Jetzt Live
Startseite Salzburg
"Geschwindigkeitsexzesse"

Warum treten Raser so aufs Gas?

Auto-Poser protzen auf Instagram & Co

road-259815_1920.jpg Pixabay
Seit Beginn der Coronakrise stellt die Polizei vermehrt Raser-Delikte in Salzburg fest. (SYMBOLBILD)

In den vergangenen Wochen zog die Polizei Salzburg zahlreiche Lenker aus dem Verkehr, die mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs waren. Doch was bringt Menschen dazu, die erlaubte Geschwindigkeit zu übertreten und können sie höhere Strafen zum Umdenken bewegen? Wir haben nachgefragt.

Mit rund 200 km/h auf der Autobahn oder 130 km/h durchs Stadtgebiet: "Das ist für mich nicht mehr Rasen, das sind schon "Geschwindigkeitsexzesse", spricht hier Friedrich Schmidhuber, Leiter der Landesverkehrsabteilung bei der Polizei Salzburg. "Das ist für mich mehr als nur Rasen", so der Verkehrspolizist, der in diesem Bereich zuletzt einen Anstieg bei den Delikten feststellte. "Diese Phänomene hatten wir früher weniger, oder zumindest nicht in diesem Ausmaß." Schmidhuber vermutet deshalb, dass das geringere Verkehrsaufkommen zu Beginn der Coronakrise der Auslöser dafür war.

Poser in den Sozialen Medien

Doch warum steigen Menschen so aufs Gas und überschreiten die erlaubte Geschwindigkeit um fast das Dreifache? "Ein Grund ist es zu zeigen, was man sich traut oder wie gut man ist. Es geht aber auch um den Nervenkitzel und darum, Bilder und Videos zu erstellen, die dann Klicks in den Sozialen Medien generieren", gibt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger im Gespräch mit SALZBURG24 an. Soziale Medien verleihen dem Phänomen also eine neue Dimension.

Nervenkitzel: Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei

Dieses Poser-Gehabe innerhalb der Community und das Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei mache laut Seidenberger den Reiz an der Raserei aus. "Die Leute wollen zeigen, dass sie schlauer und schneller sind als die Polizei. Es geht also auch um das Risiko und den Adrenalinkick", gibt Seidenberger weiter an. Dazu komme auch der Nervenkitzel beim Organisieren der illegalen Tuning-Treffen, wie sie etwa in Wals und Linz stattgefunden haben.

 

Um den "Geschwindigkeitsexzessen" Einhalt zu gebieten, wurden bereits zu Beginn des Jahres die Strafen für Raserei verdoppelt. Verkehrspolizist Schmidhuber spricht sich bei hohen Geschwindigkeitsübertretungen aber auch für einen Eintrag im Führerschein-Vormerksystem aus, wie das etwa in Deutschland bereits der Fall ist. "Wenn die Menschen wissen, dass sie bei einem weiteren Eintrag den Führerschein für 14 Tage los sind, würde dies das Verhalten auf der Straße positiv beeinflussen", sagt der Polizist.

Diese Strafen drohen bei Raserei

Im Ortsgebiet:

  • 30 – 35 km/h über Geschwindigkeitsbegrenzung: 200 Euro
  • 40 – 50 km/h: 500 Euro
  • 50 – 60 km/h: 700 Euro
  • Ab 70 km/h: 1.200 Euro

Außerhalb des Ortsgebiets:

  • 30 – 35 km/h über Geschwindigkeitsbegrenzung: 150 Euro
  • 40 – 50 km/h: 450 Euro
  • Über 70 km/h: 1.200 Euro

Monetäre Strafen nicht die Lösung

Reine Geldstrafen sieht auch Seidenberger nicht als einzigen Weg zur Lösung. Ein längerer Entzug der Fahrberechtigung könne aber ein Nachdenken bewirken. Die Verkehrspsychologin weist zudem darauf hin, dass es kaum Möglichkeiten gibt, den Drang zum Rasen auf legalem Wege nachzukommen. "Die Leute suchen sich ein Ventil, und plötzlich findet dann ein Rennen mitten im Straßenverkehr statt."

Sozialarbeiter für Raser?

Vernünftiger wäre es laut Seidenberger einen Zugang wie Sozialarbeiter zu wählen. "Man muss in die Gruppen hineingehen und Community-Arbeit von innen heraus betreiben." Dabei müsse die Polizei so auftreten, dass sie nicht als Gegner gesehen wird, sondern als Aufklärer.

Verstärkte Kontrollen in Salzburg

In Salzburg versucht Schmidhuber dem Problem durch verstärkte Kontrollen Herr zu werden. Gerade im Bereich der Motorradfahrer setzt die Polizei nun auch auf zivile Streifen. Im Visier haben die Beamten da vor allem klassische Ausflugsstrecken, die vor allem am Wochenende genutzt werden. "Es ist aber wie ein Stochern im Heuhaufen. Eine systematische Überwachung ist nicht möglich", so Schmidhuber abschließend.

(Quelle: SALZBURG24)

Whatsapp

Schnöll sagt Corona-Rasern den Kampf an

Raser Scheffau LPD Salzburg
In Scheffau wurden ebenfalls mehrere Verkehrssünder geblitzt.

Seit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus häufen sich die Meldungen über Raser auf den leeren Straßen im Bundesland Salzburg massiv. Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) hat „dafür überhaupt kein Verständnis“ und startet mit der Polizei eine „Aktion scharf“. Der Strafrahmen soll ausgeschöpft werden.

Alleine im Zeitraum von Beginn der Ausgangsbeschränkungen bis jetzt wurden mindestens 20 Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen – größtenteils waren die Raser nachmittags und abends unterwegs, heißt es in einer entsprechenden Aussendung des Verkehrslandesrats.

Die höchste gemessene Geschwindigkeitsüberschreitung mittels stationärem Radar im Ortsgebiet war bei zulässigem Tempo 50 112 km/h. Auf Freilandgebiet wurde auf der B162 Lammertal Straße ein Lenker mit 163 km/h gemessen. Auf der Autobahn wurde ein Lenker bei erlaubtem Tempo 100 mit 179 km/h vom Radar erfasst. Am vergangenen Wochenende wurde durch eine Zivilstreife mit 224 km/h aus dem Verkehr gezogen. Die meisten Überschreitungen wurden auf der A10 und im nördlichen Flachgau gemessen. Und auf der Alpenstraße in der Stadt Salzburg wurde ein Autofahrer mit satten 112 km/h geblitzt. Wir haben berichtet.

Stefan Schnöll APA/ROLAND SCHLAGER
Verkehrslandesrat Stefan Schnöll hat für Raser "überhaupt kein Verständnis".

„Aktion scharf“ hat Raser in Salzburg im Fokus

Diese Raser würden in der aktuellen Krisensituation neben sich vor allem auch die Allgemeinheit gefährden. "Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür. Wir werden gegen diese Raser jetzt nochmals verschärft vorgehen“, kündigt Schnöll an. Konkret starten das Land Salzburg und die Verkehrspolizei zu Ostern eine „Aktion scharf“. Dabei stünde vor allem die Zielgruppe der Raser im Fokus.

 

Strafen bereits verdoppelt

Bereits Anfang des Jahres wurden die Richtsätze für Strafen bei Rasern verdoppelt. Bis 30 km/h Überschreitung blieben sie unverändert. "Wir wollen mit der Straferhöhung die Raser treffen, die mit ihrem rücksichtslosen Verhalten Leben gefährden. Ich will auch betonen, dass ich nicht für Pflanzereien der Autofahrer zu haben bin, weshalb wir sicher nicht die Richtsätze für Überschreitungen von fünf km/h oder dergleichen erhöhen werden. Wir verschärfen bewusst für die Zielgruppe der Raser. Mit der Anhebung der Strafen wollen wir eine generalpräventive Wirkung schaffen und die teilweise sehr überhöhten Geschwindigkeiten auf unseren Straßen wieder reduzieren", begründete Schnöll im Dezember letzten Jahres die Entscheidung.

Strafrahmen bei Rasern wird ausgeschöpft

Der Verkehrslandesrat hat mit den zuständigen Strafbehörden nun vereinbart, in der aktuellen Situation noch weiter zu gehen: "Ich bin mit den Bezirkshauptleuten und den Strafbehörden überein gekommen, dass besonders jetzt bei Rasern die Strafhöhen noch strenger ausgelegt werden sollen. Die Behörde hat neben den Richtsätzen einen Rahmen für die konkrete Entscheidung. Raser werden jetzt noch kritischer geprüft und der Rahmen soll noch weiter ausgeschöpft werden", so Landesrat Stefan Schnöll.

Mit den Bezirkshauptmannschaften sei außerdem vereinbart, dass Anzeigen nach Geschwindigkeitsübertretungen während der Corona-Zeit rasch abgehandelt werden, damit den Rasern schnell vor Augen geführt wird, was diese massiven Überschreitungen für Konsequenzen mit sich bringen.

Aufgerufen am 13.07.2020 um 10:03 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/geschwindigkeitsexzesse-warum-raser-so-aufs-gas-treten-89563150

Kommentare

Mehr zum Thema