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Plan gegen Mangel nötig

Salzburgs Gastronomen laufen Mitarbeiter davon

Komplettes Aufsperren oft nicht möglich

Gastro-Öffnung in Salzburg FMT-Pictures/KJ
Salzburgs Gastronomiebetrieben fehlt nach den Corona-Öffnungen das Personal. (SYMBOLBILD)

„Es gibt de facto einen Mangel an Personal“, schlägt Ernst Pühringer, Fachgruppenobmann der Sparte Gastronomie der Salzburger Wirtschaftskammer, Alarm. Wie dramatisch die Lage für die Wirte derzeit ist und wie man dem Problem in Salzburg entgegenwirken will, haben wir recherchiert.

Etwa 3.700 Arbeitslose sind aktuell im Bundesland in der Sparte Gastronomie und Beherbergung gemeldet. Dem gegenüber stehen fast 1.500 offene Stellen, erklärt Christa Schweinberger, stellvertretende Geschäftsführerin des Salzburger Arbeitsmarktservice (AMS) gegenüber S24.

 

Offene Stellen, aber keine Bewerber

„Es sind viele freie Stellen gemeldet, aber es gibt praktisch keine Bewerbungen“, stellt Pühringer besorgt fest. In seinem Betrieb suche er drei Kellner und zwei Köche, habe jedoch keine Bewerbung auf dem Tisch liegen. Während der Corona-Krise habe der Gastronom acht Mitarbeiter verloren. So gehe es auch zahlreichen Kollegen, die nun angesichts der anstehenden Sommerferien vor einer großen Herausforderung stehen: „Es gibt viele Kollegen, die können Geschäftsteile nicht aufsperren, weil es keine Mitarbeiter dafür gibt. Gastgärten sind teilweise nicht ganz geöffnet.“ Auch das bestehende Personal wolle man nicht überfordern bzw. überlasten, denn dann bestehe die Gefahr, dass auch diese dringend benötigten Kräfte hinschmeißen.

 

Mangelnde Motivation und Umorientierung

Laut Pühringer seien viele langjährige Mitarbeiter abgewandert und hätten die Krise genutzt, um sich umschulen zu lassen. Als weiteres Problem vermutet der Fachgruppenobmann aber auch, dass es bei einigen Betroffenen an Motivation fehle, sich aktiv zu bewerben bzw. einen fixen Job anzunehmen. Er fordert vom AMS, gegen jene, „die sich auf Staatskosten auf der Sonnenliege ausruhen“, strikt vorzugehen. Hier sei er aber sicher, dass das auch passiere. Dennoch müssten die Menschen auch selbst „zur Besinnung kommen“.

Corona hat Spuren hinterlassen

„Wir sind aus dem Arbeiten einfach heraußen, jetzt haben wir seit gut drei Wochen offen. Aber es wird sicher noch etwas Zeit brauchen, bis die Leute wieder reinkommen, auch die Mitarbeiter, die lange auf Kurzarbeit waren.“ In den nächsten zwei bis drei Wochen müsse sich etwas bewegen, sonst seien härtere Forderungen nötig.

Gastro-Öffnung in Salzburg FMT-Pictures/KJ
Salzburgs Gastronomiebetriebe öffnen wieder ihre Pforten.

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Kein Nachwuchs in Sicht

Auch was den Nachwuchs in der Branche betrifft, sieht es düster aus. Bewerbungen von Lehrlingen als Koch oder Kellner gebe es in vielen Betrieben so gut wie keine, schildert Pühringer. Bei Praktikanten würden sich viele Gastronomen  – nicht zuletzt aufgrund des Kostenfaktors – zurückhaltend zeigen. Wegen der großen Ungewissheit sei schwer zu planen, wie viele Gäste tatsächlich über den Sommer bewirtet werden können. Schon allein die Abstandsregelungen würden dafür sorgen, dass die Kapazitäten vor allem in der Stadt nicht voll ausgeschöpft werden können. Auch der internationale Tourismus hinke noch weiter hinterher.

 

Lage in Gastronomie „Katastrophe“

Doch wie geht die Branche mit dieser anhaltenden Unsicherheit um? „Es ist eine Katastrophe. Momentan können wir eigentlich nur bis nächste Woche planen. Bis jetzt ist das Geschäft verhalten. Wir sind gerade bei 50 oder 60 Prozent vom alten Geschäft. Das macht die Planung total schwierig“, sagt Pühringer sorgenvoll.

Salzburger von 3-G-Regeln abgeschreckt?

Als Grund für den verhaltenen Andrang vermutet der Fachgruppenobmann der Salzburger Wirtschaftskammer das Wegfallen der Spontanität. Die 3-G-Regelung könnte laut Pühringer ein Grund dafür sein, dass potenzielle Lokalbesucher doch lieber zuhause bleiben würden.

 

Hoffnungsschimmer bleibt

Trotz all der Schwierigkeiten bleibt ein Hoffnungsschimmer. Denn wie Pühringer erklärt, seien gerade noch viele Einstellzusagen von Betrieben im Umlauf. Diese seien mit 31. Mai ausgelaufen und erst danach sei begonnen worden, die betroffenen Mitarbeiter weiter zu vermitteln. „Deshalb rechne ich in den nächsten Tagen und Wochen mit Bewegung.“

Drei Schritte gegen fehlendes Personal

Auch beim AMS ist man sich dem Ernst der Lage bewusst. Schätzungen zufolge hätten sich zehn bis 15 Prozent aufgrund von Sorgen um die berufliche Zukunft umschulen lassen oder seien in andere Branchen abgewandert. Gut angenommen worden seien die angebotenen Weiterbildungen im Rahmen der Joboffensive, erklärt die stellvertretende Landesgeschäftsführerin Schweinberger. Die rund 2.000 Kursplätze seien voll ausgebucht.

„Das AMS vermittelt nicht aktiv aus der Branche weg. Was wir für die Übergangszeit aber noch aufrechterhalten wollen ist das Ausbildungsangebot für Hilfsarbeiter zu Facharbeitern.“ Außerdem rechne man damit, dass in der Landeshauptstadt mehr Arbeitslose bleiben würden, als etwa im Innergebirg. Deshalb wolle man hier verstärkt vermitteln. Die Personalsuche wolle man zudem noch auf ganz Österreich ausdehnen und Stellenangebote in Salzburg für Mitarbeiter aus dem ganzen Land attraktivieren. Abschließend merkt Schweinberger an, dass die Sommersaison gerade erst anlaufe. Wie viele Arbeitslose in der Gastronomie tatsächlich übrig bleiben werden, zeige sich vermutlich erst Ende Juli oder Anfang August.

(Quelle: SALZBURG24)

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