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Blick auf Sommermonate

Salzburgs freie Kulturszene erwartet Überangebot

Schauspieler und Co befürchten geringe Ticket-Einnahmen

Leerer Theatersaal, Kino, Veranstalltungen, SB Pixabay
Der freien Kulturszene in Salzburg macht die Corona-Krise schwer zu schaffen. Nun hofft man auf die Sommermonate. (SYMBOLBILD)

Die Corona-Krise trifft die freie Szene von Kunst- und Kulturschaffenden in Salzburg hart. Vor welchen Herausforderungen die Betroffenen stehen und welche Möglichkeiten es für das Jahr 2021 trotz der Pandemie gibt, erklärt Schauspielerin Sonja Zobel im Interview mit SALZBURG24.

Die Planung für das Jahr 2021 stellt die freie Kulturszene in Salzburg vor eine riesige Herausforderung. Im vergangenen Jahr wurde ein Großteil der Veranstaltungen abgesagt. Ob diese heuer nachgeholt werden können, steht in den Sternen, erklärt Sonja Zobel im Gespräch mit S24: „Es gibt Projekte, die bereits seit März 2020 immer wieder verschoben wurden und jetzt für den Frühling 2021 geplant sind. Ob es diesmal klappt, kann niemand mit Gewissheit sagen.“

Einnahmen durch Ticketverkäufe weggebrochen

Weil momentan keine Aufführungen stattfinden, fehlen auch die Einnahmen von Kartenverkäufen, die aber dringend benötigt werden, um beispielsweise Schauspieler, Regisseure oder Bühnenbild zu bezahlen. „Jetzt im Jänner fallen die Einnahmen bei mir zum Beispiel komplett weg. Die finanzielle Unterstützung, die ich als Privatperson aufgrund der Corona-Krise bekomme, hilft mir sehr. Für meinen Kulturverein hingegen sieht es sehr düster aus. Er kämpft wirklich um das Überleben, obwohl ich das Geld, das ich bekomme, dort wieder hineinstecke“, schildert die Salzburgerin, die einerseits als Schauspielerin für Projekte angefragt wird und andererseits mit ihrem Verein das Wolfgangseer Sommertheater als Produzentin organisiert.

Im Frühling und Herbst rechnet Zobel mit geringen Besucherzahlen. Selbst dann, wenn es gesetzlich erlaubt ist. „Das haben wir vergangenen Herbst schon gemerkt. Viele Menschen sind einfach unsicher und trauen sich aufgrund der Infektionszahlen nicht, zu Veranstaltungen zu gehen. Man will denen, die kommen, aber trotzdem etwas bieten und man möchte als Künstler ja auch arbeiten. Wenn wir aber vor so wenigen Zuschauern spielen, reichen die Einnahmen oft nicht aus, um alle Kosten abzudecken.“

 

Überangebot im Sommer möglich

Die meisten Projekte werden deshalb im Sommer geplant, denn wenn die Situation sich wie 2020 entspannt und die Covid-Zahlen sinken, sei mehr möglich. Das führe aber schon wieder zum nächsten Problem: „Ich befürchte, dass es dann ein Überangebot geben wird und weniger Besucher kommen. Das würde für uns dann wieder geringere Ticket-Einnahmen bedeuten.“

Ungewissheit in Salzburgs freier Kulturszene 

Die große Ungewissheit sei extrem herausfordernd: „Ich glaube, die Kulturszene fühlt sich schon letztgereiht. Wir wollen ja spielen, aber wir erfahren vieles erst aus den Medien. Kein Mensch weiß, was nach dem Ende des Lockdowns sein wird. Im Februar hätten wir ein Gastspiel in Tirol, derzeit rechnen wir schon noch damit, dass es stattfinden kann, aber das kann sich jederzeit ändern.“ Zudem sei es schwierig, schnell auf kurzfristige Öffnungsschritte zu reagieren. Für ein Stück seien Proben von mehreren Wochen nötig, man könne also nicht von heute auf morgen mit Aufführungen beginnen.

Kleine Vereine leiden am meisten unter Corona

Im ganzen Bundesland zählt der Dachverband der Salzburger Kulturstätten derzeit 76 Mitglieder, 43 davon sind städtische Initiativen und 33 aus dem ländlichen Raum. Der Verband fungiert als Netzwerk und vertritt die Interessen der freien zeitgenössischen, emanzipatorischen und autonomen Kulturarbeit im ganzen Bundesland. Mit freier Kulturszene ist übrigens nicht gemeint, dass die Beteiligten kein Geld damit verdienen. Vielmehr bedeutet „frei“ in diesem Zusammenhang unabhängig, offen und kritisch.

Vor allem die kleinen Theatervereine, in die die Menschen aber ihr ganzes Herzblut stecken, schaffen es womöglich nicht aus der Krise, nimmt Zobel an. „Ich habe auch einige Kollegen, die gerade den Beruf wechseln. Viele befürchten nämlich außerdem, dass die Zukunft nicht gerade rosig aussieht und womöglich die Kulturförderung in der freien Szene immer weiter zurückgefahren wird. Dabei wäre es gerade wichtig, neben großen Institutionen wie den Salzburger Festspielen noch weitere Angebote zu haben“, erklärt die Schauspielerin.

Grundoptimismus trotz allem wichtig

Trotz allem bleibe ein Grundoptimismus, ohne den es auch kaum möglich wäre, Kunst und Kultur zu schaffen. In Richtung des Sommers blickt die Salzburgerin recht zuversichtlich, den Herbst sieht sie hingegen kritisch. Weil der Impfprozess doch recht lange dauere, rechnet sie noch längere Zeit mit Einschränkungen. Trotzdem gibt sie die Hoffnung nicht auf, dass es wieder mehr Gemeinsamkeit geben wird: „Das Digitale kann das aktive Erlebnis vor Ort nicht ersetzen, gemeinsam etwas in einem Raum zu erleben. Das wird in der Zeit nach Corona umso wertvoller sein.“

(Quelle: SALZBURG24)

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