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Fußfessel für Vergewaltiger sorgt in Internetforen für Aufregung

Berichte in Onlinemedien über die Causa werden von Usern heftig diskutiert. dpa
Berichte in Onlinemedien über die Causa werden von Usern heftig diskutiert.

Ein verurteilter Sexualstraftäter erhält "bloß" eine Fußfessel: Diese Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Linz, gegen einen Salzburger Hundetrainer, der wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs einer 15-Jährigen zwei Jahre teilbedingte Haft erhalten hatte, hat hohe Wellen geschlagen - auch im Internet.

Berichte in Onlinemedien über die Causa werden von Usern heftig diskutiert. Die Plattform krone.at sah sich sogar gezwungen, das Forum für Postings zu deaktivieren. Die Wiener Medienanwältin Maria Windhager sprach sich im Zusammenhang mit dem Fall gegen "Anprangerung" aus.

Forum deaktiviert

"Da in den Storypostings keine sinnvolle Diskussion mehr stattgefunden hat und gegen die Netiquette verstoßende Postings überhandgenommen haben, sehen wir uns gezwungen, das Forum bis auf weiteres zu deaktivieren", steht seit einigen Tagen auf krone.at unter entsprechenden Meldungen über den Vergewaltiger. Das aktuelle Urteil und die Taten selbst werden übrigens schon seit einigen Jahren in etlichen Foren heiß diskutiert. In Foren und in diversen Online-Ausgaben österreichischer Medien wird von Usern auch der vollständige Name des Verurteilten genannt beziehungsweise auf Webseiten, auf denen das der Fall ist, verlinkt.

„Mediale Anprangerung nicht zulässig“

Medienanwältin Maria Windhager findet diesen Umstand bedenklich: "Eine mediale Anprangerung ist nicht zulässig", sagte sie im Gespräch mit der APA. Es handle sich dabei nämlich um eine Verletzung des Identitätsschutzes des Betroffenen, weil damit Resozialisierungsinteressen verunmöglicht werden. Der Verurteilte könne daher sowohl medienrechtlich (beispielsweise Entschädigungsanspruch) als auch zivilrechtlich (beispielsweise Unterlassungsanspruch) dagegen vorgehen.

Aufsichtspflicht der Medien

Für die Postings der User können die jeweiligen Medieninhaber jedoch nicht unmittelbar verantwortlich gemacht werden, "sie müssen allerdings adäquat reagieren, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden und beispielsweise die entsprechenden Postings löschen", erläuterte Windhager und fügte hinzu: "Wenn ich als Medieninhaber merke, dass ein Thema sehr heiß und kontroversiell diskutiert wird, muss ich eine gewisse Aufsichtspflicht wahrnehmen." krone.at hat das etwa gemacht.

Prinzipiell könne jeder, der ein Medium betreibt, das öffentlich zugänglich ist, zur Verantwortung gezogen werden. Das betrifft in diesem Fall auch Webseiten, auf denen die Identität des Verurteilten preisgegeben wird, die aber nicht von Medienunternehmen, sondern von Vereinen betrieben werden. (APA)

(Quelle: S24)

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