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Prozess wiederholt

Getöteter Promi-Wirt: Witwe beteuert ihre Unschuld

Oberster Gerichtshof hebt Urteil auf

Nach dem Tod eines Promi-Wirts im Pongau und der Verurteilung dessen Ehefrau, wird der Prozess am heutigen Dienstag wiederholt. Der Oberste Gerichtshof hat das Urteil gegen die Frau aufgehoben. Die 32-Jährige beteuerte auch heute erneut ihre Unschuld.

Die bisher unbescholtene Rumänin soll den Betreiber eines Hotels und einer Apres-Skihütte während eines nächtlichen Streits in der Hotelküche mit einem Messerstich getötet haben. Die Staatsanwaltschaft Salzburg hat sie wegen Mordes angeklagt. Im ersten Prozess erklärte die Frau wie auch heute, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Während des Streits in der Hotelküche habe ihr 57-jähriger Mann ihre Hand genommen, in der sie ein Messer zum Zubereiten einer Jause gehalten habe, und das Messer gegen seinen Oberkörper gerichtet, um sie zu erschrecken. Sie habe den Stich in die Brust nicht bemerkt. Verteidiger Kurt Jelinek plädierte auf Freispruch.

Promi-Wirt mit Messer getötet

Die Geschworenen verwarfen damals die Mordfrage und sahen in der Tat eine absichtlich schwere Körperverletzung mit Todesfolge. Die damalige Aufhebung des Urteils wurde damit begründet, dass die Eventualfrage der absichtlich schweren Körperverletzung mit Todesfolge nicht zugelassen hätte werden dürfen, da im Prozess der Aspekt der Körperverletzung im Beweisverfahren nicht zur Sprache kam.

Die Argumente der Staatsanwaltschaft und des Verteidigers blieben auch im wiederholten Prozess heute gleich. Wenn jemand ein 26 Zentimeter langes Küchenmesser mit einer Klingenlänge von zwölf Zentimeter mit einer heftigen Bewegung in den Brustbereich eines anderen steche, also dorthin, wo sich lebenswichtige Organe befinden, dann nehme man in Kauf, dass das Opfer tödliche Verletzungen erleidet, erklärte Staatsanwältin Elena Haslinger. "Für die Begehung des Mordes genügt ein bedingter Vorsatz." Der linke Lungenlappen und der Herzbeutel des Wirtes seien durchstochen worden. Der Mann sei an den inneren Verletzungen gestorben. Die Ehefrau sei die Begünstigte von Lebensversicherungen des Gastronomen in Höhe von rund 300.000 Euro gewesen, gab die Staatsanwältin noch zu bedenken.

Verteidigung will Freispruch für Angeklagte

Verteidiger Kurt Jelinek beantragte in seinem Eröffnungsplädoyer erneut einen Freispruch für die Angeklagte. "Sie ist unschuldig. Es gibt kein Motiv. Ihr Mann war alles, was sie in ihrem Leben gehabt hat." Zu dem Beziehungsstreit sei es nach einem langen Arbeitstag gekommen, beide hätten zuvor Alkohol und der Wirt auch Kokain konsumiert, um die Gäste bei Laune halten zu können. Er sei eifersüchtig geworden, weil sich seine Frau noch mit einer Freundin in einer Bar treffen habe wollen. Da habe er das Messer, dass die Angeklagte in der Hand gehalten habe, hochgezogen und gegen sich gerichtet. Mit dieser Geste habe er seiner Frau nur Angst einjagen wollen, weil sie zuvor gesagt habe, sie wolle sich scheiden lassen. Einen Selbstmord habe der lebenslustige Mann aber nicht begehen wollen.

"Er schnappt ihre Hand. Durch die Kombination mit Alkohol und dem Aufgewühltsein hat er das Messer zu fest gezogen", meinte der Verteidiger. "Die beiden haben offenbar die Schwere der Situation nicht erkannt." Das Ehepaar habe noch circa zwei Minuten weiter gestritten, dann erst habe der Wirt sein schwarzes Gilet aufgerissen und es sei Blut am weißen Hemd zu sehen gewesen. "Als der Kellner in die Küche kam, sagte der Wirt, 'Es tut sehr weh'. Er hat aber nicht gesagt, seine Ehefrau war es", erklärte Jelinek. "Man sticht nicht unter die Achsel, wenn man Böses tun will."

"Er war meine große Liebe"

Die zierliche Angeklagte entschuldigte sich zu Beginn ihrer Einvernahme durch die Vorsitzende des Geschworenengerichtes, Richterin Bettina Maxones-Kurkowski, für den Vorfall. "Es tut mir leid, was passiert ist. Mein Mann war alles, was ich hatte. Er war meine große Liebe. Ich bekenne mich nicht schuldig." Zu Streitereien mit ihrem Mann sei es mehrmals deshalb gekommen, weil er sehr eifersüchtig gewesen sei und er sie kontrolliert habe. "Er hat mir oft versprochen, dass er sich ändern will. Ich wollte Kinder mit ihm und eine Familie haben."

Bei dem Streit in der Hotelküche habe sie ihren Mann erstmals damit konfrontiert, dass sie sich scheiden lassen wolle. "In diesem Moment wollte ich gehen. Da hat er meine Hand gepackt und mich zu ihm gezogen. Ich dachte, dass er mir Angst machen will. Er sagte, 'Lieber sterbe ich als dass ich dich mit einem anderen Mann sehe'." Sie beide hätten nicht realisiert, was passiert ist. "Wir haben noch weitergeredet." Als er das Hemd aufgemacht habe, habe sie Blut gesehen und sich gedacht, es handle sich nur um einen Kratzer. Einen Stich habe sie nichts bemerkt.

Witwe spricht von Unfall

Die vorsitzende Richterin konfrontierte die 32-Jährige mit dem Gerichtsgutachten, wonach der konkrete Sichtkanal mit ihrer Schilderung nicht vereinbar sei. "Es war so. Ich kann nur die Wahrheit sagen", beteuerte die Angeklagte. "Ich wollte ihm niemals so etwas antun. Ich glaube nicht, dass er sich verletzen wollte."

Der wiederaufgerollte Prozess am Landesgericht Salzburg ist für drei Tage anberaumt worden. Am kommenden Donnerstag soll ein Urteil gesprochen werden.

(Quelle: APA)

Urteil im Fall von getötetem Promi-Wirt aufgehoben

Witwe vor OGH in Wien APA/BARBARA BUCHEGGER
Die Angeklagte erschien am Mittwoch vor dem Obersten Gerichthof in Wien.

Die Witwe des Mannes, der in Flachau (Pongau) getötet wurde, war im Dezember des Vorjahres zu einer Haftstrafe von acht Jahren wegen absichtlich schwerer Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden. Das Urteil war nicht rechtskräftig und landete vor dem Obersten Gerichtshof (OGH).

Der Prozess gegen die Ehefrau muss wiederholt werden. Der OGH hat eine neue Hauptverhandlung angeordnet. Die wegen Mordes angeklagte Frau wurde im Dezember 2019 in Salzburg wegen absichtlich schwerer Körperverletzung mit Todesfolge zu acht Jahren unbedingter Haft verurteilt. Die Geschworenen verwarfen die Mordfrage und stimmten einstimmig für die an sie gestellte Eventualfrage der absichtlich schweren Körperverletzung mit Todesfolge.

Fehler im Verfahren in Salzburg

Dagegen meldeten sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft Nichtigkeitsbeschwerde an. Die Anklagebehörde befand die Fragestellung an die Geschworene fehlerhaft, da im Verfahren der Aspekt der Körperverletzung im Beweisverfahren nicht zur Sprache kam.

Dieses Ansinnen bekräftigte im Rahmen des Gerichtstags am OGH auch der Vertreter der Generalprokuratur, Harald Eisenmenger. Der Generalanwalt unterstrich, dass die Frage nach der absichtlicher schwerer Körperverletzung mit fahrlässig herbeigeführter Todesfolge nicht zugelassen hätte werden dürfen. Die Beschuldigte sprach von einem Unfall, der Wirt einer bekannten Skihütte hätte ihre Hand mit dem Messer an sich gezogen, um sie zu erschrecken, da drang die Klinge ein. Eine Körperverletzung wurde bei der Verhandlung in Salzburg gar nicht thematisiert. "Das war nicht sachverhaltsbezogen", so Eisenmenger.

Von Anklage abweichende Frage nicht zulässig

Nach den Ergebnissen der Hauptverhandlung war eine von der Anklage abweichende Frage nicht zulässig, urteilte auch der fünfköpfiger OGH-Senat (Vorsitz: Rudolf Lässig). Es hätte lediglich die in der Anklage beinhaltete Frage nach dem Mord gestellt werden dürfen. Hätten die Geschworene diese verneint, wäre die Frau freizusprechen gewesen. Die Frage nach der absichtlich schweren Körperverletzung mit Todesfolge sei nur zu stellen, "wenn im Verfahren etwas vorgekommen wäre, was diese Frage indiziert", begründete der Senatsvorsitzende Lässig. Somit habe man sich den Worten des Generalanwalts angeschlossen. Der zweite Rechtsgang muss nun mit neuen Berufs- und Laienrichtern durchgeführt werden.

Angeklagte spricht von Unfall

Die bisher unbescholtene Frau hat in dem Prozess stets ihre Unschuld beteuert, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Die Rumänin, die vom Salzburger Anwalt Kurt Jelinek vertreten wurde, soll den Skihüttenwirt am 3. März 2019 in Flachau mit dem Messerstich getötet haben. Während eines Streits in der Küche habe ihr Mann sie an der Hand, in der sie das Messer hielt, um sich eine Jause zuzubereiten, gefasst und sie an sich gezogen. Dabei sei es zu dem Stich in seine Brust gekommen, den sie aber nicht bemerkt habe.

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