraftakt gelingt nur gemeinsam

So kann es nur ein gemeinsamer Kraftakt von Politik, Justiz und Gesellschaft werden, ein Umdenken in den Köpfen der Menschen im Sinne eines nachhaltigen Gewaltstopps zu erreichen. Frauen- und Männerberatungsstellen fordern mehr Geld  – und dass diese Forderung zurecht ist, zeigt der Andrang auf diese Einrichtungen. so fordern Gewaltschutzorganisationen 228 Millionen Euro im Jahr für eine Ausweitung und längerfristige Absicherung ihrer Arbeit und zusätzlich rund 3.000 neue Arbeitsstellen im Opferschutz. Und es gibt mehr Geld für den Gewaltschutz, nämlich 24,6 Millionen zusätzlich als Sofortmaßnahme. Das habt die Regierung heute nach dem Ministerrat bekannt gegeben.

Und nicht zuletzt, bleiben auch die Medien gefordert das Thema „Gewalt an Frauen“ auch dann zu beleuchten, wenn nicht gerade ein Frauenmord in Österreich passiert ist. 

Frauen dürfen nicht länger zu Opfern einer überholten Vorstellung von Männlichkeit werden. Die Männerberatung spielt...

Gepostet von Alma Zadić am Dienstag, 11. Mai 2021

Statistische Hintergründe zu Frauenmorden in Österreich

Im Jahr 2020 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik insgesamt 31 Frauen – häufig von ihren (Ex-) Partnern – ermordet. Im Jahr 2018 gab es einen Höchststand von 41 Femiziden, eine Verdoppelung im Vergleich zu 2014. 2021 zählt bis heute bereits zwölf Morde an Frauen. Hier findet ihr eine Chronologie der Ereignisse.

 

Zahl der Frauenmorde nicht nur in Österreich hoch

Österreich ist das einzige Land in der EU, das im Zeitraum mit den aktuellsten EUROSTAT-Daten von 2016 bis 2018 durchgehend einen größeren Anteil von Frauen unter den gesamten Mordopfern hatte als Männer. Auch im Jahr 2014 und 2011 kam es zu einer derartigen Gewichtung. Allerdings muss hier erwähnt werden, dass in den Jahren von 2009 bis 2018 Österreich nur im Jahr 2017 das einzige Land unter den ausgewerteten Ländern mit einer solchen Statistik war.

Neben Österreich gab es im Jahr 2018 auch in Lettland, Malta und der Schweiz einen größeren Anteil an weiblichen Mordopfern, in Ungarn und Slowenien war das Verhältnis gleich. In der Schweiz war der Anteil der weiblichen Opfer mit 28 von 50 Mordopfern größer als der in Österreich mit 44 Frauen unter 86 Mordopfern.

Die wichtigsten Beratungsstellen in Überblick

  • Gewaltschutzzentrum, Tel.: 0662 870100
  • Männerbüro Stadt Salzburg und Hallein, Tel.: 0662 8047-7552 (Montag, 10-13 Uhr und Donnerstag, 9-12 Uhr) und Tel.: 0676 8746-7552 (DI + MI von 10 bis 16 Uhr)
  • Männerwelten Stadt Salzburg, Tel.: 0662 88 34 64 (DI, MI + DO von 12 bis 13 Uhr und von MI von 17 bis 18 Uhr)
  • Männerwelten Pinzgau, Tel.: 0664 8000 6 8039 (DI, MI + DO von 12 bis 13 Uhr und MI von 17 bis 18 Uhr)
(Quelle: SALZBURG24)

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