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Gehörlose in Salzburg

"Sind noch nicht weit gekommen"

Verband kritisiert hohe Barrieren

20190522_PD15424.HR.jpg AFP/JEAN-PHILIPPE KSIAZEK/Archiv
Gebärdensprachkurse für Betroffene und Angehörige bietet der Gehörlosenverband Salzburg an. (SYMBOLBILD).

Im Bundesland Salzburg leben etwa 600 gehörlose Menschen. Rechnet man spätertaubte und schwerhörige Menschen mit ein, sind österreichweit etwa 500.000 Menschen betroffen. Welche Barrieren und Herausforderungen sich dadurch im Alltag ergeben, hat uns Reinhard Grobbauer vom Gehörlosenverband Salzburg erklärt.

Wie alltägliche Tätigkeiten für Gehörlose zur Herausforderung werden, zeigte bereits die Recherche zu diesem Thema: Beim Telefon-Interview mit Reinhard Grobbauer – selbst gehörlos und Geschäftsführer des Gehörlosenverbands Salzburg – sprachen wir mit Gebärdensprachdolmetscherin Tiana Jerkovic, die unsere Fragen an Grobbauer weitergab und uns seine Antworten wiederum in verbale Sprache übersetzte.

"Sind in Salzburg noch nicht weit gekommen"

In Österreich gibt es seit 2006 das Behindertengleichstellungsgesetz. Über dieses Gesetz soll die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung beseitigt oder verhindert werden und Menschen mit Behinderung so ein Teilnehmen am gesellschaftlichen Leben gewährleistet werden. "In Salzburg sind wir 13 Jahre später hier leider noch nicht sehr weit gekommen", wie Grobbauer im Interview angibt.

Gehörlosenverband Salzburg bietet Hilfe an

Der Gehörlosenverband Salzburg hat es sich somit zur Aufgabe gemacht, den etwa 600 Gehörlosen im Land eine Hilfestellung im Alltag zu bieten. Die Arbeit umfasst die Kommunikation mit Behörden und anderen Einrichtungen, die Bereitstellung von Gebärdensprachdolmetschern und das Abhalten von Sprachkursen für Betroffene und Angehörige. Der Verband wurde 1960 gegründet und ist ein Zusammenschluss von fünf Salzburger Vereinen (regionale Vereine in Salzburg, Pinzgau, Pongau, Lungau und ein Sportverein).

Schwierigkeiten bei Führerscheinausbildung

Das größte Anliegen des Verbands sei es, die Barrieren im Bundesland Salzburg weiter abzubauen. So ist es für Gehörlose bereits schwierig, den Führerschein zu machen, wie Grobbauer angibt: "Um diese Ausbildung machen zu können, braucht man einen Gebärdensprachdolmetscher. Dafür will aber niemand die Kosten übernehmen, weder die Fahrschule, noch das Land Salzburg. Den Führerschein zu machen ist somit sehr schwierig. Und ohne Führerschein ist wiederum schwierig, Arbeit zu finden."

Streitfall Wahlberichterstattung

Ein weiterer Streitfall ergab sich für den Verband während der TV-Berichterstattung zur Bürgermeisterstichwahl in der Stadt Salzburg im Frühling dieses Jahres. "Obwohl es für die Live-Sendung eine Gebärdensprachdolmetscherin gab, für die auch die Kosten übernommen wurden, entschied man sich dazu, die Übersetzung abzulehnen. Das hat uns sehr geärgert. Überall sonst funktioniert das, nur in Salzburg nicht", so Grobbauer.

Bereitstellung von Dolmetschern als Herausforderung

Künftig wird für den Verband die Bereitstellung weiterer Dolmetscher eine Herausforderung: "Bald werden einige Gehörlose höhere Schulen oder Universitäten besuchen. Dafür brauchen wir aber viel mehr Dolmetscher", erklärt Grobbauer. Barrieren und Diskriminierung in diesem Bereich abzubauen ist also ein sehr langer Prozess. Aber: "Wir sind Schritt für Schritt dabei."

(Quelle: SALZBURG24)

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