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Hilfeschrei der Veranstalter

"Ganz anderer Bergsommer" kommt auf uns zu

Outdoor-Anbieter in Warteposition

Wandern, Alm, Natur, SB APA/BARBARA GINDL/SYMBOLBILD
Geführte Touren sind seit 1. Mai möglich. (SYMBOLBILD)

Die Corona-Maßnahmen sind soweit gelockert worden, dass geführte Touren in den Bergen unter Einhaltung des Mindestabstandes erlaubt sind. Allerdings warten die Anbieter von Outdoor-Sportarten noch auf Kundschaft. "Die Leute sind noch verunsichert. Viele wissen nicht, was alles schon möglich ist", sagte der Salzburger Outdoor-Unternehmer Wolfgang Wimmer im Gespräch mit der APA.

Der Flytandem-Chef und Geschäftsführer der Freizeitagentur Peak Adventures GmbH, selbst leidenschaftlicher Paragleiter-Pilot, spricht von einem "Hilfeschrei der Outdoor-Veranstalter". Die Anbieter stünden bereit. Doch die Nachfrage nach Berg- und Hochtouren, Canyoning, Rafting und Paragleiten sei noch gering, auch wenn es schon vereinzelt Buchungen gebe, etwa für Paragleiten in Werfenweng im Pongau und am Jenner in Berchtesgaden.

Einschränkungen bei Outdoor-Touren

Seit 1. Mai können alpine Führungskräfte wieder offiziell arbeiten. Laut Verordnung dürfen Gruppen bis zu zehn Personen, zum Beispiel ein Guide und neun Teilnehmer, im Freien unter Einhaltung eines Mindestabstandes von einem Meter unterwegs sein. Auch Paragleiter-Tandemflüge sind laut Wimmer erlaubt, allerdings mit Schutzmasken. Beim Rafting sitzen coronabedingt weniger Teilnehmer im Boot, statt acht bis zehn nunmehr vier bis sechs Personen. Ballonfahrten sind ebenfalls buchbar. Ab 6. Juni biete die Firma "Alpenfreifall" auch wieder Tandem-Fallschirmsprünge in Zell am See und Gmunden an, erklärte Wimmer.

Doch wegen der geringen Nachfrage und den ausbleibenden Kunden seien etliche Arbeitsplätze im Outdoorbereich gefährdet, meinte der Salzburger Unternehmer. "Ich habe mit vielen Partnern telefoniert. Der Tenor: Den Betrieben geht es nicht gut. Die Zukunft ist sehr ungewiss." Veranstaltungen im Schulsport sind weggebrochen.

Branche hofft auf Touristen

Wimmer ist dennoch optimistisch. Bei genügend Buchungen im Sommer könnte sich wirtschaftlich "ein Nuller" ausgehen. Hoffnung schürt das Aufsperren von Bergbahnen und Beherbergungsbetrieben ab 29. Mai und die von Deutschland angekündigte Grenzöffnung am 15. Juni. Viele Outdoor-Unternehmen sind auf den deutschen Gast angewiesen. "Peak Adventures verzeichnet 50 Prozent einheimische Gäste und 50 Prozent ausländische Touristen, wovon deutsche Staatsbürger einen großen Anteil ausmachen."

Auch die Bergführer stehen bereit, wie der Präsident des Salzburger Bergsportführerverbandes, Günter Karnutsch, im APA-Gespräch schilderte. Seine Bergsteigerschule ist zu 80 Prozent mit deutschen Gästen unterwegs. Eine Gefährdung der Arbeitsplätze für Bergführer wegen der Corona-Krise ortet er nicht. Ein Großteil der Bergführer in Österreich und damit auch in Salzburg würde diese Tätigkeit als Zweitberuf ausüben. Ihm sei noch nicht zu Ohren gekommen, dass ein Salzburger Bergführer wegen der Coronapandemie seine Autorisierung zurückgelegt hat.

Nicht alle Almhütten werden aufsperren

Karnutsch nimmt allerdings an, dass wegen der Einschränkungen im Reiseverkehr, die teils noch unklare Situation an den Grenzen und die Abstands- und Verhaltensregeln im Beherbergungsbereich "der Sommer am Berg heuer ganz anders aussehen wird als sonst". Einige Hütten würden mangels Rentabilität nicht aufsperren. Bei den geöffneten Hütten könne es aufgrund der Corona-Auflagen Platzprobleme geben. Auch wer schon eine Nächtigung reserviert habe, meistens seien es Lagerplätze, könne nicht davon ausgehen, dass er auch tatsächlich einen Platz bekommt. "Ich für mich kann noch nicht sagen, ob ich alle meine Buchungen im Juli oder August durchführen kann."

"Wir werden uns heuer vermehrt auf Ein-Tagestouren einstellen müssen", sagte der Bergführer. Mangels Bettenkapazität sind zweitägige, geführte Hochtouren an einem Tag zu bewältigen. Das sei aber nur mit Gästen mit guter Kondition möglich. Karnutsch sieht darin auch einen Vorteil: Ein-Tagestouren könnten die Attraktivität von weniger bekannten Bergen steigern.

Corona-Richtlinien für verschiedene Disziplinen

Der Verband der Österreichischen Berg- und Skiführer hat an seine Mitglieder Richtlinien für die verschiedenen alpinen Disziplinen ausgegeben, um Gruppen verantwortungsvoll und ohne erhöhtes Infektionsrisiko führen zu können. Schon aus sicherheitsrelevanten Überlegungen sind die Gruppengrößen bewusst klein gehalten. Unter Einhaltung des erforderlichen Abstandes von mindestens zwei Metern wird von der Verwendung einer Schutzmaske im Gelände abgesehen.

Die Teilnehmer sollen den Richtlinien zufolge darüber aufgeklärt werden, dass sie nur mitgehen, wenn sie sich völlig gesund fühlen. Empfohlen wird den Bergführern die Mitnahme von Desinfektionsgel, eine Erste-Hilfe-Ausrüstung haben sie ohnehin dabei. Beim Klettern sollte man eine Route mit mindestens zwei Meter Abstand zu benachbarten Routen wählen, sich nicht ins Gesicht greifen und vorher und nachher die Hände gut waschen. Das gilt auch für das Begehen von Klettersteigen. Hier sollte man vorausschauend vorsteigen, um auf den Vorderen nicht aufzulaufen. Für alle Bergtouren inklusive Canyoning gilt, Engstellen einzeln zu passieren. Auch am Gipfel müssen die Mindestabstände eingehalten werden.

(Quelle: APA)

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