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Öffnung am 24. Jänner?

Der Rattenschwanz des Gastro-Lockdowns

"Hoffentlich überleben wir es"

Eine gesamte Branche steht aufgrund des zweiten und dritten Corona-Lockdowns seit 2. November still. Gastronomen haben keine Einnahmen, gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen auf ein Rekordhoch. Doch selbst eine Öffnung Ende Jänner vermag noch keine Entspannung zu bringen.

Obertrum am See

Nicht nur die Gastronomie ist vom Corona-bedingten Lockdown betroffen. Der Stillstand zieht einen langen Rattenschwanz nach sich, der weitere Branchen arg in Bedrängnis bringen könnte.

Unsicherheit um Öffnung

„Es wird Zeit, dass wir wieder aufsperren“, wünscht sich der Betreiber des Braugasthofs Sigl Walter Maislinger im Gespräch mit SALZBURG24. Er habe zwar die Zeit privat gut nutzen können, will aber seiner Berufung als Wirt wieder nachkommen. „Allerdings wissen wir noch gar nicht ob, wie, beziehungsweise unter welchen Auflagen es am 24. Jänner tatsächlich so weit sein wird“, so Maislinger. Er plant seinen Braugasthof in Obertrum dann drei Tage später am 28. Jänner aufzumachen.

 

Arbeitslosigkeit auf Rekordhoch

Nicht nur die Stimmung der Branche ist im Keller, sondern auch Einnahmen und Perspektiven. Dafür stiegen die Arbeitslosenzahlen alarmierend an. Das Bundesland Salzburg bilanziert laut AMS im Krisenjahr mit einem Rekordzuwachs von 58,2 Prozent. Und das nur im Dezember. Kurzarbeit federe laut AMS- Landesgeschäftsführerin Jacqueline Beyer viel ab.

Darin sind die unzähligen Saisonarbeiter allerdings nur teilweise aufgeführt. „Sie müssten vorher ein Monat gemeldet gewesen sein, um in die Kurzarbeit-Regel zu fallen“, erklärt Salzburgs Wirtesprecher Ernst Pühringer von der Wirtschaftskammer im Gespräch mit SALZBURG24. Das – bei den meisten budgetierte – Trinkgeld fällt logischerweise weg. Und somit auch die Kaufkraft der Servicemitarbeiter.

Was bringt die Öffnung für die Gastronomie?

Die Frage, die sich viele stellen ist, was eine Öffnung Ende Jänner noch retten kann. „Wir machen in und um die Stadt Salzburg quasi ins Jänner-Loch hinein auf, da auch die Mozartwoche ausfällt“, weiß Pühringer. Besser laufen dürfte es wohl für Skihüttenbetreiber und Lokale im Innergebirg. Doch ohne den wiederkehrenden Tourismus beziehungsweise Gäste aus dem Ausland sind Umsätze wie in den letzten Jahren wohl bloß reine Utopie. „Nur der österreichische Markt ist dafür zu wenig“, befürchtet Pühringer. Da in Bayern die Semesterferien ausgesetzt werden, sei auch mit den Nachbarn nicht zu rechnen. "Ich glaube, dass die Menschen wieder in die Gastronomie wollen. Mit Februar und März haben wir zwar zwei härtere Monate, dann kommt wieder das Gastgarten-Wetter und es wird besser", hofft Maislinger. 

Weiterer Umsatzersatz gefordert

So groß die Vorfreude über die baldige Öffnung ist, so hart könnte auch das „Frühlingserwachen“ für viele Gastronomen werden. Pühringer fordert von der Regierung weiterhin Umsatzersatz: „Das Geld vom Dezember ist bei den meisten Kollegen für die 14. Gehälter draufgegangen“. Jetzt kämen auf viele weitere Brocken zu. Gestundete Pachten werden fällig, Wareneinkauf, Gehälter und das bei keiner Garantie für Umsätze.

Probleme werden nur verschoben

Und so würden Probleme nur verschoben, nicht gelöst. Dazu kämen bei vielen auch noch offene Rechnungen für bereits bestellte Waren. "Ich habe noch immer Ware von den Bärlauch- und Wildwochen, weil der Lockdown so kurzfristig kam. Den nächsten sollte die Politik vielleicht früher ankündigen", fordert Maislinger. Brauereien, wie etwa Stiegl hätten bereits im Oktober zahlreiche Skihütten und dergleichen beliefert. Konsumiert wurde davon natürlich nichts und so bleibt unbezahlte und nicht konsumierte Ware übrig. Budget-Polster hätten nur die wenigsten Gastronomen. „Die Zulieferer wissen, wie es um uns steht. Da ist jetzt Fingerspitzengefühl gefordert“, sagt etwa Wirtesprecher Pühringer.

Eine losgetretene Lawine

Schnell wird klar, dass zwar in erster Linie die Gastronomen in Gefahr geraten. Logischerweise aber auch die Zulieferer. Einerseits weil ihnen ebenfalls die Einnahmen weggebrochen sind, andererseits weil sie um die Existenz ihrer Abnehmer bangen. Eine Brauerei, der die Wirte abhanden gehen, wird sich in Zukunft Gedanken um ihre Absatzmärkte machen müssen. Ähnliches betrifft andere Lebensmittelerzeuger. Und das wiederum könne direkte Auswirkungen auf Arbeitsplätze haben.

Gastronomie will einfach nur öffnen

Ob dann ab 24. Jänner tatsächlich wieder geöffnet werden darf, ist sich Pühringer nocht nicht ganz sicher. „Dafür müssten die Zahlen passen und die stimmen noch nicht annähernd“. Ebenso unklar ist, welche Vorgaben dann gelten werden. Schnelltests am Eingang, Sitzplatzregeln, FFP2-Masken? Alles sei möglich. Nichtsdestotrotz würden laut Pühringer alle wieder gerne aufsperren. „Und hoffentlich überleben wir es!“

(Quelle: SALZBURG24)

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