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Gewalt an Frauen

"Luft nach oben bei Opferschutz"

Ein Drittel der Täter wird erneut straffällig

Gewalt an Frauen PIXABAY
Frauen werden häufig Opfer von Gewalt in Beziehungen oder der Familie. (SYMBOLBILD)

Drei Frauen werden statistisch gesehen in Österreich jeden Monat getötet, davon die meisten von (Ex-) Partnern oder Familienmitgliedern. Auch auf 2021 trifft dieser Schnitt zu. Seit Beginn des Jahres wurden bereits 6 Frauen ermordet.

Zuletzt erregte ein Fall aus dem Salzburger Stadtteil Schallmoos Aufmerksamkeit. Wie berichtet, wurde eine 22-Jährige von ihrem Noch-Ehemann erstochen, nachdem gegen den 26-Jährigen wegen fortgesetzter Gewaltausübung bereits ein Betretungs- und ein Annäherungsverbot ausgesprochen wurde. Das Motiv des mutmaßlichen Täters dürfte die bevorstehende Scheidung gewesen sein. Dass die Tat trotz geltendem Kontaktverbot begangen werden konnte, stößt bei Vielen auf Unverständnis. Wir sprechen mit Peter Wieser vom Bewährungshilfe-Verein „Neustart“ über die Schritte nach einer Anzeige und die Prävention von Gewalttaten.

Anzeige erstattet - was nun?

„Wird ein Gewaltdelikt zu Anzeige gebracht, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird Anklage erhoben oder es wird außergerichtlich ein Tatausgleich, angestrebt“ so Wieser. Ein Tatausgleich habe vor allem das Ziel, dass sich der Täter glaubhaft bei dem Opfer entschuldigt und sich selbst sein Handeln und die Folgen davon eingesteht. Nach Zustimmung des Opfers wird das Gespräch mit dem Täter, im Beisein eines Mediators und einer Mediatorin, gesucht. „Diese Konstellation ist sehr wichtig, um eine Gleichstellung zu erzielen. Die Mediatoren sind dabei aber komplett neutral und vor allem dafür zuständig, das Gespräch zu beobachten und anzuleiten“, erklärt der Experte. Schlägt eine Einigung fehl, kommt es zum Verfahren.

Gewalt vorbeugen

„Mit Anzeige und Strafe eines Täters ist es noch nicht getan. Der wichtigste Punkt bei Gewaltdelikten ist die Vermeidung weiterer Übergriffe“, so Wieser. „Im Rahmen der Bewährungshilfe ist es unsere Aufgabe, gemeinsam mit den Verantwortlichen die Tat zu erheben und Strategien zu entwickeln, um so etwas künftig zu verhindern.“ Zentral sei dabei die Deliktverarbeitung. „Man kann die Handlung des Straffälligen wie einen Zug betrachten. Man muss den Zeitpunkt finden, bis zu dem ausgestiegen und die Tat verhindert werden kann.“ Dazu werden etwa Handlungspläne für vergleichbare Situationen ausgearbeitet.

Nachholbedarf beim Opferschutz

Innerhalb der ersten drei Jahre nach der Betreuung würden etwa 70 Prozent der Täter straffrei bleiben. „Das ist zwar ein erfreuliches Ergebnis, aber man darf nicht vergessen, dass ein Drittel eben doch wieder straffällig wird. Jede einzelne Situation, in der Gewalt verhindert wird, rechtfertigt unsere Arbeit.“ Beim Opferschutz sieht Wieser aber sehr wohl Luft nach oben. „Die jüngsten Vorkommnisse zeigen, dass hier mehr getan werden muss. Es muss alles daran gesetzt werden, solche Fälle so gut es geht zu verhindern.“ 

Schwerpunkt Beziehungstaten

Bei Beziehungstaten sei es ganz klar so, dass überwiegend Frauen die Opfer sind. „Die Grenzen bei Gewalt in Beziehungen sind sehr fließend. Häufig werden die Handlungen vom Täter nicht als gewalttätig gesehen, was sie aber nun mal sind. Das ist aber keine Rechtfertigung“, so Wieser.

Der Verein Neustart kooperiert mit Gewaltschutzzentren und Frauenhäusern, um sowohl Täter als auch Opfer von Beziehungstaten zu betreuen. „Leider ist es bei Übergriffen in Beziehungen oft so, dass Betroffene die Taten verdrängen oder rechtfertigen. Angst vor dem Täter ist auch ein häufiger Grund, weswegen sich Opfer nicht auf ein Verfahren einlassen.“

Schutz und Hilfe

Zur ersten Hilfe steht Betroffenen der Frauennotruf Salzburg unter 0662 88 11 00 rund um die Uhr zur Verfügung. Auch Frauenhäuser dienen gewaltbetroffenen Frauen und deren Kindern jederzeit als Anlaufstellen für Schutz, Unterkunft, Verpflegung und Beratung. 

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 06.08.2021 um 01:58 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/gewalt-an-frauen-luft-nach-oben-bei-opferschutz-101780311

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