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Wenn Streits eskalieren

Wer hilft bei Gewalt in der Familie?

Wichtige Hotlines im Überblick

Gewalt, häusliche Gewalt, Streit, Konflikt, SB APA/dpa/Jan-Philipp Strobel
Wer Gewalt in der eigenen Familie erlebt, steht nicht alleine da. Es gibt Hilfe. Wir verschaffen euch einen Überblick. (SYMBOLBILD)

Viele Familien und Paare sind seit Beginn dieser Woche plötzlich mit einem neuen Alltag konfrontiert. Durch die Ausgangsbeschränkungen verbringt man deutlich mehr Zeit zusammen – meist auf beengtem Raum. Konflikte schaukeln sich schneller auf. Wir haben Tipps für euch, wie sich ein Streit schlichten und Gewalt vermeiden lässt. Für den Notfall haben derzeit zudem zahlreiche Hilfe-Hotlines ihre Angebote ausgebaut.

Das Coronavirus und die verordneten Ausgangsbeschränkungen zwingen uns dazu, mehr Zeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Was für manche Familien eine willkommene Abwechslung ist, kann für andere schnell zu einer Bedrohung werden.

Jeder braucht eine Auszeit

Denn auf engen räumlichen Verhältnissen entsteht sogenannter "Dichtestress". Durch die ungewohnt viele gemeinsame Zeit können Konflikte in der Partnerschaft oder im Familienleben entstehen bzw. schwelende Streitigkeiten überkochen. In einer beengenden Situation braucht es vor allem Auszeiten. Ein Rückzug in ein anderes Zimmer für eine halbe Stunde oder eine warme Dusche können schon helfen, dass sich eine aufgeladene Stimmung wieder beruhigen kann. Auch Kindern kann eine Auszeit nicht schaden. Ein bisschen alleine spielen, etwas zeichnen oder basteln oder im Bett liegen und ein Buch lesen, können die innere Stärke der Kinder fördern.

Konflikte und Gewalt vermeiden

Um den neuen Familienalltag möglichst stressfrei zu halten, empfiehlt der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP):

  • Definiert klar abgegrenzte Stunden, die jeder für sich allein verbringt.
  • Ermöglicht allen Familienmitgliedern Rückzugsmöglichkeiten.
  • Sprecht Ärger an, noch bevor die Situation eskaliert.
  • Macht alleine einen Spaziergang um den Häuserblock oder durch den Wald.
  • Macht einen täglichen Familien-Mini-Krisenstab oder -Konferenz: Wie geht es jedem Einzelnen, wer braucht was, welche Ideen und Wünsche haben die Einzelnen?
  • Seid nachsichtiger als sonst, euch selbst und den anderen gegenüber! Es ist durchaus eine Herausforderung für alle Familien.
  • Holt euch im Bedarfsfall professionelle Hilfe.

Weitere Tipps für den Familienalltag findet ihr HIER .

Wer hilft mir im Notfall?

Sollte ein Konflikt alleine nicht mehr zu lösen sein, bietet der Psychologenverband unter 015048000 psychologische Hilfe an. Die Nummer ist von Montag bis Freitag zwischen 9 und 16 Uhr erreichbar.

Spezielle Hilfe für Kinder und Jugendliche gibt es rund um die Uhr bei Rat auf Draht – erreichbar unter 147.

Hilfe bietet auch die Frauenhelpline unter 0800222555. Die Nummer ist rund um die Uhr besetzt und wurde aktuell aufgestockt. Zu bestimmten Zeiten gibt es zudem Beratungen auf Ungarisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Rumänisch, Türkisch und Arabisch.

Für Männer, die in Krisen- und Gewaltsituationen Hilfe benötigen ist der Männernotruf unter 0800246247 24 Stunden am Tag erreichbar.

Wer nicht telefonieren kann oder möchte findet im Helpchat unter www.haltdergewalt.at auch online Hilfe.

"Quarantäne ist kein rechtsfreier Raum"

Bei akuter Gefährdung ist immer noch die Polizei der erste Ansprechpartner. Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) und Justizministerin Alma Zadic (Grüne) bekräftigten dies am Donnerstag in einer Pressekonferenz, in der sie ein Maßnahmenpaket gegen häusliche Gewalt vorgestellt haben. "Quarantäne und häusliche Isolation ist kein rechtsfreier Raum. Die Krise ist kein Freibrief für häusliche Gewalt. Wir gehen mit aller Härte gegen jeden vor, der Frauen und Kinder angreift", betonte Raab. Die strafrechtliche Verfolgung der Täter bzw. Gefährder sei "weiter gesichert", ergänzte Zadic. Betretungs- und Annäherungsverbote würden weiter ausgesprochen, Wegweisungen vollzogen.

Salzburger Frauenhäuser für Betroffene offen

Ist die Sicherheit in den eigenen vier Wänden jedoch auch trotz Wegweisung und polizeilichem Einschreiten nicht mehr gegeben, bieten die Salzburger Frauenhäuser Betroffenen Schutz. Einrichtungen gibt es in der Stadt Salzburg, in Hallein (Tennengau) und in Saalfelden (Pinzgau).

Wie die Leiterin des Salzburger Frauenhauses Birgit Thaler-Haag im Gespräch mit SALZBURG24 schildert, stünden diese Einrichtungen in der aktuellen Lage vor großen Herausforderungen. "Einerseits geht es um den Schutz unserer Mitarbeiterinnen vor Infektionen, aber wir wollen den Betrieb dennoch aufrechterhalten", so Thaler-Haag. Der Weg in die Frauenhäuser müsse weiterhin allen Betroffenen offenstehen.

In den Einrichtungen seien derzeit möglichst wenige Mitarbeiterinnen gleichzeitig anwesend, damit im Falle einer Coronavirus-Ansteckung nicht das gesamte Team in Quarantäne müsse. Derzeit finden im Haus der Stadt Salzburg 14 Frauen und 16 Kinder Unterschlupf. Fünf Zimmer sind nicht bewohnt. Ein erhöhter Bedarf sei noch nicht zu bemerken.

Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft

Als besonders wichtig erachtet sie in dieser für uns alle herausfordernden Zeit die Nachbarschaftshilfe. Dabei gehe es nicht nur um Erledigungen für Ältere, sondern auch um Aufmerksamkeit. Thaler-Haag appelliert, vermehrt ein Auge und Ohr auf die Mitmenschen in der eigenen Umgebung zu haben und nicht zu zögern, den Notruf zu wählen, wenn jemand um Hilfe ruft oder man Gewalt mitbekommt.

Alle Nummer im Überblick

  • BÖP-Helpline: 015048000
  • Frauenhelpline: 0800222555
  • Rat auf Draht: 147
  • Männernotruf: 0800246247
  • Opfernotruf: 0800112112

Kontaktdaten zu den Salzburger Frauenhäusern:

  • Frauenhaus Salzburg

Telefon: 0662 / 458 458
E-Mail: office@frauenhaus-salzburg.at
www.frauenhaus-salzburg.at

  • Frauenhaus Hallein

Telefon: 06245 / 802 61
E-Mail: office@frauenhaus-hallein.at
www.frauenhaus-hallein.at

  • Frauenhaus Pinzgau

Telefon: 06582 / 743 021, Frauennotruf: 0664 /500 68 68
E-Mail: frauenhaus@sbg.at
www.frauenhaus-pinzgau.at

(Quelle: SALZBURG24)

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